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Rating-HypeSterne, Likes und Daumen hoch: Wie gefährlich ist der Rating-Kult?

Es gibt fast keinen Lebensbereich mehr, der nicht mit Sternen, Likes und Smileys bewertet wird. Die Kunden liefern Noten – und werden dadurch selbst bewertet. Eine Spiralwirkung, in der es nur einen Gewinner gibt.

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Vom Hotel bis zum Hundefrisör, vom Gasthaus bis zum Gärtner, vom Wein bis zum Wanderweg: alles wird bewertet, geratet, gelikt. © stock.adobe.com
 

Ein „Like“ da, ein „Gefällt mir“ dort, fünf goldene Sterne fürs hiesige Angebot, der grüne Zufriedenheits-Smiley fürs dortige Service, dazu Unmengen von hochlobenden Kommentaren oder vernichtenden Urteilen. Alles wird bewertet, be- und bei Bedarf verurteilt: die Praxisöffnungszeiten der Ärztin und die Verschmutzung des Autobahnparkplatzes. Die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten und die Freundlichkeit des Bestattungsunternehmens. Das weiche Bett im Hotelzimmer und die zu stumpfen Steakmesser im Restaurant. Bevor gekauft, gebucht oder besucht wird, werden Meinungs- und Bewertungsplattformen konsultiert; nachdem gegessen, geschlafen oder benutzt wurde, wird in Foren darüber berichtet und gerichtet. Bewertungsskalen und Sterne-Ratings sind zu einem Qualitätsmerkmal für alles geworden.

Aber woher kommt dieser Drang zur Benotung? Wieso diese Begeisterung, alles beurteilen zu müssen? Warum dieses Vertrauen in die Meinung wildfremder Menschen? Der Soziologe Tilo Grenz von der Universität Wien führt zwei gängige Erklärungsmodelle an. Zum einen sei es die wachsende „Verdatung“ unseres Handelns: „Immer mehr unseres Tuns lässt sich in Daten gießen, wir hinterlassen immer mehr digitale Spuren, wodurch Bewertungen einfacher werden.“ Zum anderen leben wir in einer extrem pluralisierten Gesellschaft, in der uns jeden Tag alle möglichen Faszinosa und Phänomene umgeben und beschäftigen: „Da wird jede Form der Kommunikation ergriffen, die hilft, sich einen Überblick zu verschaffen.“ Bewertungen und Ratings eignen sich dafür sehr gut – vor allem auch, wenn sie in allgemein verständlichen und universell anerkannten Formen von Sternchen, Daumen, Balken oder Herzchen visualisiert werden. Sie geben Orientierung in der Masse.

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