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MorgenpostEine Empfehlung für einen Tagesausflug unter dem Motto Flugschämen & Bodenhaftung

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Guten Morgen!

Heute zur Abwechslung
eine honorarfreie Empfehlung für einen Tagesausflug unter dem sommerlichen Motto Flugschämen & Bodenhaftung. Drei Länder an einem Tag, beglaubigt durch Selbsterfahrung. Sie steuern auf der Südautobahn Tarvis an. Das ist der Ort, an dem Sie sich früher über die Grenze zitterten, weil hinten im Kofferraum, schlecht versteckt unter Planen, Decken oder Autoreifen die neue Lederjacke verräterisch penetrant hervorroch und der Grenzbeamte auf die Frage, was es zu verzollen gäbe, als Antwort bekam, nur ein Packerl Polenta, Herr Inspektor. Tarvis also, oder besser: das Kindheitstarvis. Im Ort wählen Sie die Abzweigung auf den Predil-Pass. Predil heißt Pass auf slowenisch, also eine blöde Doppelung. Heißt aber trotzdem so. Der Pass war früher eine römische Handelsstraße, deren Kurvenradien vor gut hundert Jahren an die Bedürfnisse kakanischer Panzerfahrzeuge angepasst wurden.
 
Man kommt an einem smaragdgrünen Bergsee vorbei, an Bikern, Paddlern, Denkmälern, alten Bergbaustollen, die daran erinnern, dass Kärnten einmal Industrieland war, an Festungen, Schluchten, aufgelassenen Grenzübergängen, Friedhöfen und Festungen, die mehrsprachig von der schlimmsten und blutigsten Gebirgsschlacht der Militärgeschichte erzählen, zwölf an der Zahl. Reise in die Geschichte, eingebettet in ein imposantes, dramatisches Gebirgspanorama. Dann bergab ins slowenische Soca-Tal, das die Rafting-Community in einer friedlichen Landnahme in Besitz genommen hat. Neuer Versuch einer Sinnstiftung in einem entvölkerten, trostlos schönen Landstrich, getränkt mit Zeitgeschichte: Generation der Großväter, auch des eigenen, der mit 17 eingezogen wurde, um die Südfront zu verteidigen, was heißt verteidigen, um die Nachbarn, die zuvor noch in den Kärntner Städten Schuster lernten oder Schmied oder Kellner und im nahen, feindlichen Schützengraben zur Verstörung der Hiesigen österreichischen Dialekt sprachen, an die Piave zurückzudrängen. Wo erstmals Giftgas zum Einsatz kam, stehen heute Campingplätze mit bunten Schlauch- und Kanubooten. Die letzte gewonnene Schlacht der Monarchie in einem wenig später verlorenen Krieg, so steht es auf einem Gedenkstein entlang der Pass-Straße, freilich nur der erste Teil des Satzes. Machen Sie Halt in Kobarid, deutsch: Karfreit, und besuchen Sie das famose, ideologiefreie Kriegsmuseum. Fragen Sie nach Elke und lassen Sie sich von ihr führen: eine große Erzählerin und Chronistin des Schreckens und der Traumata. Noch heute, hundert Jahre später, spült das Schmelzwasser im Fluss Jahr für Jahr Kriegsrelikte aus dem kalkigen Gestein. Setzen Sie die Fahrt fort, und die Weite und Milde der friulanischen Ebene wird Ihnen guttun.
 
Geben Sie den Ort Buttrio ein, er ist klein, aber groß genug für das Navi, nur wenige Kilometer von Cividale entfernt: Dort gibt es, im Schatten eines mächtigen Campanile, ein wunderbares, aus alten Steinmauern errichtetes Restaurant, dessen prachtvoller Naturpark der Osteria ihren Namen lieh: Al parco. Fragen Sie nach dem Chili-Risotto mit Thunfisch-Tatar und dem Sauvignon aus dem Weinkeller. Es kann sein, dass Sie die letzte Etappe der Tagesreise, Fahrt durch den Collio zur Duineser Bucht, um im Bad neben der Dama bianca kurz abzutauchen, streichen müssen. Aus Bewegungsunfähigkeit oder weil die Intensität des Augenblicks und das unablässige Zirpen der Grillen so eine komische Lust auf Ewigkeit in einem wachrufen, eine Art schwerelose Schwere, funktioniert aber nur mit dem Chili-Risotto.
 
Cave canem, hüten Sie sich vor den Hundstagen! Herzlich

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gerbur
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2
Lesenswert?

Von wegen Flugschämen!

3 Länder an einem Tag, vermutlich mit Auto (SUV?) als kontemplativen,alternativ ökologischen Ausflug zu bezeichnen, grenzt arg an Verarschung.

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