Die Billigflieger und das Internet verändern das Buchungsverhalten deutscher Touristen bei Auslandsreisen zunehmend. Die traditionellen Reisebüros, bisher Domänen für Buchungen von Pauschalreisen, kommen unter einen harten Konkurrenzdruck, stellten Experten der Reisebranche auf der Internationalen Tourismusmesse CMT am Dienstag in Stuttgart fest.
Billigflieger. "Die Billigflieger verkehren heute schon auf vielen klassischen Ferienstrecken", heißt es in einer Untersuchung der Dresdner Bank. "Wir wissen schon seit Monaten, dass die Bundesbürger auf der Suche nach Reiseschnäppchen bei ihren Buchungen neue Wege gehen, aber die Veränderungen kommen schneller und gewaltiger als bisher geahnt", meinte der Besitzer eines Reisebüros.
Mallorca, Spanien und Italien. Der scharfe Wettbewerb am Himmel betrifft vor allem die drei Lieblingsferienziele des Bundesbürger: Mallorca, das spanische Festland und Italien. "Italien ist nach Spanien zum zweitbedeutendsten Low-Cost-Markt als Flugreiseziel aufgestiegen", stellten die Experten der Dresdner Bank fest. Allein im vergangenen Jahr nahmen die Billigflieger 19 neue Verbindungen von Deutschland nach Italien auf. Das war eine Steigerung um 32 Prozent.
Low-Cost-Carrier. "Wir profitieren vor allem auch am Boom der Städtereisen", sagte ein Sprecher der Branche der Billigflieger, die auf der CMT mit eigenen Ständen vertreten sind. Und selbstbewusst fügte er hinzu: "Die Billigflieger sind am deutschen Himmel im Steigflug. Jeder fünfte Fluggast lässt sich inzwischen von einem Low-Cost-Carrier transportieren."
Reisebausteine. Die großen Reiseveranstalter und Reisebüros reagieren prompt auf diesen Trend und bieten selbst verstärkt Reisebausteine über das Internet an. Der Kunde bucht sein Ferienziel, seinen Flug, seine Unterkunft, seine Ausflüge über das Internet. Die Provision erhält das Reisebüro oder der Veranstalter der entsprechenden Homepage. Im Gegenzug wird der Herstellungspreis der Kataloge stärker unter die Lupe genommen.
800 involvente Reisebüros. Dennoch geht das Sterben der stationären Reisebüros weiter. Nach Berechnungen der Dresdner Bank erzielten sie im Reisejahr 2006 nur noch ein Umsatzwachstum von einem halben Prozent. Seit dem Höhepunkt der Buchungen im Jahr 2000 ist der Umsatz der Reisebüros um 17 Prozent zurückgegangen, stellte die Dresdner Bank in ihrer Branchenanalyse fest. 800 Reisebüros haben allein im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet.
Deutsche auf Sparkurs. Die Mehrwertsteuererhöhung wird das Reisebudget der Bundesbürger im Jahr 2007 weiter schmälern. Unter dem Strich summiert sich die Mehrbelastung der privaten Haushalte 2007 durch Steuern und Abgaben auf schätzungsweise über 20 Mrd. Euro. Dies trifft auch die Tourismusindustrie. Deshalb dürfte die Suche nach Schnäppchen im Internet für Flüge und Unterkunft rasant weitergehen.
Reiseweltmeister. Auch wenn die Konjunktur in Deutschland nicht gar so schlecht laufe, dürfte die Wachstumsrate bei den Ausgaben im Ausland von 3,5 Prozent im Jahr 2006 um ein Prozent im Jahr 2007 sinken. Die Deutschen werden trotzdem mit Ausgaben in Höhe von 62 Mrd. Euro Reiseweltmeister vor den Amerikanern bleiben, heißt es in der Studie. Dies vor allem darum, weil das Reisen auch weiterhin in der Präferenzskala der Deutschen, wie Umfragen ergaben, ganz oben steht.
Billigflieger und Internet verändern die Touristikbranche drastisch
Traditionelle Reisebüros, bisher Domänen für
Buchungen von Pauschalreisen, kommen unter einen harten
Konkurrenzdruck.