Der Fall. Es wirkt vielleicht kindisch, aber mich nerven oft die kleinsten Macken meines Partners. Sein häufiges Räuspern zum Beispiel macht mich verrückt, wenn wir diskutieren oder miteinander reden. Wie komme ich da raus? (Tanja M.)

Die Antwort von Sabine und Roland Bösel

Liebe Tanja!

Sie scheinen zu jenen Menschen zu gehören, die es sehr gut verstehen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Große Wertschätzung dafür! Es sind doch oft gerade die kleinen Dinge des Alltags, die uns herausfordern - und an denen wir auch immer wieder etwas Neues für uns lernen können.

Wie Sie selbst bemerken, lassen sich jedoch auch Kleinigkeiten nicht einfach so abstellen. Sie können nicht einfach sagen: „Das stört mich nicht mehr“, oder: „Das ist kindisch, ich stell das jetzt ab“. Und Sie können Ihren Partner auch nicht dazu zwingen, sein Räuspern von heute auf morgen abzustellen.

Was Sie aber tun können, ist, was wir in der Fachsprache „Utilisieren“ nennen: Wir können das, was uns nervt, für uns nutzbar machen. Das geht so: Bisher ist in Ihren Gedanken Folgendes abgelaufen: Er räuspert sich - und Sie denken: „Das nervt.“

Ab jetzt verschalten Sie in Ihrem Gehirn das Räuspern mit einem ganz anderen Gedanken. Sie können ihn beispielsweise als eine Erinnerung nutzen, etwas zu tun, das für Sie gut ist. Was meinen wir damit?

Nehmen wir an, Sie nehmen sich schon seit Wochen vor, täglich mehr Wasser zu trinken, aber tun es nicht. Oder Sie sollten regelmäßig physiotherapeutische Übungen für Ihren Nacken machen, doch Sie vergessen immer wieder darauf. Sie wissen, dass das gut für Sie wäre, aber Sie denken dann einfach nie dran.

Sabine und Roland Bösel
Sabine und Roland Bösel
© Christian MUELLER

Nun können Sie das Räuspern Ihres Partners als „Reminder“ nutzen. Wenn er beginnt, sich ständig zu räuspern, trinken Sie ein Glas Wasser oder dehnen Sie Ihren Nacken. Wichtig ist natürlich, dass Sie trotzdem mit Ihrem Partner in Verbindung bleiben.

Damit erwischen Sie zwei Fliegen mit einem Schlag: Sie ärgern sich immer weniger über das Räuspern und tun immer öfter etwas für sich selbst. Vielleicht gibt es Macken, bei denen es wirklich eine Verhaltensänderung braucht - doch versuchen Sie es erst einmal damit. Sie erlangen damit auch selbst mehr Freiheit und Bewegungsspielraum, und das sind die obersten Gebote in der Liebesbeziehung.