Der Liedermacher Reinhard Mey - er wird im Dezember 83 Jahre alt - erlebt derzeit ein außergewöhnliches Comeback: Ein Song von ihm, der vor über 55 Jahren auf seinem Album „Aus meinem Tagebuch“ erschien, schaffte nun den Sprung in die deutschen Charts. Möglich wurde dies durch die neue Netflix-Dokumentation „Babo - Die Haftbefehl‑Story“, die das turbulente Leben und die Karriere des Offenbacher Rappers Haftbefehl (bürgerlich Aykut Anhan) beleuchtet.
In der Netflix-Dokumentation über den schwer suchtkranken Künstler, die gerade in aller Munde ist, gibt es eine Szene, in der Haftbefehl sehr derangiert das Lied „In meinem Garten“ von Reinhard Mey hört, er kann den Text auswendig. „Was ich besaß, hab’ ich ihr gegeben / An Vernunft und an Verstand / Meine Seele ihr gegeben / Mag’s der liebe Gott vergeben“, heißt es darin. Mit brüchiger Stimme singt er mit – und kommentiert: „Brutaler Song, Alter. Heftig.“
Seither verbreitet sich das Lied viral auf Streamingdiensten und in den sozialen Medien: Innerhalb kürzester Zeit entstanden tausende Beiträge auf TikTok mit dem Song als Soundtrack.
„Danke, Aykut, für deine Zuneigung“
Für Reinhard Mey ist dies natürlich höchst erfreulich: Auf seiner Website bedankte er sich bei Haftbefehl mit den Worten: „Danke, Aykut, für Deine Zuneigung und all das, was gerade daraus in unserem Garten erblüht.“ Laut GfK Entertainment ist „In meinem Garten“ damit sein bislang höchstplatzierter Charthit – Platz 15 wurde erreicht.
Die Dokumentation zeigt die dunklen Seiten von Haftbefehl: Drogenprobleme, psychische Krisen, das Auf- und Ab eines Profi-Rappers. In dieser speziellen, sehr emotionalen Szene wird Meys Lied zum emotionalen Katalysator.
Für Mey ist das Comeback zugleich eine Würdigung seiner langen Karriere – und ein Beleg dafür, dass gute Musik keine Verfallsfrist kennt. Für Haftbefehl die Bestätigung, dass er nicht nur Provokateur sein kann, sondern auch Feingeist besitzt.