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Schlafforscher erklärt"Wir wachen in der Nacht 28 Mal auf"

Wir erinnern uns an Träume, wenn wir danach munter werden, und leiden in der Nacht an einer kleinen Depression. Schlafforscher Jürgen Zulley erklärt, wie guter Schlaf gelingen kann.

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© nenadaksic - Fotolia
 

Herr Zulley, haben wir früher besser geschlafen oder reden wir jetzt einfach mehr über unseren Schlaf?
JÜRGEN ZULLEY: Es ist sicher so, dass wir jetzt mehr über den Schlaf sprechen und auch mehr Informationen zur Verfügung stehen, dadurch ist das Thema präsenter. Und natürlich kontrolliert dann jeder bei sich, ob da etwas dran ist. Vor Jahrzehnten wurde noch kaum über den Schlaf gesprochen. Aber es gab schon früher Schlafstörungen. Goethe und Schiller haben sich in ihren Briefen über ihre Schlafstörungen ausgetauscht. Störungen haben sicher zugenommen, und das ist zum großen Teil unseren Lebensbedingungen geschuldet.

Wie sieht gesunder Schlaf aus?
Man sollte in der Nacht überwiegend schlafen und sich über den Tag hinweg überwiegend ausgeschlafen fühlen. Überwiegend bedeutet: abgesehen von einem Mittagstief, und davon, dass es auch andere Gründe geben kann, warum man tagsüber müde ist. Zum Beispiel Krankheit, ein Eisenmangel, aber auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann müde machen.

Zur Person

Jürgen Zulley, Professor für biologische Psychologie an der Universität Regensburg, forscht seit fast 50 Jahren auf den Gebieten der Schlafforschung und Chronobiologie und gilt als einer der renommiertesten Schlafexperten Deutschlands. Bis zu seinem Ruhestand leitete er das Schlafmedizinische Zentrum der Uni Regensburg. Informationen unter:
www.zulley.de


Wann spricht man von einer Schlafstörung und sollte einen Arzt aufsuchen?
Wenn sich diese Schlafstörung auf den Tag auswirkt. Man schläft schlecht und als Folge ist man tagsüber müde und nicht leistungsfähig. Ohne diese Beeinträchtigung am Tag sprechen wir nicht von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung – etwa, wenn es ein paar Nächte so ist. Wenn es über einen oder gar drei Monate so geht, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Oft träumt man sehr viel. Sagt das Träumen etwas über die Qualität des Schlafes aus?
Wir träumen alle gleich viel, und zwar alle 90 Minuten – also vier bis fünf Mal in der Nacht. Anfangs kurz und gegen Morgen schon erheblich länger. Es geht nicht darum, ob wir viel oder wenig träumen, sondern ob wir uns daran erinnern. Und wir erinnern uns an Träume, wenn wir kurz danach oder noch im Traum wach werden. Das ist sehr wahrscheinlich, aber wir können uns nur daran erinnern, wenn wir lange genug wach sind. Also, wenn ich aus einem Traum erwache und ich bin dann fünf oder zehn Minuten lang wach, dann kann ich mich gut an den Traum erinnern. Oder ich erinnere mich am nächsten Morgen daran.

Umfrage

Salzburger Schlafforscher führten ein Jahr lang eine Onlinebefragung durch, bei der 1000 Österreicher zwischen 18 und 90 Jahren ihre Schlafgewohnheiten und mögliche Schlafprobleme preisgaben. Die durchschnittliche Verweildauer im Reich der Träume stimmt bei den meisten Österreichern: Gut zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) gaben an, zwischen sieben und neun Stunden zu schlafen, was den Empfehlungen von Experten entspricht. Allerdings berichtete fast die Hälfte der Menschen (46 Prozent) von Schlafproblemen.


Oft weiß man nur, dass man etwas Interessantes geträumt hat, aber nicht mehr, was.
Genau, dann war man nicht lange genug wach. Man könnte also sagen, wenn man sich oft an Träume erinnert, zeigt es, dass man nach dem Erwachen aus dem Traum schlecht einschläft. Und das wiederum könnte dafür sprechen, dass man einen unruhigen Schlaf hat.

Was ist der größte Irrtum beim Thema Schlaf?
Dass man durchschlafen muss. Weil, und das glauben viele anfangs nie: Ein normaler Mensch wird in der Nacht durchschnittlich 28 Mal wach. Allerdings so kurz, dass man wieder einschläft und es vergisst. Und, was wir vergessen, hat nicht existiert. Deshalb ist es so wichtig, zu wissen, dass es kein Problem ist, wenn man wach wird. Das Problem entsteht erst, wenn man nicht mehr einschlafen kann.

Dann beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen und jedes noch so kleine Problem erscheint unüberwindbar. Warum ist das so und was kann man dagegen tun?
Daran ist das Hormon Melatonin schuld. Es drückt auf unsere Stimmung und wird in der Nacht ausgeschüttet. Wir alle sind nachts quasi in einer mehr oder weniger kleinen Depression. Das sollte man wissen und zumindest versuchen, in der Nacht an nichts zu denken. Aber das funktioniert schwer, weil wir nicht nicht denken können.

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