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InterviewWie Fasten unsere Zellen verjüngt

Wie Fasten unsere Zellenverjüngen kann und welche Lebensmittel den Körperzellen beim Aufräumen helfen: Molekularbiologe Slaven Stekovic hat die Erkenntnisse in einem Buch gesammelt.

Fasten
Fasten © bramgino - stock.adobe.com
 

Ihr Metier ist die Altersforschung. Ist das Ziel der Altersforschung die ewige Jugend?

Slaven Stekovic: Unser Ziel ist, die Prozesse zu verstehen, die uns altern lassen. Dann wollen wir die Qualität des Lebens, vor allem in den letzten Lebensjahren, verbessern. Altersbedingte Erkrankungen wie Krebs, Herzerkrankungen oder Demenz ziehen ja viele gesellschaftliche Probleme nach sich. Unser Ziel ist es, diesen Erkrankungen entgegenwirken zu können.

Das Zauberwort, das dabei helfen soll, ist die Autophagie, die Selbstreinigung der Zelle. Was genau passiert dabei?

Die Autophagie ist eine Art Recyclingprogramm, dabei werden die kaputten Zellteile abgebaut, die Zelle hält sich so sauber. Ich verwende gern den Vergleich mit einer Wohnung, die beim Einzug schön und ordentlich ist. Wenn man jedoch nie aufräumt, wird man bald nicht mehr in die Küche kommen, ohne zu stolpern. Aber so wie wir räumt die Zelle auch nicht gerne auf, sie braucht dafür Motivation. Diese Motivation ist das Fasten: Denn bekommt die Zelle keine Energie von außen, ist sie gezwungen, aufzuräumen und aus den Abfallstoffen Energie zu gewinnen.

Buchtipp

Im Buch „Der Jungzelleneffekt. Wie wir die Regenerationskraft unseres Organismus aktivieren“ sammelt Stekovic Erkenntnisse der Altersforschung und gibt Tipps, wie man das Recycling der Zellen anregt.

Edition a, 224 Seiten, 19,95 Euro.

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Warum gibt es diesen Prozess in unserem Körper überhaupt?

Die Autophagie ist eine evolutionäre Anpassung, die es nicht nur beim Menschen, sondern bei allen Lebewesen gibt. Die Natur konnte ja nicht garantieren, dass immer ausreichend Nahrung verfügbar ist. Der Mensch hat früher auch anders gelebt, wieder kehrende Fastenperioden gab es gezwungenermaßen. Dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, in der man fünf Mal am Tag Erdbeeren essen kann, ist ja eine junge Entwicklung. Der Überschuss an Nahrung ist erst seit Kurzem vorhanden, die Evolution braucht lange, um sich anzupassen.

Und durch das Recyclingprogramm der Zellen können Alterserkrankungen wie Demenz verhindert werden?

Jein. Alterserkrankungen haben ja mehr als einen Auslöser. Aber wir haben in Tiermodellen gesehen, dass die Autophagie die Wahrscheinlichkeit für solche Erkrankungen doch drastisch senken kann. Beim Menschen ist die Frage noch etwas schwieriger zu beantworten, hier brauchen wir noch mehr Forschung.

Dennoch geben Sie in Ihrem Buch Tipps, wie man einerseits durch Fasten, andererseits durch bestimmte Lebensmittel den Reinigungsprozess der Zellen anregen kann. Was funktioniert besser, um die Zellen zu verjüngen?

Neben dem Fasten haben wir Stoffe, wie Spermidin oder das Resveratrol, das in roten Weintrauben enthalten ist, entdeckt, die ebenfalls Autophagie auslösen können. Auch im Kaffee sind solche Stoffe enthalten. Grundsätzlich hat das Fasten aber stärkere Effekte, allein die Einnahme dieser Stoffe kann das Fasten als Motor für Autophagie nicht ersetzen. Was wir heute sagen können, ist, dass Fasten absolut sinnvoll ist, um gewissen Erkrankungen vorzubeugen.

Fasten ist absolut sinnvoll, um gewissen Erkrankungen vorzubeugen.

Slaven Stekovic

Doch hier gibt es ja auch verschiedene Ansätze: ganze Fastenwochen, einen Tag essen, einen Tag fasten, oder jeden Tag eine gewisse Anzahl von Stunden fasten. Was wirkt am besten?

Zunächst ist die Frage, was man durch Fasten erreichen will: Gewicht verlieren, gewisse Erkrankungen in den Griff bekommen oder den Alterungsprozess verlangsamen?

Klingt alles gut.

Ja, aber jeder Mensch ist anders, das versteht auch die Medizin immer mehr. Auch der Lebensstil spielt eine große Rolle für die Effekte des Fastens. Was wir heute sagen können, ist, dass nach spätestens 24 Stunden Fasten die Autophagie angeregt wird. Ob das zum Beispiel einmal im Monat schon ausreicht, um langfristige Effekte zu erzielen, ist fraglich. Das Intervall-Fasten, einen Tag essen, einen Tag nicht essen, ist eine extreme Form: Nach einem Jahr hat man ein halbes Jahr nichts gegessen. Die Effekte dieser Fastenform werden gerade von einem Forscherteam im Labor von Frank Madeo erforscht. Wir stehen aber noch relativ am Anfang.

Doch was raten Sie den Lesern in Ihrem Buch?

Im Buch beschreibe ich verschiedene Versuche, um besser mit seinem Körper kommunizieren zu lernen und Fastenrituale auszuprobieren. Vom einzelnen Fasttag über eine Woche Intervallfasten bis zur Meditation. Ich denke, jeder muss das für sich selbst testen und die richtige Dosis Fasten finden. Wer einmal pro Tag Hunger zulässt, hat schon etwas für sich getan.

Und mit welchen Lebensmitteln kann ich den Aufräumprozess im Körper ankurbeln?

Der Stoff Spermidin steckt in Weizenkeimen, Sojabohnen, grünen Erbsen und Pinienkernen. Es ist aber nicht ratsam, die ganze Ernährung nur nach Spermidin auszurichten. Interessant ist eher, ob es der Wissenschaft gelingt, Spermidin zum Beispiel in Form eines Medikaments auf den Markt zu bringen.

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