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MorgenpostÖsterreich Industrie zeigt ihre steirischen Muskeln. Wovor fürchtet sich deutsche IG Metall?

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© ams AG
 

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Darauf blickt man als Österreicher/in mit einer Mischung aus Staunen und Stolz: Die steirische ams AG nimmt abermals Anlauf, Industriegeschichte zu schreiben und die traditionsreiche, aber angeschlagene einstige Siemens-Tochter Osram zu übernehmen. Dafür tritt die ams AG in ein Bietermatch gegen die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ein. ams bietet rund 4,3 Milliarden Euro, um zehn Prozent mehr als die US-Private-Equity-Riesen. Für die Steirer als strategischen industriellen Investor geht es darum, einen global führenden Sensor-Erzeuger für Zukunftsfelder wie den autonomen Fahrzeugen zu schmieden. Für die Amerikaner ist Osram eine Finanzinvestition, bei uns würde man sagen eine Spekulationsjause, für baldigen ertragreichen Weiterverkauf.

Deshalb ist man einigermaßen verwundert darüber, dass sich von den Osram-Betriebsräten bis zu deutschen Spitzengewerkschaftern eine massive Ablehnungsfront gegen die steirischen Chip- und Sensoren-Profis formiert hat. Wovor fürchtet sich die IG Metall? Auf dem Servierteller für die 6000 deutschen Osram-Beschäftigten liegt das Angebot der Österreicher, die LED-Produktion von Asien nach Deutschland verlagern und das Werk Regensburg auszubauen. Dennoch wetterte die stellvertretende Münchner Osram-Betriebsratschefin Ursula Krüger, die auch dem Gesamtbetriebsrat angehört, man werde "nicht zulassen, dass unsere Standorte und Osram zerschlagen werden".

Bain Capital, das rund 105 Milliarden Dollar Assets unter Management hat und im markanten John Hancock Tower in Boston residiert, sowie die noch größere Carlyle Group, die 175 Milliarden US-Dollar in Fonds und Dachfonds verwaltet, sollen hingegen den Osram-Leuten angeblich Standort- und Beschäftigungsgarantien gegeben haben. Für wie werthaltig die IG Metall diese hält, möchte man gerne erklärt bekommen. Offenbar klingen aber die Milliardensummen aus den USA verlockender als das ams-Vorhaben, den Kauf mit Krediten, die man Kraft der eigenen industriellen Leistung und mit jährlich 300 Millionen Euro Synergiepotenzial verdienen möchte.

Ob dabei ein deutsches Unternehmen in US-Hände kommt oder sich ein starker europäischer Sensor-Erzeuger herausbildet, scheint für die IG Metall nicht erheblich zu sein. Gelingt der ams-Coup, würde sich auch der Kreis einer großen österreichischen Industriegeschichte schließen. Die Marke Osram wurde 1905 vom Erfinder der Glühbirne, Carl Auer von Welsbach in Kärnten begründet, ehe 1919 Siemens und AEG das entsprechende Unternehmen gründeten.

Sowohl in den USA als auch in Deutschland überzeugend durchsetzen konnte sich übrigens eine Innovation mit steirisch-kärntnerischem Industriebackground. Christian Planegger, der einst den Automotive-Spezialisten Ventrex in Graz zum Hidden Champion aufgebaut und ertragreich verkauft hatte, hat gemeinsam mit seinem Co-Gesellschafter Rainer Kurek mit der „Automotive Management Consulting“ AMC für einen Ultraleichtbausitz den „German Innovation Award“ der Agentur für Formgebung gewonnen, sowie den weltweit renommierten „Altair Enlighten Award“ in den USA. Der Entwicklung eines nur zehn Kilogramm wiegenden Sitzes liegt ein revolutionärer digitaler Produktionsprozess für ein 3-D-Wickelverfahren mit Einzelkarbonfasern zugrunde. Von Daimler bis Toyota, Airbus bis Raumfahrt, sei man interessiert. 1994 waren der Kärntner Planegger und sein damaliger Entwicklungschef Kurek übrigens bereits mit der Ventrex ausgezeichnet worden. Mit dem steirischen Innovationspreis.

Einen erfolgreichen Tag mit gutem Blick auf die Zukunft wünscht Ihnen

Kommentare (1)

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gerbur
2
2
Lesenswert?

Steirische Firma ja, aber welchen Vorteil

hat der Standort Steiermark davon, wenn in Regensburg Arbeitsplätze entstehen?

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