Dass die Fälle der echten Grippe (medizinisch: Influenza) in Österreich im Steigen begriffen sind, haben wir hier berichtet. Einen guten Schutz bieten auch in dieser Infektsaison die saisonalen Impfstoffe, die kostenfrei und ohne Selbstbehalt in Österreich angeboten werden. Dabei handelt es sich um sogenannte inaktivierte Totimpfstoffe, eine Impfstofftechnologie, die lange bekannt und bei einer Vielzahl von Vakzinen eingesetzt ist. Für Kinder zwischen zwei und 18 Jahren gibt es zudem einen Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Auch das eine Technologie, die sich bewährt hat.

Zu den herkömmlichen saisonalen Influenza-Impfstoffen, könnten aber schon bald weitere hinzukommen. Denn der Pharmakonzern Pfizer hat Daten einer Phase-III-Studie bekanntgegeben, in der ein Influenza-Impfstoff basierend auf mRNA-Technologie getestet wurde. Zur Erinnerung: Gemeinsam mit Biontech hat Pfizer auch den ersten Covid-Impfstoff, ebenso auf mRNA-Basis, entwickelt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Durchgeführt wurde die Studie in der Grippe-Saison 2022/23, eingeschlossen waren 18.476 Probandinnen und Probanden. Nach Zufallsprinzip erhielten sie entweder den mRNA-Impfstoff oder einen der herkömmlichen Influenza-Impfstoffe. Die neuartige Vakzine schützt besser vor Erkrankung als herkömmliche saisonale Impfstoffe, und zwar um 34,5 Prozent. In der mRNA-Gruppe gab es 57 Erkrankungen, in der Kontrollgruppe 87.

Schnellerer Schutz vor neuen Varianten

Jedoch gab es, wie für mRNA-Impfungen typisch, mehr Impfreaktionen als in der Kontrollgruppe, die meisten davon aber mild bis moderat und nur vorübergehend. Impfstoffexperte Florian Krammer (MedUni Wien, Ichan School of Medicine at Mount Sinai) meint dazu: „Die Nebenwirkungen sind zwar höher, aber die kann man – vor allem in Risikogruppen – für einen besseren Schutz in Kauf nehmen.“

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ABD0010_20240323 - WIEN - ÖSTERREICH: Virologe Florian Krammer am Donnerstag, 21. März 2024, im Rahmen eines Interviews mit der APA - Austria Presse Agentur, in Wien. - FOTO: APA/EVA MANHART
Florian Krammer forscht in Wien und New York. Er sagt: „mRNA-basierende Impfstoffe können viel schneller hergestellt werden“ © APA / Eva Manhart

Die echte Grippe wird von den Influenzavirusstämmen (vorrangig von den Stämmen A und B) ausgelöst. Weil sich die Erreger von Saison zu Saison aber verändern, müssen auch die Impfstoffe angepasst werden. Und hier sieht Krammer den großen Vorteil der mRNA-Technologie. Diese Impfstoffe lassen sich nämlich rascher anpassen. Für die Nordhalbkugel müssen für herkömmliche Influenzaimpfstoffe die Impfstämme im Februar bestimmt werden, da die Herstellung etwa sechs Monate beansprucht. Während dieser Zeit findet die Influenzasaison auf der Südhalbkugel statt und es kann zur Veränderung des Virus kommen. Das kann dazuführen, dass der Impfstoff nicht mit den zirkulierenden Stämmen zusammenpasst. „mRNA-basierende Impfstoffe können viel schneller hergestellt werden, Entscheidungen zu den Impfstämmen müssten erst im Mai oder Juli getroffen werden. Zu diesem Zeitpunkt hätte man also schon Daten von der Südhalbkugel, und diese Impfstoffe würden viel eher mit den zirkulierenden Viren zusammenpassen“, erklärt Krammer.

Einen zweiten Vorteil sieht Krammer, der auch Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Wissenschafts­vermittlung und Pandemievorsorge ist, in Bezug auf künftige Pandemien. Denn hätte man schon zugelassene Impfstoffe gegen die saisonale Influenza auf mRNA-Basis auf dem Markt, könne man diese sehr schnell auf einen neuen pandemischen Stamm umstellen. Als Beispiel nennt er H5N1, jenes Vogelgrippe-Virus, das seit längerem weltweit zirkuliert und mittlerweile auch Österreich erreicht hat. Man würde keine langen Effizienzstudien, welche im Idealfall etwa drei bis vier Monate dauern, erklärt der Experte. „Da mRNA-Impfstoffe für saisonale Influenza nicht zugelassen sind, würde es im Falle einer Influenzapandemie länger dauern, bis mRNA-Impfstoffe für einen pandemischen Stamm eingesetzt werden können – man müsste zuerst Effizienzstudien durchführen, und das würde, wie bei COVID-19, wahrscheinlich fast ein Jahr dauern.“