Die meisten Menschen werden ungern alt. Das war wohl immer so. Die Jugend ist an die Jungen verschwendet, formulierte das der alte Spötter George Bernhard Shaw. Eher jüngeren Datums ist das Sentiment, froh zu sein, nicht noch einmal jung sein zu müssen. Das sagt viel aus, vor allem darüber, wie die Nicht-mehr-Jungen auf die Jüngeren blicken, und auch, was es bedeutet, heute jung zu sein.
Die Bedingungen hierfür sind durchaus widersprüchlich. Das Ausmaß des materiellen Wohlstands ist heute ungleich höher als zu Zeiten der ersten zwei, drei Nachkriegsjahrzehnte. Damals ging es von bescheidenerem Niveau verlässlich aufwärts – und zwar für so gut wie alle. Diese Zukunftszuversicht ist der Stoff, aus dem das Vertrauen in die Gesellschaft und ihre Politik gestrickt ist – auch wenn diese Politik, mit heutigen Augen betrachtet, autoritäre Züge aufwies. Krisen und Kriege gab es auch, sogar vor der eigenen Haustür. Doch nicht einmal diese vermochten den Optimismus dauerhaft zu brechen. Dass das Ausmaß und die Geschwindigkeit von Veränderung überschau- und beherrschbar erschienen, mag auch eine Rolle gespielt haben.
Zukunft ist dort, wo die Politik nicht hinwill
Davon kann in der Gegenwart keine Rede sein. Die neuen Technologien überrollen uns mit einer Wucht, die nicht nur viele einzelne, sondern auch diejenigen überfordert, die zu einer ordnenden Steuerung vorgesehen wären: die Politik. Statt sich mit der Gestaltung der Zukunft zu befassen, erleben wir deren Inszenierung. Rhetorisch flüchten sich weite Teile der Politik ohnehin zurück in eine glücklichere Vergangenheit, an die sich nur persönlich erinnern kann, wer 50 Jahre und mehr auf dem Buckel hat. Hinzu kommt eine Weltordnung in Unordnung.
So gesehen ist es fast schon erstaunlich, dass 44 Prozent der 16- bis 26-Jährigen überzeugt sind, dass das politische System der Republik gut funktioniert. Immerhin handelt es sich bei diesem um eine Erbengeneration gleich in mehrfacher Hinsicht: Zwar dürfen sich etliche Glückliche dereinst auf ein Haus oder eine Eigentumswohnung freuen, viele erhalten auch eine ordentliche Schulbildung, und alle profitieren von einem Gesundheitssystem, in dem es ächzt und knirscht, das aber dennoch eine hohe Versorgungsqualität aufweist.
Keine Bilanz zum Herzeigen
Aber das ist nur die eine Hälfte der Erbschaft. Denn die Alten hinterlassen den Jungen auch eine demografische Schieflage, die alle bestehenden Solidarsysteme untergräbt – die Pensionen inklusive. Hinzu kommt ein Integrationsdilemma, das aufgrund fehlender Qualifikation den künftigen Wohlstand gefährdet. Zudem muss der Umstieg der Energieversorgung auf Erneuerbare bewerkstelligt sowie die eigene Wehrfähigkeit wiederhergestellt werden.
Das alles mit einem kollektiven Schuldenrucksack, den Gegenwart und Vergangenheit trotz wachsenden Wohlstands angehäuft haben. Die Debatte über eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst auf Kosten der Jungen ist die Kerze auf dieser schaurigen Bilanz der Gegenwart.