"Am Fuße der Wand aber breitet sich ein Land aus, so paradiesisch schön, dass es der Herrgott in Geberlaune geschaffen haben muss.“ Dieser schöne Satz stammt aus dem Buch „Im Banne der Dachsteinsüdwand“ von Kurt Maix. Der Wiener Autor, ein begnadeter Bergsteiger und exzellenter Kenner der alpinen Historie des Dachsteins, schaffte es wie kaum ein anderer, die Schönheit der Ramsau sowie die Eigenheit ihrer Bewohner in Worte zu fassen.

Zeit seines Lebens fühlte sich der abenteuerlustige Freigeist dem Dachstein eng verbunden. Diese innige Beziehung kann ich gut verstehen. Gerade im Herbst, wenn es nordseitig bereits empfindlich kalt ist, zeigen sich die Vorzüge des sonnenverwöhnten Hochplateaus der Ramsau. Wer in diesen Tagen durch die farbenprächtigen Lärchenwälder zu den hellen Felsmauern des Dachsteins aufsteigt, wird sich dem besonderen Zauber dieser Landschaft nicht entziehen können.

Die Route zu den Steinernen Jungfrauen
© KLZ/Infografik

Besondere Vorsicht ist bei der Planung der Tour geboten: Durch die Zeitumstellung sind die tageshellen Stunden zum Wandern noch kürzer geworden. Eine Stirnlampe gehört daher in jeden Wanderrucksack.

Unsere Runde starten wir beim Gasthof Edelbrunn in Ramsau. Der Weg Nr. 9 führt uns durch einen Lärchenwald mäßig ansteigend Richtung Norden. Nach etwa 15 Minuten gabelt sich der Weg und wir folgen der Beschilderung zum Jungfrauensteig nach rechts. Der bei Einheimischen sehr beliebte Anstieg ist zwar steil, dafür bietet der schmale Steig aber eine unglaubliche Aussicht und viel Sonne.

Nach der Abzweigung wird der Weg schmaler und geht bald in enge Serpentinen über. Über stufiges Gelände geht es bergwärts durch einen Wald, der von Latschen und Gestrüpp abgelöst wird. Rechts des Weges ziehen gewaltige Schotterkare vom Gamsfeld herunter.

Der Jungfrauensteig führt auf die Sonnenseite des Dachsteins
© HERBERT RAFFALT

Nach etwa einer Stunde kommen wir zu den Namensgebern dieser Tour, den Steinernen Jungfrauen. So heißen die sieben Felstürme, in denen man mit ein bisschen Fantasie Gestalten erkennen kann. Weiter oben führt der Weg aus dem Kar heraus auf einen markanten Kamm – nun sind es nur noch wenige Höhenmeter, bis wir eine Bank erreichen. Die mitgebrachte Jause schmeckt bei dieser schönen Aussicht besonders gut.

Gestärkt wandern wir links an den Felswänden am Fuße der Gamsfeldspitze entlang in Richtung Edelgrieß. Beim ersten Abzweiger steigen wir links hinunter und folgen dem Weg durch einen Latschenwald bis zu einer Almstraße, die von der Ramsau zur Türlwandhütte führt. Hier queren wir den Schotterweg und folgen der Beschilderung weiter zur Walcheralm. Knapp vor der urigen Almhütte und Käserei zweigt unser Weg abermals links ab.

Die Felstürme der Steinernen Jungfrauen
© HERBERT RAFFALT

Gemütlich steigen wir hinunter zur Schlitzenalm. Etwas unterhalb der schön gelegenen Hütte treffen wir auf einen Karrenweg, der uns links durch den Wald zum sogenannten Sitzbühel bringt. Hier treffen wir wieder auf die Almstraße in Richtung Türlwandhütte. Von dort aus geht es bequem zurück zum Ausgangspunkt beim Gasthof Edelbrunn.

Wieder muss ich an Kurt Maix denken, als er in seinem Buch so treffend beschreibt: „Grüne Matten, goldene, wogende Kornfelder, dunkle Tannenwälder breiten sich wie ein Gebetsteppich vor den schroffen Mauern eines der schönsten Berge der Alpen aus.“

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