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Annullierte Flüge Rückzahlung der Flugkosten lässt auf sich warten

Wegen der aktuellen Pandemie mussten seit März etliche Flüge annulliert werden. Auf der Retournierung ihrer Ticketkosten warten Konsumenten seither oft vergeblich. Was Juristen dazu sagen.

© (c) Fabio Balbi - stock.adobe.com
 

"Dass die aktuelle Situation für die Airlines eine finanzielle Belastung ist, steht außer Frage. Allerdings kann es nicht sein, dass Passagiere oftmals monatelang hingehalten werden und ihren Ticketpreis nicht rückerstattet bekommen. Wie die Fluglinien kämpfen auch viele Privatpersonen aktuell um ihre Existenz", schildert die ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner die Notlage vieler Reisender." In den vergangenen Wochen wandten sich zahlreiche Mitglieder an die Rechtsberatung des Mobilitätsclubs, um sich bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche unterstützen zu lassen. "Bisher gibt es nur vereinzelte Erstattungen. Selbst große Luftlinien wie AUA oder Ryanair hadern damit, ihren Kunden das Geld für die ausgefallenen Flüge zurückzuerstatten. Die Airlines spielen zu Lasten ihrer Kunden auf Zeit", sagt die Expertin.  

Laut europäischer Fluggastrechte-Verordnung sind Airlines dazu verpflichtet, die Kosten innerhalb von sieben Tagen ab Mitteilung der Annullierung zurückzuerstatten. Das gilt sowohl für europäische Fluglinien als auch für Flüge außerhalb der EU, die in einem EU-Land starten. “Angesichts der Masse an Anträgen ist es verständlich, dass die 7-Tage-Frist derzeit nicht eingehalten werden kann. Die Abwicklung darf aber auch nicht unnötig in die Länge gezogen werden. Momentan dauern Rückerstattungen von Airlines mindestens drei Monate, teilweise warten die Kunden bis zu sechs Monate auf ihr Geld”, so Pronebner. Der Mobilitätsclub fordert die Fluglinien daher auf, das Geld der Kunden nicht für eine Zwischenfinanzierung zurückzuhalten, sondern entsprechend der gesetzlichen Vorgaben rasch an die Kunden zurückzahlen. “Konsumentenschutz und Passagierrechte dürfen gerade in Krisenzeiten nicht ausgehöhlt werden”, stellt die ÖAMTC-Juristin nochmals klar.  

Keine Kommunikationsbasis

Die Kontaktaufnahme mit den Fluglinien gestaltet sich in vielen Fällen zäh. “Es ist sehr mühsam, überhaupt das Anliegen der Rückforderung bei den Airlines zu deponieren. Oft erhält man als Reaktion ein allgemeines Mail mit der Info, wohin man sich wenden kann, und wird sozusagen im Kreis geschickt oder es gibt einfach ewig keine Rückmeldungen. Bei einigen Airlines bekommt man nicht einmal eine Empfangsbestätigung”, berichtet Pronebner. “Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn die Fluglinien zumindest klar kommunizieren und die Rückerstattung der Tickets zusichern – dann wäre auch ein Warten für die Kunden besser verkraftbar.” Die AUA macht einen ersten Schritt in die richtige Richtung und plant laut aktuellem Newsletter alle Rückzahlungen bis Ende August ausgezahlt zu haben.

Vorsicht bei Gutscheinen!

Die von den Airlines nach den Corona-bedingten Stornierungen vielfach ausgestellten Gutscheine müssen die Kunden nicht akzeptieren. Zumal sie im Falle einer Insolvenz der Airline nicht abgesichert sind und man dann mit leeren Händen dastehen würde. Die ÖAMTC-Juristin bestärkt Reisende, sich nicht mit Gutscheinen abzufinden – eine spätere Rückforderung in Form von Bar- oder Buchgeld ist dann so gut wie ausgeschlossen. Lehnt man den Gutschein ab, bleibt der Anspruch auf Kostenerstattung bestehen. Neuerlich bekräftigt der Mobilitätsclub seine Forderung nach einer staatlichen Absicherung von Reisegutscheinen: “Eine Zusage der österreichischen Regierung, den Wert von Gutscheinen im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters wie in Deutschland abzusichern, sodass die Kunden nicht mit einem wertlosen Stück Papier dastehen, würde der gesamten Branche und auch den Konsumenten helfen.”

Kommentare (4)

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FotoWallner
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Betrug an Kunden

Es ist simpel Betrug, was hier Ryanair, Laudamotion und Co an ihren Kunden begehen. Die Kunden werden an der Nase herumgeführt. Hier muss es deutlich strengere Konsequenzen geben.

Kristianjarnig
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Die Firmen die Sie genannt haben sind ja letztlich nur...

...eine einzige. Etwas zum Nachdenken.....

Amadeus005
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Wer 1000 Flüge am Tag online verkaufen kann

Kann sie auch gleich schnell rückerstatten. Das macht Software und die Rechenkapazität ist ja da.
Soll die EU sicherstellen, dass die Kreditkartenfirma das Geld des Konsumenten sperrt, aber der Airline erst nach Durchführung der Leistung freigibt. Geht jetzt schon beim Hotels, Mietautokaution, ...

Kristianjarnig
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@Amadeus...

...."können" tun sie schon, vor allem die Billigflieger, nur beim "wollen"(aus verständlichen Gründen) sieht es anders aus.

Wobei es den Angestellten dieser "Buden" in keiner Weise besser geht als den Kunden, ich laufe z.b. erheblichen Teilen meines März Gehaltes(plus hohen Teilen meiner April, Mai , Juni, Juli, August Gehälter und vermutlich auch weiterhin)hinterher und ich arbeite für eine dieser tollen Low Cost Airlines(andere Jobs gibt es ja für Piloten in Europa ja kaum noch und woanders in der Welt war ich schon über sehr viele Jahre, irgendwann reicht es da dann mal).

Gewerkschaften sind was sie sind - heutzutage leider unnütz und schwach(wobei die Politik einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat sei angemerkt) und nicht fähig/willens ihre Kunden(also uns "Airliner") richtig zu vertreten.
Dann kommt es eben zu auswüchsen wie wir sie nun derzeit haben und letztendlich wird es wohl eine Entscheidung auf EU Ebene geben müssen um gewisse schwarze Schafe einzubremsen bzw. für immer und ewig zu "grounden" wenn es nicht anders geht.

Das würde zwar Jobs kosten(u.a. wohl auch meinen) aber es würde letztlich den Airlines die sich an Gesetze halten ohne zigmal ermahnt werden zu müssen das (Über-)leben erleichtern und auch der Umwelt zugute kommen.

Manche der "Billigsdorfer" betrieben vor Corona über 2000 Flüge täglich(!!), das muß man einfach etwas differenzierter betrachten.
Und das zu billigsten Preisen die nur über Lohndumping möglich sind.