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Nach seinem Tod"Chanel-Mädchen": Virginie Viard tritt Karl Lagerfelds Erbe an

Die Nachfolge von "Kaiser Karl" ist geregelt. Seine langjährige Mitarbeiterin und Komplizin Virginie Viard tritt die Nachfolge Karl Lagerfelds bei Chanel an. Ein Porträt.

Chanel-Schau, Virginie Viard
Von der Praktikantin zur Chefin: Virginie Viard © APA/AFP/BERTRAND LANGLOIS
 

Sie war seine "rechte und linke Hand". Dieses Kompliment hat der verstorbene deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld einmal seiner langjährigen Mitarbeiterin Virginie Viard gemacht. Jetzt tritt die Modedesignerin die Nachfolge von "Kaiser Karl" an.

Die Fußstapfen sind riesig: Viard werde "das Erbe von Gabrielle Chanel und Karl Lagerfeld am Leben erhalten", hieß es in einer Erklärung des französischen Modehauses.

 

Sie selbst beschrieb sich einmal als "Chanel-Mädchen". Gewiss eine Untertreibung der Frau, die sich wie viele in der Modewelt über ihr Alter ausschweigt, aber anders als die meisten in der Branche das Rampenlicht bisher mied. Die groß gewachsene Frau war die wichtigste Mitarbeiterin Lagerfelds im Hause Chanel.

Viard arbeitete lange Jahre im Schatten des Genies und setzte seine Ideen um. Zu Chanel kam sie bereits 1987 als Praktikantin für Stickerei. Vier Jahre zuvor hatte Karl Lagerfeld bei dem Modehaus das Zepter übernommen. Im Gespräch mit AFP sagte Viard einmal, dass Lagerfeld und sie sich "ergänzten": "Es gelingt mir umzusetzen, was er machen möchte, ich habe verstanden, wohin er Chanel führen will, aber ich kann es nicht genau erklären, so ist es eben!" Lagerfeld habe die Themen der Modenschauen stets lange im Voraus vorgegeben - "sechs Monate oder ein Jahr", erinnerte sie sich.

Gleichzeitig sei Karl Lagerfeld schnell gewesen und habe einen untrüglichen Blick für das Machbare gehabt. "Er beschäftigt sich nicht drei Stunden lang mit einem Kleid, er sieht sofort, ob etwas geht oder nicht." Sie habe ziemlich schnell verstanden, wie Zusammenarbeiten mit ihm funktioniere.

Sein Leben in Bildern: Mode-Ikone Karl Lagerfeld gestorben

Schon im Jänner war die Modebranche in Aufruhr: Modezar Karl Lagerfeld hat bei zwei Chanel-Modenschauen gefehlt. Begründet wurde sein Fehlen: Der Meister sei erschöpft.

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Lagerfeld ging es in den letzten Wochen offenbar schlechter, am Montagabend wurde er nach einem medizinischen Notfall ins Krankenhaus eingeliefert und verstarb am Dienstagfrüh.

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Seit 1983 hat er die Geschicke des Modehauses Chanel geleitet und damit das Erbe von Coco Chanel weitergeführt.

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König Karl, wie er gerne ehrfürchtig genannt wurde, war Modedesigner, Fotograf, Designer, Filmemacher, Verleger und Stilikone.

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"Man muss sich für alles interessieren - aber man darf nie nur in eine Richtung gehen, man muss sich alle Türen offen halten. Man darf seine Neugierde nicht verlieren, sonst geht die Energie weg", sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit".

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In der Welt der Mode galt der am 10. September in Hamburg geborene Karl Lagerfeld seit dem Tod von Yves Saint Laurent als Alleinherrscher.

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Als im Jahr 2001/2002 der Designer Hedi Slimane seine erste Kollektion für Dior präsentierte, war Lagerfeld vor allem von den Slim-Fit-Anzügen begeistert. Rund 40 Kilogramm ...

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... hat er damals abgenommen, um in diese Anzüge zu passen.

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Und auch sonst hat er seinen Stil nochmals verändert: Ringe am Finger und hochgeschlossene Krägen waren fortan sein Signature-Look.

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Im Jahr 2008 entwarf er für den Spielzeughersteller Steiff einen Lagerfeld-Teddybär. Das Schmusetier mit Sonnenbrille, schwarzer Seidenkrawatte und weißem Hemd mit Stehkragen war auf 2.500 Stück limitiert - der Preis für das Alpaca-Plüschtier: 1.000 Euro.

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Schon zuvor hatte Lagerfeld nicht den Schritt in den Mainstream gescheut: Um elf Prozent steigerte H&M im Geschäftsjahr 2003/2004 seinen Umsatz, nachdem Lagerfeld eine Kollektion für das Modehaus kreiert hatte.

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Seine Modeschauen waren Anziehungspunkt für Promis aus der ganzen Welt. Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf.

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Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm.

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Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt. Ich habe nicht einmal Abitur gemacht und nix." Und doch war er alles: die Modebranche trauert um einen ganz Großen.

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In einem ihrer seltenen Interviews gab Viard 2017 im britischen "Telegraph" einen Einblick in ihr Wirken an der Seite des Modegiganten. "Ich hauche zusammen mit den Ateliers und den Werkstätten den Kollektionen nach seinen Zeichnungen Leben ein. Ich koordiniere die Teams, arbeite mit den Lieferanten zusammen und wähle die Stoffe aus. (...) Ich versuche, ihm zu gefallen, aber mag es auch, ihn zu überraschen."

"Lange Komplizenschaft"

Im selben Jahr sagte sie dem Magazin "Madame Figaro", dass sie "leicht seine Ideen umsetzt". Sie beide verbinde eine "lange Komplizenschaft". Sie sei die Studioleiterin und beaufsichtige sieben Ateliers und acht Kollektionen. "Aber Karl Lagerfeld leitet die Anprobe."

Viard selbst ist dabei eher modische Minimalistin. Oft ist sie in engen schwarzen Hosen zu sehen. Um chic zu sein, reiche ein schwarzes T-Shirt mit einem guten Accessoire, sagt sie. Sie liebe "Mode, die bleibt" - in Anlehnung an den berühmten Spruch von Coco Chanel: "Mode vergeht, aber Stil niemals."

Virginie Viard, Chanel, Fashionshow, Paris
Bei der Chanel-Show diesen Februar in Paris Foto © APA/AFP/ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Das Schattendasein wird Viard nun aufgeben müssen. Dem Magazin "Elle" hatte sie einst anvertraut, dass sie es "hasst, im Mittelpunkt zu stehen". Dazu kam es bereits bei der Chanel-Schau im Jänner in Paris. Dort vertrat sie Lagerfeld vor wenigen Wochen, als er aus Erschöpfung erstmals nicht an einem Defilee teilnahm, am Ende der Schau auf dem Laufsteg und nahm den Applaus des Publikums entgegen. Ihrer öffentlichen Feuertaufe als Chanel-Spitze sieht Viard bereits Anfang März entgegen - bei den kommenden Herbst-Winter-Schauen für Pret-a-porter.

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