Guten Morgen, geschätzte Leserinnen und Leser!
 
Spekulieren Sie derzeit auch ein wenig darüber, wer Ihnen einen „Schutzschirm“ zur Verfügung stellen würde, wenn Sie an der Börse etwas verkauft hätten, was Sie noch nicht haben und aufgrund einer Preisexplosion immer höhere Besicherungen fällig würden? Auf die Wien Energie soll ein solcher „Leerverkauf“ ja nicht zutreffen. Es soll also nicht spekuliert worden sein. Es soll nur gehandelt worden sein und dies sei, wie versichert wird, absolut üblich. Also kein Grund für die zunehmende Verunsicherung der zwei Millionen Kundinnen und Kunden von Wien Energie, wie die Wiener Rathausspitze versichert? Zumal nun auch ein „Schutzschirm“ gefordert wird – wegen der „verrückt spielenden Märkte“ und natürlich nicht wegen Zocker.
 
Kein Grund zur Verunsicherung, wenn ein Unternehmen der Stadt Wien durch Stromverkäufe in die Zukunft im schlimmsten Fall zehn Milliarden Euro zur Besicherung benötigen könnte? Ja, vielleicht werden es nur zwei Milliarden sein. Oder drei oder vier. Vielleicht werden morgen wieder 400 Millionen zurücküberwiesen. Wie dies sich auch bei Short Selling-Verkäufen abspielt. Da wird verkauft, was man noch nicht hat. Ob Wien die bis 2024 verkauften Terrawattstunden Strom – weit mehr als die Hälfte der jährlichen Eigenproduktion! – zur Gänze selbst liefern kann oder zukaufen wird müssen? Wenn nicht, hat die gesamte Republik und nicht nur die Kundinnen und Kunden der Wien Energie einen Grund, verunsichert zu sein. Aber selbst wenn geliefert werden kann, gibt es Gründe zur Verunsicherung. Immerhin war die Explosion der Strompreise seit Februar absehbar. Im Risikomanagement der Wien Energie hätten somit alle Warnblinkanlagen aufleuchten müssen. Ob ein Aussteigen mit Verlusten je diskutiert wurde? Es darf spekuliert werden. Aber jetzt ist einmal Beruhigung angesagt. Wie meint der Aufsichtsratsvorsitzende der Wien Energie auf die Kritik der Wiener ÖVP, die Geschäfte seien die Folge von „Zockerlaune“? Spekulationsgeschäfte seien nicht erlaubt und alle Börsengeschäfte der Wien Energie völlig üblich. Na dann!   
 
Einen Tag ohne folgenschwere Spekulationen wünscht Ihnen 
Carina Kerschbaumer