Die Steiermark und ihre Spitäler – der Stoff, aus dem unendliche Geschichten gemacht sind.
In Liezen hätte ein neues Leitspital gebaut werden sollen, jahrelang wurde dazu seitens der Politik alles auf Schiene gebracht. Doch was sich die vergangenen Monate bereits abgezeichnet hat, wurde mit dem „Regionalen Strukturplan Gesundheit 2030“ (RSG) am Montag endgültig bestätigt: Die Leitspital-Idee wird begraben.
Im Kleine-Zeitung-Forum herrscht bei vielen Usern Unverständnis über die Entscheidung der blau-schwarzen Landesregierung.
„Mir tut es leid um die BewohnerInnen im Bezirk Liezen. Man hätte ein Spital in der Mitte haben können, gut aufgestellt, mehrere Fachgebiete unter einem Dach, die sich gegenseitig ergänzen und unterstützen, junge Mediziner hätten eine moderne Bildungsstätte bekommen, aber leider…“, bedauert etwa „jg4186“. Für „SagServus“ sind es „halt fünf verlorene Jahre. Das Leitspital in Stainach könnte man beschließen und morgen mit dem Bauen beginnen. Das wäre dann wohl bis zur nächsten Landtagswahl fertig. Für Rottenmann muss man jetzt mal die Planung ausschreiben. Bevor dort die Bagger auffahren, stehen wahrscheinlich die nächsten Wahlen vor der Tür“.
„hallo1304“ zieht einen spannenden Vergleich: „Die Renovierung eines Spitals am Rande des Bezirks anstelle eines modernen Spitals in der Mitte des Bezirks. Das ist gleich, wie wenn ich ein neues Auto haben könnte, dieses aber vehement ablehne, weil ich der Meinung bin, ein Reifenwechsel am alten zusammengerosteten Auto löst alle Probleme.“
FPÖ mit Kunasek und ÖVP mit Kornhäusl in der Kritik
Die Kritik der Foristen an der Leitspital-Entscheidung richtet sich sowohl gegen Landeshauptmann Mario Kunasek und seine FPÖ als auch gegen den Juniorpartner ÖVP; und da vor allem gegen Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl.
„Wie befürchtet: Die Gesundheitsversorgung im Ennstal und Ausseerland wird an die Wand gefahren. Die Aussagen Kornhäusls, der Patient stehe an erster Stelle, kann wohl nur als Farce gesehen werden. Das Uralt-Krankenhaus Rottenmann am äußeren Rand des größten Bezirkes Österreichs als neues Leitspital zu titulieren, zeigt vom Dilettantismus von FPÖ und ÖVP“, schreibt „Hardy1“.
Kornhäusl machte in der ZiB 2 am Montagabend keinen Hehl daraus, dass er sich selbst „nie davon abgewendet habe“, das Leitspital als bessere Variante zu bewerten. Aber: „Fakt ist, dass sich die Mehrheiten im steirischen Landtag und in der Landesregierung geändert haben.“
Das wollen ein paar User nicht so stehen lassen, wie zum Beispiel „ferramonte“: „Das Traurige ist, dass Politiker und nicht Fachleute über unsere Gesundheit entscheiden. Noch trauriger ist, dass die ÖVP gegen ihre Überzeugung und für die Machterhaltung für etwas stimmt gegen die innere Überzeugung und von dem die Fachleute überzeugt sind, dass es der falsche Weg ist.“ Und „denkenhilft“ meint: „Man sollte eigentlich davon ausgehen, dass eine derartige Entscheidung nicht von politischen Mehrheiten abhängig gemacht wird, sondern davon, was die beste medizinische Versorgung der Bevölkerung garantiert. Als Arzt ist er offenbar für das Leitspital, als Landesrat dagegen. [...]“
„Wir nehmen also den Plan B, der viel schlechter ist als Plan A und obendrein auf lange Sicht auch wesentlich mehr kostet“, fasst es „gehtso“ zusammen.
Das „Millionengrab“ Leitspital
Es gibt auch User, die den Entschluss, dass der Standort Rottenmann ausgebaut und die Standorte Bad Aussee und Schladming im sogenannten „Spitalsnetz Liezen“ mit Angebotsänderungen erhalten bleiben, gutheißen. „Aristokritos“ meint etwa: „Gratulation den Wählern der Steiermark, die mit ihrer Entscheidung für eine FPÖ-Mehrheit eine Politik der Vernunft ermöglicht haben. Rottenmann als schon bestehendes und dann neues Leitspital ist sinnvoll.“
Auch „sniper76“ sieht das ähnlich: „[…] Zum Glück konnte das Millionengrab Leitspital verhindert werden!“