Das Handy ist voll geladen, mit einem schnellen Handgriff ist es vom Ladegerät getrennt. Im stressigen Alltag bleibt dann aber häufig das Ladegerät in der Steckdose stecken. Damit stellt sich die Frage, ob dadurch Strom verloren geht?

Michael Hartmann, Professor für Leistungselektronik am Institut für Elektrische Antriebe und Leistungselektronische Systeme der TU Graz, kennt die Antwort. Kurz gesagt, ja – wenn auch nur in sehr geringen Mengen.

Schutz vor Stromschlägen

Zunächst zum Hintergrund: „Ladegeräte wandeln die Wechselspannung des Stromnetzes in eine isolierte, geringe und damit ungefährliche Gleichspannung um, wie sie mobile Endgeräte zum Laden ihrer Akkus benötigen“, sagt Hartmann.

Dabei sollten sie möglichst klein sein und verlässlich vor einem Stromschlag schützen. „Diese Isolation übernimmt ein Transformator – früher groß und schwer, heute dank moderner Leistungselektronik erstaunlich kompakt und effizient“, sagt der Experte.

Ladegerät geht in Standby-Modus

Aber was passiert nun, wenn der Akku voll ist oder nur das leere Kabel an der Steckdose hängt? „Ist der Akku vollgeladen oder wird das Handy abgesteckt und das Ladegerät verbleibt in der Steckdose, geht die Elektronik des Ladegerätes in eine Art Ruhezustand. Die Ausgangsspannung des Geräts wird jedoch aufrechterhalten, dafür ist ein kleiner Ruheverbrauch erforderlich“, sagt Hartmann.

Das Problem: Obwohl es an einem einzelnen Ladegerät ein sehr geringer Verbrauch ist, macht hier die Masse das Gift. „Weltweit sind Milliarden Ladegeräte im Einsatz. Kleinste Dauerverbräuche summieren sich dadurch zu einem erheblichen Energiebedarf“, so Hartmann.

EU setzt Maximalwerte für Verbrauch herab

Das hat auch die EU erkannt und gehandelt. Seit Mai 2025 dürfen Ladegeräte im Standby-Betrieb nur noch 0,5 Watt aufnehmen. Ab 2027 sind es nur mehr 0,3 Watt. „Findige Ingenieurinnen und Ingenieure haben den Stand-by-Verbrauch moderner Ladegeräte schon heute auf 0,1 Watt oder gar noch weniger drücken können“, sagt Hartmann.

Aber auch bei einem Verbrauch von 0,1 Watt gilt: „Die effizienteste Energie ist jene, die gar nicht erst verbraucht wird. Ein kurzer Handgriff genügt – Stecker ziehen. Kleine Entscheidung, große Wirkung“, appelliert Hartmann.