Im WohnungseigentumNachbar-Garten verwildert: Gibt es eine Mähpflicht?

Wenn neben dem eigenen gepflegten Mini-Gärtchen das Nachbargrundstück verwahrlost und verwuchert, kann einem die Freude an der eigenen Oase schon vergehen. Aber gibt es in einer Siedlung so etwas wie ein Mähpflicht? Was man in diesem Fall wissen sollte.

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Unsere Leserin besitzt eine Eigentumswohnung im Erdgeschoß, zu der auch ein kleiner Gartenanteil mit 85 Quadratmeter Fläche gehört. Zur Wohnung nebenan gehört ebenfalls ein solcher Gartenanteil, der direkt an das Gärtchen unserer Leserin grenzt. "Diese Wohnung steht seit 2019 leer, und die Eigentümerin hat vor mehr als einem Jahr aufgehört, das Grundstück irgendwie zu pflegen bzw. zu mähen, entsprechend verwahrlost sieht alles aus", schildert unsere Leserin die Situation. Das Gestrüpp stehe meterhoch und sei ein Paradies für Ungeziefer, Schnecken und Mäuse. "Ich habe mein Gärtchen schön gepflegt und zum Wohlfühlen hergerichtet, jetzt mag ich mich da gar nicht mehr aufhalten", sagt sie. Sowohl bei der Besitzerin der Nachbarwohnung als auch bei der Hausverwaltung habe sie schon mehrmals auf das Problem hingewiesen und um eine Lösung gebeten - ohne Erfolg. Bei der Stadtverwaltung habe man ihr mitgeteilt, dass man bei privatem Eigentum keine Eingriffsrechte habe. Jetzt fragt sich die Frau: "Ich habe gehört, dass man im Stadtgebiet, und wir sind mitten in einer Stadt, die Wiese mindestens zweimal pro Jahr mähen muss, stimmt das? Welche Rechte habe ich in dieser Situation?"

Wir haben bei der Juristin Sigrid Räth von der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer nachgefragt. Sie sagt: "In einem derartigen Fall ist es sinnvoll, den Wohnungseigentumsvertrag zu kontrollieren, ob sich dort eine Verpflichtung zu einer bestimmten Kulturart oder Pflege des Gartens findet." Ansonsten dürfe jeder der Miteigentümer seinen Eigengarten so nutzen oder eben nicht nutzen, wie es ihm beliebt. "Das Überwachsen von Pflanzen ist aber jedenfalls zu vermeiden, denn einen normalen Überhang darf jeder Miteigentümer entfernen." Sollte es sich um Kletterpflanzen handeln, so bestehe ein Anspruch auf Unterlassung.
Dass die Hausverwaltung nicht tätig wird, erklärt sich übrigens dadurch, dass diese bei Streitigkeiten zwischen Miteigentümern neutral zu bleiben hat.

Und was ist mit der "Mähpflicht"?

Auch hier hat Räth schlechte Nachrichten für unsere Leserin: "Eine Verpflichtung, eine Grasfläche zweimal pro Jahr zu mähen, besteht nicht." Eine Option hat unsere Leserin aber auf jeden Fall: "Wenn Ihnen und den Miteigentümern die Optik des Nachbargartens sehr am Herzen liegt, könnten Sie der Eigentümerin auch vorschlagen, dass Sie den Garten zumindest zweimal im Jahr pflegen, wenn sie ihre Zustimmung dazu erteilt."

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Danke für Ihr Verständnis.

mariposa
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"Ungeziefer, Schnecken und Mäuse"

Ist mit Ungeziefer etwa Artenvielfalt gemeint?
Gerade die insektenwelt reguliert sich gut selbst, wenn man sie lässt, zB mit Blattläusen und Marienkäfer, und sind die beste Basis für Gartenvögel! ( sind die auch unerwünscht?)
Mit Mäusen, die m. E. auf ungemahten Flächen nicht gehauft auftreten ( wo ist die futterquelle?) hätten sicher Katzen ihre Freude, ein Schneckenzaun ( kupferband z B) hilft vor unerwünschtem grenzübertritt, gerade auf kleinem Raum. Eine Hecke oder Sichtschutzmatte würde vor dem unliebsamen Anblick schützen (Natur!!). Wie kann man sich das Leben schwer machen...

petera
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Eigentlich ist es der "ungepflegt" Garten den die Natur braucht

Dort gibt es tatsächlich Leben im Gegensatz zu den grünen Wüsten.

Politisch_Unkorrekter
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Unfassbar.

Genau umgekehrt sollte es sein: Die mit den gemähten grünen Wüsten, die jeden überstehenden Grashalm mit der Nagelschere abzwicken, wo keine Schnecke, kein Insekt Nahrung und Lebensraum findet, sollten bestraft werden.

mariposa
0
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Genau

.... Schotterflächen, Beton und Asphalt, Poollandschaften - da sollte es absolute Limits geben zugunsten von naturnahem Grün

JL55
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Blumen sollten zumindest einen Teil

des Gartens einnehmen, damit Bienen und verwandte Insekten einen Lebensraum vorfinden.
Leider haben wir eine Nachbarin, welche an der Grundgrenze Neophyten angepflanzt hat... den japanischen Staudenknöterich, welcher seine Wurzelausläufer bis in eine Tiefe von 3 Metern "ausstreckt" und somit sämtliche übrige Vegetation überwuchert...
Leider gibts auch in solchen Fällen keine Handhabe...
Ich kann nur die überhängenden Teile einkürzen...
Und andererseits will man deswegen nicht in Feindschaft leben...

Politisch_Unkorrekter
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Wir bedauern das Insektensterben

Und haben kein anderes Problem, als dass jemand seinen Rasen nicht mäht.

Wir beklagen den Klimawandel und schauen Formel 1 und Tractor Pulling.

Die Dummheit ist himmelschreiend.

JL55
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Wenn Sie alle Verhaltensmuster

von Zeitgenoss*innen in einen Topf werfen, dann stimmt Ihre Verallgemeinerung....
Aber so ist's GsD nicht, wie ich meine: Da gibts durchaus umweltbewusste Menschen, die sich niemals so ein Motorsportspektakel anschauen (weder vor Ort noch vor dem Fernseher.) oder Silvesterfeuerwerk in den Himmel jagen oder im Garten die Giftspritze auspacken und und und ..! Zu denen darf ich mich auch zählen...
Wie steht's mit Ihnen???

klaxmond
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Rasen mähen muss ja nicht unbedingt sein

aber bei mir kommen auch Brennnesseln und sonstiges Zeug vom Nachbar auf dauerhaften Besuch.

X22
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Machens einen Brennnessel-Spinat daraus oder

nutzen sie die Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen die sie in sich haben, oder einfach als Jauche für unliebsame Schädlinge oder als Dünger, oder als Futterstelle für Schmetterlingsraupen stehen lassen

Politisch_Unkorrekter
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warum

ziehen Sie nicht in eine Stadtwohnung?

wald10
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Sie sind aber radikal

Das ist mir alles schon zu viel was Sie hier von sich geben...... Ich bevorzuge da eher den goldenen Mittelweg. Brauche auch keinen "zugewucherten" Garten, aber auch keinen Rasen welcher nur mit Rasenroboter gemäht wird
Und soll doch jeder seinen Garten so betreiben wie er will, jeder hat andere Vorstellungen