Blutungsrisiko USA: Aspirin soll nicht mehr zur Vorsorge empfohlen werden

In den USA war es bisher nicht unüblich, ab einem gewissen Alter täglich Aspirin einzunehmen, um einem Herzinfarkt vorzubeugen. Nun wird diese Methode neu überdacht. Denn oft geht damit mehr Risiko als Nutzen einher.

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Aspirin; USA; Herz
Die tägliche Einnahme von Aspirin kann zu Nebenwirkungen führen ©  Irin Fierce - stock.adobe.com (Irin Fierce)
 

Ein US-Expertengremium empfiehlt Menschen über 60 Jahren nicht mehr länger die tägliche Einnahme von Aspirin, um das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zu reduzieren. Menschen zwischen 40 und 59 Jahren mit einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber ohne Vorgeschichte, sollten ihren Arzt konsultieren und dann selbst entscheiden, ob sie mit der regelmäßigen Einnahme des Medikaments beginnen wollten, erklärte das Gremium am Dienstag.

Die Entscheidung der von der US-Regierung ernannten unabhängigen Experten zur Prävention von Krankheiten (USPSTF) stellt eine Kehrtwende in der US-Medizin dar: In den USA ist die Einnahme von Aspirin weitverbreitet, da es blutverdünnend wirke und somit einem Gerinnsel vorbeugen könne.

In Europa hingegen warnen Expertinnen und Experten schon länger vor Selbstmedikation mit Aspirin: „Die tägliche Tablette Aspirin bringt nichts für gesunde Menschen, auch dann nicht, wenn sie ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben“, sagt Dietmar Trenk vom Universitäts-Herzzentrum Freiburg. Die tägliche Aspirin-Einnahme als Herzinfarkt-Vorsorge kann sogar schädlich sein. „Aspirin erhöht das Risiko, Blutungen zu erleiden“, sagt Trenk.

Einen tatsächlichen Nutzen habe Aspirin nur nach einem erlittenen Herzinfarkt: Das Risiko eines weiteren Herzinfarktes oder Schlaganfalles lasse sich um 2,5 Prozent verringern.

Seit 2016 empfiehlt das Expertengremium deshalb allen Menschen zwischen 40 und 50 Jahren die tägliche Einnahme des bekannten Schmerzmittels von Bayer, wenn sie ein erhöhtes Risiko von mindestens zehn Prozent haben, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlafanfall zu erleiden. Bei älteren Menschen mit erhöhtem Risiko sollte demnach über die Einnahme individuell entschieden werden.

Risiko oft höher als Nutzen 

Studien stellen diese Empfehlungen inzwischen aber infrage. Erst vor kurzem zeigten Schweizer Forscher, dass die blutverdünnende Wirkung von Asprin seine Grenzen hat. Auch weitere Experten verwiesen am Dienstag auf Hinweise, wonach das Risiko von inneren Blutungen, insbesondere im Gehirn oder im Darm, bei regelmäßiger Einnahme von Aspirin mit dem Alter zunehmen soll. "Die tägliche Einnahme von Aspirin kann dazu beitragen, Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen, aber sie kann auch potenziell schwerwiegende Schäden verursachen, wie etwa innere Blutungen", erklärte der USPSTF-Vertreter John Wong. Die Vorteile des Medikaments reichten nicht aus, um dieses erhöhte Risiko auszugleichen.

Die neuen Empfehlungen sind allerdings noch nicht endgültig. Sie werden bis Anfang November öffentlich zur Diskussion stehen. Von der Kehrtwende nicht betroffen ist zudem die bisherige Empfehlung für Patienten, die Aspirin nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt einnehmen.

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