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MorgenpostCorona-App: Raus aus der Deckung!

Der tägliche Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

© APA/AFP/Indranil Mukherjee
 

Guten Morgen!

Je mehr ich über die Corona-App höre und lese, desto sympathischer wird sie mir, denken Sie, was Sie wollen. Sie ist – erst recht in der geplanten europäischen Standardisierung – die aufgeklärteste und karitativste Wanze, die mir je untergekommen ist. Wenn ich sie recht verstehe, stalkt sie einen eben nicht nieder. Sie will nichts, sie will nur mich und potentiell Gefährdete im Radius der letzten zwei Wochen warnen und schützen, um Infektionsketten schneller zu durchtrennen. Sie, das ist ein Pseudonym in Form eines ID-Codes. Personenbezogene Daten? Gibt es keine. Entblößung vor dem Staat? (Norbert Hofer). Der ist gar nicht zugeschaltet. Die App ortet niemanden. Sie zeichnet keine Wege nach. Sie ist nur genauer und schneller als die löchrige Erinnerung: Neben wem noch einmal bin ich vor zehn Tagen an der Bushaltestelle gestanden? Sie schnüffelt nicht. Auch nicht, ob jemand die Quarantäne einhält oder nicht. Das alles hat gestern Nacht der Datenexperte Viktor Mayer-Schönberg von der Uni Oxford im „Zentrum“ bekräftigt.
 
Da gibt es ganz andere Schnüffler, aber merkwürdigerweise belasten uns die nicht, so wenig wie die epidemischen Selbstentäußerungen in den sozialen Medien. Irgendwann vor sechs Jahren in Rhodos vor der Weiterfahrt mit der Fähre nach Symi über Booking.com ein Hotel im Hafen gebucht. Noch heute schickt mir die Vermittlungsapp ungebetene Offerte per Mail, sie hätten da jetzt was Günstiges in der Altstadt. Auf YouTube vor Monaten nostalgietrunken einen der Lieblingssongs aus den Teenager-Jahren gehört, "Total Eclipse" von Pink Floyd. Seither nervt mich die Applikation im Wochentakt mit allen je erschienenen Songs der Band, auch den weniger genialen. Nötigung, die mir mittlerweile meine ganze Jugendliebe verleidet. Ach ja, und gestern Abend für eine TV-Aufzeichnung via Skype in den leeren Newsroom gefahren, als plötzlich eine Anzeige aufleuchtet, wie viele Minuten zum Zielort verbleiben, einem Zielort, den ich niemandem mitgeteilt habe. Leider ließ sich die Wanze nicht erschlagen, weil das Auto neu ist und der Firma gehört.
 
Dass die App was grundsätzlich Gescheites für die Absicherung des Ausstiegs aus dem Shutdown ist, diese Ahnung festigte sich gestern beim Anhören der Kritiker, die „im Zentrum“ von Diktatur und Massenpsychose und Führer faselten, leider im Kielwasser auch die kluge Frau Meinl-Reisinger. Zuerst sagte sie, dass die App vom Roten Kreuz etwas ganz Böses sei und wenig später, dass sie für eine freiwillige Nutzung natürlich schon zu haben wäre. Also wenn es was ganz Böses ist, ist es böse, auch wenn es freiwillig ist. Da zerbröselte die Argumentation wie ein Ausseer Lebkuchen ihrer Zweitheimat.
 
Klar. Die App darf nicht als Zwang kommen, das nährt nur das Misstrauen der Bürger. Der Nutzen der Technologie ist so plausibel, dass es Aufgabe der Regierung wäre, ihn sauber und transparent zu kommunizieren. Auch die Bedingungen einer Einführung wie unabhängige Kontrolle und eiserne Befristung. Statt ordentlicher Überzeugungsarbeit agiert man verstohlen im Hintergrund, lässt Versuchsballons steigen (Sobotka) und erweckt den Eindruck, man liebäugle mit der Einführung durch die Hintertür. Die Regierung wird sich untreu. Den Souveränitätseinbruch sollte sie schleunigst korrigieren.
 
Woche vier im Ausnahmezustand. Auf dem Tisch eine Singer-Nähmaschine aus dem Keller. Geben Sie sich die Queen-Rede, hören Sie Pink Floyd und bleiben Sie zuversichtlich. Es gibt gute Gründe.

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Danke für Ihr Verständnis.

pregwerner
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Gesunde Alternativen...

Die App sagt nur aus, dass man in der Nähe eines "registrierten Infizierten" war. Eigentlich eine nahezu unbedeutende Information! Unbedeutend deswegen, weil die App nie aussagen kann und wird, ob ich ebenso "unregistrierten Infizierten" begegnet bin.

Grundsätzlich gilt nämlich eine Grundformel: Jede Person, welcher ich begegne, könnte infiziert gewesen sein! Mit oder ohne App-Meldung.

Daher muss uns viel mehr an Präventionsmaßnahmen gegen Ansteckung liegen!

Wie begegne ich Menschen wärend einer derartigen Pandemie!?! Abstand halten, Schutzmaske - Schutzglas für Gesicht usw. sind da tausendmal besser als jede "im nachhinein Meldungsapp" der Welt!

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thebigcat
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Dem Artikel kann man nur beipflichten,

bei der App geht es letztlich um kommunalen Schutz, der in der aktuellen Situation dringend gebraucht wird.

Ich frage mich auch, warum diese anonyme Applikation so kritisch gesehen wird, wo gleichzeitig unzählige Kundenkarten und Suchmaschinen die Nutzer bei jedem Kontakt durchleuchten - im primären Interesse der dahinterstehenden Firmen.

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Lodengrün
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Herr Patterer

ist schon beeindruckend wie Sie hier zu Werke schreiten. "....denken Sie, was Sie wollen". Vielleicht wäre das auch für Sie befruchtend was wir denken. So aber schreiten Sie voran mit der Absicht uns eine App zu verkaufen von der wir nebst anderen, auch klugen Geistern, nicht so begeistert sind. Es ist schon richtig, dass wir dieser Tage oft unwissentlich zwangsbeglückt werden, hier aber liefern wir uns aber einer Einrichtung aus, deren Kontrolle in der Zukunft fragwürdig ist. Nun beende ich meine Ausführungen denn wie Sie feststellten, es interessiert Sie ohnehin nicht.

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1167057PRAC
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Mut zur Corona App

Ich denke,dass diese App ein wesentlicher Baustein zur Bewältigung der Pandemie ist.Sie soll freiwillig sein und durch Vertrauen in unsere Bundesregierung (welches derzeit in hohem Maße gegeben ist) wird es möglich sein möglichst viele Menschen zu erreichen,diese App zu verwenden.Es regt sich übrigens niemand auf,wenn er oder sie aufgrund von "social Medien activity" jahrelang mit gezielten Kauf- und Urlaubsangeboten etc.bombadiert wird.Mit ca 100 likes in social Medien kennen uns facebook etc.besser als unser Partner/in.Darum keine Angst vor Corona App !

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