Er musste gar nichts sagen. Niemand strawanzte so lässig über den Fischmarkt und stand so cool herum wie Alain Delon als Tom Ripley in der legendären Literaturadaption „Nur die Sonne war Zeuge“ (1960). Bestsellerautorin Patricia Highsmith sah in ihm die ideale Verkörperung eines dubiosen Charakters. Im selben Jahr wurde Luchino Visconti auf ihn aufmerksam und besetzte ihn in „Rocco und seine Brüder“ als Boxer wider Willen, der den Kampf seines Lebens verlor – gegen seine eigene Brutalität.
In den Eingangsszenen des erotischen Kultthrillers „Der Swimmingpool“ (1969) und des Gangsterfilms „Vier im roten Kreis“ (1970) schwieg Alain Delon minutenlang, während die Kamera an seinem Gesicht und seinem Körper entlang streift, als würde das an Botschaft reichen. Tat es auch. Seine Anwesenheit war Funktion genug, seine bestechenden Blicke machten Drehbücher und Dialoge überflüssig. „Ich spielte nicht“, erinnerte sich Delon an das erste Mal vor der Kamera. „Ich lebte.“
Alain Delon ist tot
Eiskalter Engel, Bengel und ewiger Charmeur
Alain Delon verkörperte einst das Schönheitsideal des französischen Mannes, die Filmlegende galt als James Dean
Europas. Nun starb der Schauspieler im Alter von 88 Jahren. Er hinterlässt Meisterwerke.
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