Ich fand gut, dass Victor Orbán da war.
Ich fand es gut, vor aller Augen dargeboten zu bekommen, was geschieht; keine falsche Fassade, kein Maskenspiel, kein So-Tun-Als-Ob mehr; die Aufführung, die Walter Rosenkranz, der neue Hausherr gab, war echt, pur, so geht also „Privatbesuch“, so geht neue blaue „Höflichkeit“, wenn „jemand kommen und reden will“: der auf der Empore ausgelegte rote Teppich, über den sich der Gast genüsslich hinaufmühte. Die Balkonszene als Bild machtbewusster Erhabenheit, Balkon heißt immer, „Seht her!“, während unten die Empörten, laut genug für die Fernsehkameras, hilflos und schrill hinaufskandierten, hilflos und schrill genug, um vom Gast in den Sozialen Medien hinterher verlacht zu werden.
Orban in Wien
Der rote Teppich und die gekaperten Symbole der Republik
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