„Hier müsste es im Sommer zauberhaft sein“, ruft man unwillkürlich aus, wenn man den ehrwürdigen Burghof der vorbildlich restaurierten Burg Tabor in Laško durch das knarrende Holztor betritt. Nachdem es am Abend doch noch etwas frisch ist, lädt das Burgzimmer zum gemütlichen Verweilen ein. Es sind nur wenige Tische, die Chef Marko Pavčnik bespielt. Er will bei der Zubereitung seiner Gerichte besonders hingebungsvoll agieren und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Das braucht Zeit. „Wir nehmen höchstens 35 Personen, die Gerichte sind sehr aufwändig“, erklärt er uns.
In der Tat, das sind sie und durchwegs so köstlich, dass man sich im siebenten Himmel wähnt. Wir wählen ein fünfgängiges Menü, das mit all den kulinarischen Willkommensgrüßen und Verabschiedungen schließlich auf zehn Gerichte kommt. Das alles zum Preis von 79 Euro. Unerschrockene könnten sich aber auch durch zwölf Gänge plus „Begleitmusik“ kosten.
Marko Pavčnik jongliert mit Aromen und Produkten, die vor allem aus der Umgebung stammen, spielerisch und gekonnt. Auch das Bier, das in Laško gebraut wird, hat einen fixen Platz in der Küche. Man glaubt kaum, welch geschmackvolle Symbiose mit anderen Geschmäckern es eingeht. Genial das elegante Bier-Aroma im finalen Schokolade-Eislutscher.
Nach mehreren feinen Grüßen aus der Küche starten wir mit kunstvoll gewickelten Calamari auf winzigen Erdäpfelwürfeln in schwarzer Tinte. Einfach köstlich. Auch das Wild-Tartare mit feiner Würze kann überschwänglich gelobt werden. Die Waldsuppe wird ihrem Namen gerecht. Darin findet sich, fein passiert und cremig, alles was man in einem Tannenwald so begegnet. Es riecht und schmeckt nach Pilzen, Tannennadeln, Flechten, Granten. Kleine Kunstwerke sind auch die Kastanien-Ravioli, gefüllt mit Ziegenkäse und Feigencreme. Darauf raspelt der Kellner großzügig Trüffel aus dem Perigord. „Es sind die besten“, wie er stolz betont. Zum Hauptgang kann man ein schönes Stück vom Hirschkalb mit einem Topinambur-Törtchen oder einen knusprig gebratenen Adria-Fisch mit geräucherten Auberginen, Rosmarin, Linsen und Pinien wählen. Je nach Geschmack geraten beide Gerichte perfekt. Mandarinen und Zitrusnoten dominieren das Törtchen - eine Frische-Symphonie in Gelb und Orange. Für seine spannende Küche ist Marko zu Recht mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet worden.
Die Tageskarte bietet regionale slowenische Kost vom Feinsten wie Spanferkel mit leichter Gemüsemajonnaise oder Adria-Fisch mit Zitronenpüree.
Nur knapp hundert Kilometer trennen uns von Laškos Gourmettempel, daher sind wir überzeugt: Im Sommer spielen wir Burgfräulein und Burgherr im romantischen Innenhof.