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WM-Quali-SpielSasa Kalajdzic: Der Schlaks aus Kaisermühlen

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

Sasa Kalajdzic: „Ein Tag, den ich nie vergessen werde“
Sasa Kalajdzic: „Ein Tag, den ich nie vergessen werde“ © GEPA pictures/Michael Zemanek
 

Guten Morgen!

Ein Stadion mit 50.000 Schotten und peitschendem Regen vom Meer her, das kann was. Das geht normalerweise in Richtung Naturgewalt und riders in the storm. So wurde es nur ein leeres schottisches Stadion als Echoraum für ein paar schreiende Männerstimmen, ein zorniger Franco Foda, dem das Wasser vom Haupt durch die teure Mode rann und eine österreichische Nationalmannschaft, die in neunzig Minuten zwei Tore schoss, aber nicht zueinander fand. Am Ende fiel ein 2:2 ab und ein Punkt. Er roch mehr nach Enttäuschung als nach Errungenschaft und geglücktem Beginn von etwas Großem.
 
Etwas Großes sah man dann doch an diesem Abend der unerfüllten Hoffnung, den zwei Meter langen Sasa Kalajdzic aus Kaisermühlen, Kind einer serbisch-bosnischen Flüchtlingsfamilie. Der Bub kam in Wien auf die Welt, wuchs hier auf und beschloss, niemals damit aufzuhören, beseelt vom einzigen Wunsch, die Welt von oben zu sehen, von unten kannte sie die Familie, als sie dem geschundenen Bürgerkriegsland in den Neunzigern entrann.

Es gab in der Nacht unter den Agenturbildern im Netz ein sagenhaft gutes Bild, das Sasas sagenhaftes Kopftor zeigte. Er köpfelte es in einer Höhe, für die Normalsterbliche entweder eine New Yorker Feuerwehrleiter oder ein Sauerstoffgerät benötigen. Auf dem Foto sieht man, wie sich der 23-Jährige, befreit von jeder irdischen Schwerkraft, in die Luft geschraubt haben muss, und wie die ihn Umringenden, die am Boden zurückblieben, zum Torschützen staunend emporblicken. Das Kind aus Kaisermühlen kann zur Physik seines Körpers und was er damit vollbringt, nicht viel sagen, nur so viel: „Ich bin so lang wie eine Woche. Ich bin aber nicht der klassische Riese, der vier Meter breit ist und sich vor lauter Kraft nicht bewegen kann. Ich bin eher der Schlaks, der auch mit dem Ball umgehen kann. Ich habe einfach einen anderen Hebel.“

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