Wenn Kinder schlecht hören – das wissen Eltern nur zu gut – hat das nicht immer mit dem wirklichen Hörvermögen der jungen Familienmitglieder zu tun. Manchmal entscheiden sie sich aktiv, nichts hören zu können. Aber: Hörminderungen können nicht nur im Alter, sondern auch bei jungen und sehr jungen Menschen vorkommen. Und zwar nicht ganz selten. In Österreich kommen nämlich pro Jahr bis zu drei von 1.000 Kindern mit einer Hörminderung auf die Welt. Weltweit sind laut Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO 90 Millionen Kinder zwischen fünf und 19 Jahren betroffen. Und die Tendenz ist steigend. Aus diesem Grund steht der Welttag des Hörens (3. März 2026) unter dem Motto „Hörverlust bei Kindern“.
Das Gehör ist einer der ersten Sinne, der sich vollständig entwickelt – schon im vierten Schwangerschaftsmonat kann ein ungeborenes Kind im Mutterleib auf Geräusche reagieren. Für die Entwicklung des Kindes ist das Gehör essenziell, weiß auch Heidi Neuroth. Die Leiterin der Neuroth-Kinderakustik in Wien ist auf junge Patienten spezialisiert (Pädakustikerin). „Gerade in den ersten Lebensjahren legt diese akustische Wahrnehmung den Grundstein für Sprache, Denken und soziale Entwicklung“, sagt die Expertin.
Worauf Eltern achten sollten
Grundsätzlich werden bei Kindern zwei Hauptformen von Hörminderungen unterschieden. Zum einen sind dies Schallleitungsstörungen. Oft werden diese durch Mittelohrentzündungen hervorgerufen, meist sind diese medizinisch gut behandelbar. Zum anderen handelt es sich um Schallempfindungsstörungen, bei denen das Innenohr oder der Hörnerv selbst betroffen sind. Diese müssen in den meisten Fällen durch Hörgeräte ausgeglichen werden.
Doch worauf müssen Eltern in Bezug auf eine Hörminderung achten? Nun, gerade wenn Kinder noch sehr klein sind, sind diese gar nicht so leicht zu identifizieren. Zudem sind Kinder sehr anpassungsfähig. Und: 95 Prozent der Kinder, die von einer Hörminderung betroffen sind, wachsen in Familien auf, die zuvor nicht betroffen waren. Warnsignale können sein: Säuglinge, die schon Lall-Laute formulieren konnten, verlernen diese Fähigkeit wieder. Oder: Ein Kind versteht sehr leise Geräusche und Flüstern nicht bzw. muss in das Gesicht einer Person schauen, um zu erkennen, dass man mit ihm spricht. Auch wenn ein Kind nur sehr laute Geräusche wahrnimmt oder auch auf Geräusche gar nicht reagiert, können das Anzeichen für eine Hörminderung sein.
Je früher die Hörminderung erkannt wird, desto besser
Wichtig ist: Je früher eine solche erkannt wird, umso besser. In Österreich gibt es aus diesem Grund das Neugeborenen-Hörscreening. Seit 2003 ist es im Programm des Eltern-Kind-Passes aufgenommen. Neuroth erklärt: „Wird eine Hörminderung früh erkannt und versorgt, kann sich ein Kind bestmöglich entwickeln und ungehindert entfalten. Im Idealfall erkennt man eine Hörminderung, bevor ein Kind sprechen lernt, dann sind die Möglichkeiten am größten.“
„Eine Hördiagnose betrifft nie nur das Kind“, weiß Neuroth. Auch die Eltern und die Betreuungspersonen sind gefordert. Sind die Kinder noch im Kleinkinderalter, sind alle drei bis vier Monate Kontrolltermine notwendig, da sich durch die wachsenden Kinderohren auch die Hörbedürfnisse verändern. Werden die Kinder älter, werden auch die Abstände zwischen den Kontrollen kürzer. Doch die Konsequenz wird belohnt, wenn Hörminderungen ausgeglichen werden, erzählt Neuroth aus ihrem Alltag: „Wenn ein Kind die Augen aufreißt, lächelt und sagt: ‚Mama, ich verstehe dich jetzt ganz genau!‘, dann weiß ich, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Diese Momente passieren jeden Tag. Und sie werden nicht selbstverständlicher.“