Wenn Hazel Brugger auf der Bühne steht, bleibt selten ein Auge trocken – allerdings vor Lachen. Mit pointiertem Witz, messerscharfer Präzision und einer subtilen Präsenz begeistert die in der Schweiz aufgewachsene Comedian ihr Publikum. Derzeit moderiert sie die Halbfinali des diesjährigen Eurovision Song Contest, der am 17. Mai im Finale gipfelt– auch ein Höhepunkt in ihrer Karriere. Doch Brugger kennt nicht nur die Bühne und das Scheinwerferlicht, sondern auch das Dunkel und den Abgrund.
Ihre Psyche habe während der Corona-Pandemie 2020 sehr gelitten: „Ich dachte, ich muss nur eine Nacht gut schlafen, einmal in Ruhe duschen, einen Kaffee trinken – aber es funktionierte nicht“, erzählt sie kürzlich in einem Interview mit dem deutschen Magazin „Spiegel“. Die Welt und mit ihr die Kulturszene standen still, Hazel Brugger musste ihr Soloprogramm absagen, dann kam ihre Tochter zur Welt. Und die Entertainerin, sonst für ihre grandiose Komik gefeiert, konnte plötzlich nicht mehr. Es sei eine Zeit gewesen, sagt sie, in der sich ihr Leben „komplett verändert“ habe – öffentlich wie privat. „Der stete Wechsel aus totaler Wärme im privaten Zwischenmenschlichen und brutaler Kälte im Außen hatte mich sehr erschöpft.“
Was sie zunächst für eine vorübergehende Erschöpfung hielt, entpuppte sich jedoch als schwere Depression. In ihrer aktuellen Bühnenshow erzählt sie – unaufgeregt und präzise – von tragischen Momenten, etwa davon, wie sie nachts unter dem Küchentisch saß und spürte: „Hier ist irgendwas nicht in Ordnung.“
„Eine chemische Dysbalance im Gehirn“
Brugger geht mit ihrer Krankheit offen um. „Eine Depression ist eine chemische Dysbalance im Gehirn“, stellt sie nüchtern fest. Das Klischee vom traurigen Comedian, das bei Kollegen wie Torsten Sträter oder Kurt Krömer oft bemüht würde, lehnt sie ab. Witz und Depression seien keine zwei Seiten derselben Medaille. Aber: „Witze können einen retten. Sie schaffen eine Distanz, die es möglich macht, über Dinge zu reden, die vorher unaussprechlich waren.“
Die Entscheidung, sich Hilfe zu suchen, fiel nicht leicht. Ein wichtiger Impuls kam von ihrem Schwiegervater, einem Neurologen. Medikamente halfen, aber auch neue Rituale – etwa das tägliche Laufen, das sie nun fest in ihren Alltag integriert hat. Das Tattoo „RUN“ auf ihrem Handgelenk steht dafür: als Erinnerung an körperliche Bewegung – aber auch als Symbol für Selbstbestimmung. „Man darf vor Dingen weglaufen, wenn man sie nicht machen möchte“, sagt sie.
Diese Haltung zieht sich inzwischen auch durch ihre Karriereentscheidungen. „Ein Nein zu anderen – manchmal ist es auch ein lautes Ja zu sich selbst“, erklärt Brugger. Sie habe inzwischen gelernt, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen, sich zu verweigern – „auch wenn das in der Entertainment-Welt oft als Schwäche gilt“.