Mit „Glück auf!“ begrüßt man sich nicht nur am Rammelsberg in Goslar. Diese Grußformel wird weltweit verwendet, weil die Ausbildungsstätten der Bergbauingenieure nur in deutschsprachigen Städten wie im steirischen Leoben oder im deutschen Clausthal-Zellerfeld liegen. Ebendort im Harz wurde am Rammelsberg seit mindestens 1000 Jahren nach Kupfer, Blei, Zink und Silber gegraben. Daraus sind in der Region Goslar Unternehmen mit Weltgeltung entstanden. Insbesondere im 20. Jahrhundert waren die Unterharzer Metallhütten zusammen mit dem Erzbergwerk Rammelsberg der bedeutendste Wirtschaftsfaktor in der Region in Niedersachsen.
Doch am 30. Juni 1988 wurde die Förderung in dieser bedeutenden Buntmetalllagerstätte Europas eingestellt und das Bergwerk, das am längsten in Betrieb war, geschlossen. Noch heute ist man in Goslar darauf stolz, mit der Schließung keinen einzigen Mitarbeiter gekündigt zu haben, weil man mit einem Sozialplan vorbereitet war. Vorbereitet war man auch auf das Bundesberggesetz, das die Wiederherstellung des Ursprungszustandes einfordert. Daher wurde bereits 1985 ein Förderverein mit dem Ziel gegründet, zukünftig ein Museum am Rammelsberg zu stiften.
Am 7. Oktober 1990 konnte die erste Ausstellung eröffnet werden und die Anlage Rammelsberg wurde 1992 als erstes technisches Denkmal in Deutschland, gemeinsam mit der Altstadt von Goslar, in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen. 2010 wurde der Eintrag mit der „Oberharzer Wasserwirtschaft“ erweitert, ein weltweit einzigartiges, ausgeklügeltes Wasserleitsystem aus 107 historischen Teichen und Gräben mit einer Gesamtlänge von 310 Kilometern.
Unter Tage wie der Geheimrat
Mit „Glück auf!“ grüßt man auch heute im Bergbaumuseum Rammelsberg. Jährlich fahren rund 120.000 Besucher mit der Grubenbahn unter Tag und besuchen den Roeder-Stollen. Grubenführer Andreas Brunze ist einer von 65 Museumsbegleitern, der sich die weiße Uniform überwirft, um die Gäste durch das Weltkulturerbe zu führen. Dabei wird auch der Harzer Ölfrosch entzündet, um die mittelalterlichen Lichtverhältnisse zu veranschaulichen.
„Wir öffnen ein Fenster in die Zeit“, ist Martin Wetzel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Weltkulturerbes Erzbergwerk Rammelsberg Goslar GmbH, stolz. „Die meisten nichtdeutschsprachigen Gäste kommen aus Dänemark und den Niederlanden“, sagt Wetzel. „Den Dänen sind noch die Erzählungen über Goslar von Hans Christian Andersen in Erinnerung und der Harz ist ein gut erreichbares Skigebiet.“
Aber auch Heinrich Heine berichtete vom Blick von Goslar auf den Rammelsberg. Und von Johann Wolfgang von Goethe wird erzählt, dass er als geheimer Hofrat hier im Bergwerk spioniert hat. „Sein Besuch am Brocken, dem höchsten Berg im Harz, gilt als Inspirationsquelle für die Szene der Walpurgisnacht in Faust“, sagt Stadtführer Thomas Moritz. Offenbar hat Goethe das Brockengespenst gesehen, ein physikalisches Phänomen, das man hier beobachten kann.
Kleine Figuren und Köhlerschnitzel
Ohnehin ist der Rammelsberg eng mit der Siedlungsgeschichte von Goslar verbunden. „Bei uns muss man nicht unter Tage gehen, um das beeindruckende Bergwerk zu erleben“, sagt Lea Knupper vom Zinnfiguren-Museums. „Lassen Sie sich von unseren Zinnfiguren bequem durch die Schächte und Stollen des Bergwerks führen“, lädt die Museumsleiterin ein. „Das ist das Besondere an unserem Museum, dass wir nicht große Schlachtszenen mit Zinnsoldaten zeigen, so wie man das vielleicht erwarten würde“, sagt Knupper.
Das Zinnfiguren-Museum in der Alten Lohmühle eignet sich auch bestens, um die Stadtgeschichte von Goslar im kleinsten Format zu erleben. Auf 200 m2 zeigen 30 Millimeter kleine Figuren aus Zinn die Entwicklung der Kaiserstadt und bedeutende Szenen der Stadtgeschichte.
Die junge Museumsleiterin ist in einem Reich von alten Männern gelandet. „Mich fasziniert das Engagement, das hinter diesem Museum steht“, lobt Knupper die vielen unentgeltlich geleisteten Stunden, die in dem 40 Jahre alten Museum mit den liebevoll gestalteten Landschaften und den zahlreichen Figuren steckt. Mittlerweile zählt das Museum 17.000 Besucher pro Jahr.
Auch Ritter Ram ist als kleine Figur dargestellt, wie er auf der Hirschjagd im Harzwald vom Pferd absteigt, um zu Fuß im Dickicht voranzukommen. Das angebundene Pferd scharrte ungeduldig im Boden und legte dabei eine Silberader frei. So erzählt man sich die Gründungssage des Bergwerkes. Ob Ritter Ram schon den Harzer Käse und das Rammelsberger Köhlerschnitzel gekannt hat, konnte die Zeitreise in den Harz allerdings nicht abschließend klären.