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SurvivaltrainingSo lernt man in der Wildnis zu überleben

Vom Single-Trip in die Natur träumen in Covid-Zeiten viele. Ein Überlebenstrainer erklärt, welche Fähigkeiten es dafür braucht. Und welche Haltung.

Der Ruf der Wildnis: Gerade jetzt ist Abgeschiedenheit für viele verlockend.
Der Ruf der Wildnis: Gerade jetzt ist Abgeschiedenheit für viele verlockend. © (c) alexlukin - stock.adobe.com (Alexlukin)
 

Wer schulpflichtige Kinder oder einen systemkritischen Job hat, kennt diesen Gedanken mittlerweile wahrscheinlich gut: Am liebsten wär ich jetzt allein im Wald!

Der Einsam-Urlaub in der Natur entwickelt sich zur neuen Sehnsuchts-Kulisse. Weil einem nach den Wochen des Lockdowns sowieso die Decke auf den Kopf fällt. Und weil so eine Auszeit höchst coronatauglich ist: Der Mindestabstand ist garantiert, Reisewarnungen oder Grenzstaus ausgeschlossen. Aber wie soll man einen Trip in die Wildnis vorbereiten, der eventuell heikle Situationen mit sich bringen könnte? „Lange vor allen Skills steht die mentale Haltung“, stellt Survivaltrainer Martin Mollay klar. Kein Theoriewissen der Welt nützt, wenn man im Notfall nicht die nötige Ruhe hat, um darauf zuzugreifen. Diesen Fokus kann man im Vorfeld trainieren.„Ich beobachte einfach viel. Meinen Hund, meine Mitmenschen, Pflanzen, die Natur. So schärft man seine Sinne“, erzählt Mollay.

So baut man sich eine Unterkunft

Im Bedarfsfall ist alles erlaubt, nicht nur Naturmaterialien. Ist eine verlassene Scheune vorhanden oder eine Höhle: dort unterschlüpfen. Findet man Plastikplanen oder Wellblech zum Bau eines Lagers – perfekt. Improvisieren!

Irgendwann falle einem eben auf, dass der Wind und somit das Wetter meist aus Westen kommen. Eine nicht unwesentliche Information, wenn man ein Nachtlager bauen muss oder Orientierung braucht. Oder man nimmt wahr, wenn es am Weg plötzlich nach Äpfeln riecht – hilfreich bei der Suche nach Essbarem.

So findet man Trinkwasser

Österreichs Berge sind mit ihren Quellen der beste Ort für Trinkwasser. Generell gilt: Lieber Fließ- denn stehendes Wasser bzw. kaltes denn warmes Wasser. Im Zweifel lässt sich Wasser auch natürlich filtern, etwa mit Moospolstern.

Ruhe bewahren zu können, bedeutet auch, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten finden. Und richtig zu priorisieren. „Wenn die Sonne vom Himmel knallt, wird man Schatten suchen. Wenn man durstig ist, braucht man Wasser.“ In der Wildnis geht’s nicht um Komfort, sondern um unmittelbar Notwendiges. Mollay nennt dazu die 3er-Regel: Man überlebt im Notfall 3 Minuten ohne Luft, 3 Stunden unter extremen Bedingungen ohne Schutz, 3 Tage ohne Wasser und 3 Wochen ohne Nahrung.

So findet man Nahrung

Für Einsteiger bedeutet das in erster Linie: sammeln. Jetzt im Herbst findet mit Äpfeln, Birnen, Nüssen oder Beeren jeder sein Auslangen. Grundkenntnisse in Pflanzenkunde und Angeln sind hilfreich.


Survivaltrainings seien ein spielerischer Rahmen, sich wieder an die Gesetzmäßigkeiten der Natur heranzutasten. Für Anfänger natürlich mit Zugeständnissen. Mollay: „Bei Level 1 gehen wir mit Schlafsack und Unterlagsmatte los. Es hat keinen Sinn, total übermüdet in den nächsten Tag zu starten. Auch Wasser nehmen wir mit, wenn wir nicht ständig im Quellgebiet unterwegs sind. Das ist wichtig für die Konzentration.“ Feuerzeug und Messer im Rucksack sind nie ein Nachteil genauso wie Basics in Unterkunftsbau, Wasseraufbereitung, Pflanzenkunde (siehe Kästen).

Rund ums Thema

Martin Mollay: www.survival training.at
Podcasts: „The Survival Podcast“, „Primal Survival Podcast“
Lesetipp: Dave Canterbury: Bushcraft 101 – Überleben in der Wildnis, Anaconda,
7,95 Euro.

Wichtiger als Wissen sei aber, die Erfahrungen überhaupt zu machen. Deshalb meint es Mollay auch ernst, wenn er sagt: „Beim letzten Training waren Unwetter angesagt. Und ich dachte: Gut! Je unangenehmer die Situation für die Teilnehmer, desto tief greifender und wertvoller ihre Erfahrung.

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