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Experten warnenSo schlecht geht es psychisch kranken Menschen in Österreich

Versorgung ist weiterhin mangelhaft, Menschen mit psychischen Erkrankungen sehen sich oft mit monatelangen Wartezeiten konfrontiert.

So schlecht geht es psychisch kranken Menschen in Österreich
So schlecht geht es psychisch kranken Menschen in Österreich © New Africa - stock.adobe.com
 

Die Versorgung von psychisch kranken Menschen ist in Österreich nach wie vor unzureichend. Um dem beizukommen, stellte der Dachverband "pro mente Austria" ein Lösungspapier für die künftige Bundesregierung vor.

Jeder dritte Erwachsene ist im Lauf seines Lebens von einer psychischen Erkrankung betroffen. Jeder vierte Jugendliche leidet derzeit an einer solchen Beeinträchtigung. "Die Situation für psychisch Erkrankte ist in Österreich dramatisch", meinte Günter Klug, Präsident von pro mente Austria, mit Verweis auf ungenügende Präventionsmaßnahmen, Versorgungslücken und fehlende österreichweit einheitliche Standards in der Sozialpsychiatrie.

Monatelange Wartezeiten: "Das darf nicht sein"

"Derzeit sieht man sich mit einer psychischen Erkrankung teils mit monatelangen Wartezeiten konfrontiert. Das darf nicht sein, das ist Produktion von individuellem Leid", sagte Klug. Es brauche schnellere Hilfe und vor allem Unterstützungsangebote, die sich an die Bedürfnisse der Betroffenen anpassen - und nicht andersherum, wie es derzeit gängig sei, forderte der pro-mente-Präsident.

Das Lösungspapier des Dachverbands sieht eine Gleichstellung der psychischen Gesundheit mit anderen Gesundheitsbereichen vor. "Das Recht auf Gesundheit ist ein Menschenrecht. Und da es nur eine Gesundheit gibt, umfasst dieses Recht sowohl das Recht auf körperliche als auch auf psychische Gesundheit", sagte Gernot Koren, Vizepräsident von pro mente Austria.

24-Stunden-Krisendienst

Damit dem entsprochen werden kann, brauche es etwa einen massiven Ausbau der psychischen Gesundheitsvorsorge, einen flächendeckenden 24-Stunden-Krisendienst und angepasste Einstufungskriterien für die Zuerkennung von Pflegegeld. "Natürlich muss es auch genug Fachkräfte geben, um eine schnelle und effiziente Versorgung gewährleisten zu können", sagte Klug. Dem derzeitigen Mangel könne beispielsweise mit einem angepassten Aufnahmesystem für das Medizinstudium entgegengewirkt werden. "Die psychische Komponente muss stärker mitbedacht werden, um mehr Interesse für dieses Gebiet zu kreieren", forderte der pro-mente-Präsident.

Arbeit und Beschäftigung gehören zu den wichtigsten Ankern bei der Genesung von psychischen Erkrankungen.

Gernot Koren, Vizepräsident von pro mente Austria

Die Aufwertung des Themas psychische Gesundheit solle in einem österreichweit einheitlichen Sozialpsychiatrie-Grundsatzgesetz münden. "Es darf nicht vom Wohnort abhängen, ob ich Hilfe bekomme oder nicht", kritisierte Koren den derzeitigen "Fleckerlteppich" an Gesetzen. Um die Strategien sektionsübergreifend umsetzen zu können, solle zudem ein Staatssekretariat für Inklusion und Chancengleichheit eingerichtet werden.

Arbeit als Anker

Schließlich wünschen sich die Experten, dass die positive, stützende Wirkung von Arbeit auf die Psyche für alle zugänglich gemacht werde. "Arbeit und Beschäftigung gehören zu den wichtigsten Ankern bei der Genesung von psychischen Erkrankungen", erklärte Koren. Es brauche einen Arbeitsmarkt, der verstärkt Abstufungen und Übergänge ermögliche, um so viele Menschen wie möglich in Beschäftigung zu halten bzw. zu holen.

"Psychische Erkrankungen verursachen bereits ein Drittel aller Invaliditätspensionen in Österreich", untermauerte Thomas Leoni vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) die Dringlichkeit der Forderungen. Auch wären 2,5 Prozent der Krankenstände auf die Psyche zurückzuführen und würden verhältnismäßig sehr lange dauern. Jeder fünfte Arbeitslose kämpfe mit gesundheitlichen Problemen, wobei die Psyche ein wichtiger Faktor wäre, erklärte Leoni.

Kommentare (1)

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büffel
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Lesenswert?

auch gesellschaftliches Problem

Das Problem der Stigmatisierung besteht leider nicht "nur" im Berufsleben, sondern auch im Alltag. Wenn ich mir mitansehen muß, wie viele asoziale Elemente mit Betroffenen umgehen, wird mir ganz anders. Die harmloseste Bemerkung ist da noch, daß so ein faules Aas arbeiten gehen soll, anstatt herumzulungern. Empathie ist eben oft ein Fremdwort....

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