Der akute Mangel scheint überwunden, Paxlovid wird aber weiter diskutiert. Aktuell von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grünen), der auf X, vormals Twitter, einen illegalen Verkauf des antiviralen Covid-Medikamentes in österreichischen Apotheken in den Raum gestellt hat. Demnach hätten die Apotheken während der Pandemie 130.000 Packungen erhalten, die der Bund gekauft hat. Nun habe das Ministerium die Apothekerkammer aufgefordert, die Verwendung vollständig zu belegen. „Uns liegen bisher nur für jene Paxlovid-Packungen Abrechnungen vor, die auf Kassenrezept abgegeben wurden. Für den Rest gibt es verschiedene Erklärungen (Privatrezepte, Überschreitung des Ablaufdatums), aber keine Belege“, schreibt Rauch.

Rauch bezieht sich in Folge auf das Beispiel Deutschland, denn dort ermitteln mehrere Staatsanwaltschaften gegen Apotheken, die Paxlovid illegal ins Ausland verkauft haben sollen. „Auch bei uns gibt es Apotheken, deren Bestellungen oder Abrechnungen auffällig vom Bundesschnitt abweichen“, schreibt Rauch weiter. Er habe nun die Finanzprokuratur eingeschalten, um weitere Schritte zu prüfen.

Apothekerkammer weist Vorwürfe zurück

In der Apothekerkammer herrscht Verwunderung über die Aussagen des Ministers. Die Abgabe von Paxlovid sei unter der Prämisse gestanden, die flächendeckend, rasch und möglichst unbürokratisch abzuwickeln. „Es gab seitens des Gesundheitsministeriums leider keine konkreten Vorgaben hinsichtlich der Anspruchsberechtigten und der Voraussetzungen der Abgabe“, heißt es in einer Stellungnahme der Apothekerkammer. Weiterhin werde man alles dazu beitragen, „mögliche Abweichungen zu plausibilisieren. Diese Vorgangsweise wurde heute auch mit dem Gesundheitsministerium besprochen.“

Paxlovid sei in den vergangenen knapp zwei Jahren über die Krankenkassen abgerechnet worden, reagierte die Apothekerkammer. Darüber hinaus wurde das Mittel an Personen abgegeben, die keiner Dachverbandskasse angehören, oder an Personen, die ein Privatrezept eines Arztes vorlegten. Die Abweichungen zwischen den vom Bund bestellten und vom Großhandel ausgelieferten Packungen zu den Abrechnungen über Sozialversicherung bzw. Privatrezepte seien „den unterschiedlichen Abrechnungsmodalitäten und dem gesetzlichen - zeitlich verzögerten - Fristenlauf geschuldet“, 

Das Argument der unterschiedlichen Abrechnungsmodalitäten sei nicht nachvollziehbar, sagte Rauch am Nachmittag am Rande eines Medientermins. Der Schwund sei so „nicht erklärbar“. Was damit passiert ist, dazu gebe es nur Spekulationen. Deshalb wurde die Finanzprokuratur hinzugezogen. Das gelieferte Paxlovid sei bis Ende Jänner Eigentum der Republik. „Wir haben das bezahlt“, betonte der Minister und verwies auf einen hohen Preis von rund 600 Euro pro Packung.

Ermittlungen auch in Tirol

Auch in Österreich laufen demnach Ermittlungen – gegen eine Apotheke in Tirol. Der Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr, bestätigte der Austria Presse Agentur entsprechende Medienberichte. Es laufe ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges gegen die Verantwortlichen der betroffenen Apotheke. Paxlovid soll angefordert worden sein, ohne dass letztlich Verschreibungen für Patienten vorlagen. Nun bestehe der Verdacht, dass die Medikamente „inoffiziell weiterverkauft“ wurden. Rund 2500 Packungen sollen laut ORF-„ZiB“ unterschlagen worden sein. Ein Teil davon, rund 450 Packungen, wurde den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge wieder retourniert, sodass letztlich der offene Betrag oder Schaden zum Nachteil der Republik rund 1,5 Millionen Euro betrage.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Ministerium und Apotheken sind in Bezug auf Paxlovid nicht neu. Auch Anfang Dezember gab es einen Schlagabtausch, da das Medikament Mangelware und der Bedarf aufgrund der hohen Covid-Fallzahlen enorm war – wir haben hier darüber berichtet. Rauch damals: „Der Bund hat 180.000 Packungen Paxlovid beschafft und über den Großhandel an öffentliche Apotheken, Hausapotheken und Spitalsapotheken ausgeliefert.“ Worauf die österreichische Apothekerkammer mit folgendem Statement antwortete: „Davon wurden insgesamt 121.000 Packungen Paxlovid an die öffentlichen Apotheken ausgeliefert. Bis Ende Oktober 2023 wurden in den Apotheken rund 95.000 Packungen an die Kundinnen und Kunden abgegeben. Die Abrechnungszahlen für November liegen noch nicht vor.“

Engpass behoben

Das Gesundheitsministerium hatte Ende vergangenen Jahres schließlich weitere Packungen des rar gewordenen Medikaments bestellt. Hersteller Pfizer konnte die nötigen Stückzahlen unmittelbar liefern, noch vor Weihnachten war der Engpass behoben. Insgesamt handelte es sich um 18.000 Packungen, die in Tranchen abgerufen werden können, hieß es damals.

Ab 1. Februar soll die Abrechnung über die Sozialversicherung erfolgen, Paxlovid werde danach wie jedes andere Medikament gegen Rezeptgebühr weiter zur Verfügung stehen. Es ist für Personen mit einem erhöhten Risiko für eine schwere Corona-Erkrankung empfohlen. Voraussetzung ist eine ärztliche Verschreibung nach einem positiven Test.