Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez hat sich kritisch zu den Memoiren des früheren Königs Juan Carlos I. geäußert. Nach der Lektüre der bisher von Medien veröffentlichten Auszüge „gehört es nicht zu den Büchern, die ich als Weihnachtsgeschenk empfehlen würde“, sagte Sánchez der Zeitung „El País“ in einem am Sonntag veröffentlichten Interview.
Auf Distanz ging der sozialistische Regierungschef besonders zu Juan Carlos' Schilderung der Rolle, die er selbst bei der Errichtung der Demokratie in Spanien gespielt habe. „Die Demokratie ist nicht einfach vom Himmel gefallen, sie wurde vom spanischen Volk, von den einfachen Bürgern erkämpft“, betonte Sánchez. In Juan Carlos' 500 Seiten umfassenden Memoiren heißt es dagegen: „Ich habe dem spanischen Volk die Freiheit gegeben, indem ich die Demokratie errichtet habe.“
Die Erinnerungen des Altkönigs kommen zu einem heiklen Augenblick. Madrid bereitet sich darauf vor, ohne Juan Carlos den 50. Jahrestag seines Thronantritts am 22. November 1975 zu begehen. Das war nur zwei Tage nach dem Tod von Diktator Franco, der ihn 1969 zu seinem Nachfolger an der Staatsspitze bestimmt hatte. „Wenn ich König sein konnte, dann dank ihm“, zitiert die französische Zeitung „Le Monde“ Juan Carlos. Die Tageszeitung veröffentlichte vorab Auszüge.
Der Ex-Monarch berichte in seinem Buch „Reconciliación“ (Versöhnung) von der persönlichen Beziehung zum Caudillo und gestehe eine gewisse Sympathie, schreibt die Zeitung. „Ich respektierte ihn enorm, ich schätzte seine Intelligenz und seinen politischen Sinn. (...) Ich habe niemals zugelassen, dass ihn jemand vor mir kritisierte.“ Über die fast vier Jahrzehnte dauernde lange Herrschaft des Diktators schreibt der Altkönig: „Niemand konnte ihn stürzen oder auch nur destabilisieren – was über einen so langen Zeitraum eine erstaunliche Leistung ist.“
87-Jähriger lebt seit fünf Jahren im Exil in den Emiraten
Juan Carlos I. bestieg 1975 nach dem Tod des Diktators Francisco Franco den Thron und wurde damit spanisches Staatsoberhaupt. Bei der Demokratisierung des Landes spielte er eine wichtige Rolle, unter anderem bei der Niederschlagung eines Militärputsches im Februar 1981. Jahrzehntelang erfreute der König sich bei den Spaniern großer Beliebtheit. 2014 dankte er nach einer Reihe von Skandalen ab. 2020 ging er wegen des Verdachts auf Veruntreuung ins Exil in die Vereinigten Arabischen Emirate, wo der 87-Jährige bis heute lebt.
Die Memoiren des früheren Königs waren am Mittwoch zunächst auf Französisch erschienen, die spanische Fassung kommt am 3. Dezember in die Buchläden. Medien veröffentlichten jedoch bereits erste Auszüge. Kritik lösten dabei unter anderem Juan Carlos' freundliche Äußerungen zu Diktator Franco aus. Es sei „abstoßend, dass es heutzutage noch jemand wagt, den Diktator zu verteidigen oder zu rechtfertigten“, kritisierte Kulturminister Ernest Urtasun.
„Unempfindlicher“ Sohn und „Unstimmigkeit“ mit Letizia
Auch zum Verhältnis zu seinem Sohn, Spaniens heutigem König Felipe VI., äußert sich Juan Carlos. „Mein Sohn hat mir aus Pflichtgefühl den Rücken gekehrt“, bedauert der Altkönig. „Ich verstehe, dass er als König eine klare öffentliche Haltung einnimmt, aber ich litt (...) darunter, dass er sich so unempfindlich zeigte.“ Felipe meidet öffentlichen Kontakt zu seinem Vater, um Schaden von der Monarchie abzuwenden.
Dass ihn seine Frau, Altkönigin Sofía, nie im Exil besucht habe, schmerze ihn sehr. Allerdings gab es über die Jahrzehnte auch immer wieder Berichte über Affären des Königs. Über seine Schwiegertochter, Königin Letizia, schreibt Juan Carlos, ihre Ankunft sei „der familiären Harmonie nicht zuträglich“ gewesen. Er schreibt von einer „persönlichen Unstimmigkeit“ mit der Frau seines Sohnes.
In seinem Buch lässt er auch kein gutes Haar an Prinzessin Diana. In seinen Memoiren bezeichnet Juan Carlos Lady Di als „kalte, wortkarge und distanzierte Frau - außer, wenn Paparazzi da waren“. Gerüchte über eine Affäre mit Diana verneinte der Ex-König allerdings.
2014 dankte Juan Carlos zugunsten seines Sohnes Felipe ab. Seither lebt er in Abu Dhabi im Exil.