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Das russische SommerhausEin Lebensgefühl namens Datscha

Sehnsuchtsort, Überlebenschance, ein kleiner Fleck persönlicher Freiheit: Die russische Datscha ist für die Bevölkerung mehr als nur ein Sommerhäuschen im Grünen.

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Ein kleiner Fleck persönlicher Freiheit: die Datscha
Ein kleiner Fleck persönlicher Freiheit: die Datscha © UIG via Getty Images (Education Images)
 

Ob Intellektuelle oder Fabrikarbeiter, ob Händler oder Künstler – Freitag nach der Arbeit werfen sich russische Stadtbewohner in Moskau, St. Petersburg oder Nowosibirsk mit ihrem Auto in den Stau, um der Enge des Plattenbaus zu entkommen. Sie alle haben nur ein Ziel – ihre Datscha auf dem Land. Hier ruht man aus, Obst und Gemüse werden geerntet, Pilze gesucht, geangelt und eingekocht und mit Freunden und Nachbarn ausgiebig gefeiert. Oben der Sternenhimmel und unten Gelsen und reichlich Wodka.
Im Sommer sind diese Refugien, in typischer Ausformung aus Holz mit Blechdach, oft Hauptwohnsitz, Kinder verbringen die Ferien hier bei Oma und Opa, während die in der Stadt rackernden Eltern am Wochenende zu Besuch kommen.

Eine Datscha war schon immer ein Glücksfall. Seinerzeit für Adelige und Großbürgertum, die vom Zaren Grundstücke und Höfe für treue Dienste geschenkt bekamen und in diesen Sommerhäusern prächtige Feste und Bälle abhielten. Das damalige Lebensgefühl spiegelte sich bis ins Mobiliar und in der Mode wider.
Nach der Oktoberrevolution 1918 und der Enteignung machte es das Proletariat den adeligen Vorgängern gleich, ergebene Diener des kommunistischen Staates wurden mit einer Datscha ausgezeichnet. Als sich schließlich in den 1960er-Jahren die Zügel leicht lockerten, durfte jeder, der es sich leisten konnte, eine Datscha erwerben, allerdings nicht mehr als 600 Quadratmeter. Allemal Platz genug für eigene Apfelbäume, Beerenhecken und Gemüsebeete mit frischen Gurken.

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