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„Fruchtbar durch gefüllte Eisenspeicher“

Der renommierte Hormonforscher Univ. Prof. DDr. Johannes Huber klärt auf, warum das Thema Eisenmangel für Frauen besonders relevant ist.

© KK
 

Sie befassen sich mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in Bezug auf Krankheit und Gesundheit. Stimmt es, dass Frauen rund doppelt so oft unter Eisenmangel leiden wie Männer?
Das ist richtig und vor allem durch die Monatsblutung bedingt. Viele Frauen leiden an Blutungsstörungen wie Hypermenorrhoe und damit an einem chronischen Eisenverlust – oft ohne ihr Wissen. Zusätzliche „Eisenräuber“ sind Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit.

Dennoch wird bei beiden Partnern der Eisenstatus abgeklärt, wenn trotz Kinderwunsch keine Schwangerschaft eintritt.
Das ist richtig. Eisen verbessert die Versorgung der Keimdrüsen mit Sauerstoff und damit die Fruchtbarkeit – sowohl beim Mann als auch bei der Frau. Das ist durch viele wissenschaftliche Studien belegt. Gut gefüllte Eisenspeicher sind daher schon vor einer Schwangerschaft wichtig.

Woran erkennt man als Laie, dass es an Eisen mangelt?
Häufige Symptome sind stumpfes Haar bzw. Haarausfall, brüchige Fingernägel, eingerissene Mundwinkel („Mundecken“), Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsmangel sowie Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Und wie erfolgt die medizinische Diagnose?
Durch Bestimmung mehrerer Parameter: Die Konzentration des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin spiegelt sich im Hb-Wert. Ist er zu niedrig, wird dies als „Anämie“ bezeichnet. Das Serum-Ferritin ist ein Maßstab für dafür, ob die Eisenspeicher des Körpers gefüllt sind und die Transferrinsättigung (TSAT) zeigt an, wie gut der Eisentransport im Körper funktioniert.

Zurück zur Fruchtbarkeit. Wie wirkt sich eine Schwangerschaft auf den Eisenhaushalt aus?
Der Bedarf steigt stark an. Fötus, Plazenta und Nabelschnur beanspruchen viel Eisen für den Aufbau ihrer Strukturen. Dazu erhöht sich die Blutmenge der Schwangeren. Ist zu wenig Eisen verfügbar, steigt die Infektionsanfälligkeit der Mutter, was zu Sauerstoffmangel führen kann. Das erhöht das Risiko für eine Frühgeburt. Direkte Folgen einer ausgeprägten Anämie können auch ein vermindertes Wachstum des Kindes bis hin zu Organschäden sein. Deshalb wird der Eisenstatus im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen regelmäßig überprüft.

Und wenn das Kind zur Welt gekommen ist?
Eisenmangel im Wochenbett und danach ist viel häufiger als allgemein vermutet. Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass bei rund 20 Prozent der Frauen postpartale Anämien auftreten. Die Hälfte der jungen Mütter, die während der Schwangerschaft keine Eisenpräparate einnahmen, weist noch ein halbes Jahr nach der Entbindung entleerte Eisenspeicher auf! Das kann zu Störungen der Milchbildung, des Gleichgewichtssinnes und des Kreislaufsystems führen. Auch Stimmungsschwankungen oder sogar die Wochenbettdepressionen werden damit in Zusammenhang gebracht.

Was ist zu tun, wenn ein Eisenmangel vorliegt?
Durch die Ernährung allein kann das schwer ausgeglichen werden, zumal der Körper nur etwa 10 Prozent des Eisens aus der Nahrung verwertet. Deshalb kommen meist orale Präparate zum Einsatz, oft in Kombination mit Folsäure und anderen Vitaminen, die einen elementaren Beitrag zur Erythozyten-Bildung leisten (Anm.: Bildung von roten Blutkörperchen). Die Einnahme von Eisenpräparaten in der Schwangerschaft ist für das Kind völlig unbedenklich. Vorsicht ist jedoch bei Personen mit Eisenverwertungsstörungen oder schweren Leber- und Nierenerkrankungen geboten – das sollte ärztlich abgeklärt werden.

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