Die beiden sind eine Einheit und doch ist jeder ganz individuell. Lukas und Marlene sitzen im Hotelzimmer in Dubai und erzählen von ihrer Beziehung und ihrer Reise. Solche Unterkünfte sind dabei eine Seltenheit – genauso wie die beinahe einwandfreie Wlan-Verbindung. Denn seit einigen Monaten sind die beiden mit Rad und Zelt (sowie einer Rosmarinpflanze) quer durch die Welt unterwegs.

Die Tatsache, dass die beiden in den letzten Monaten kaum eine Minute ohne den anderen verbracht haben, hat der Zuneigung scheinbar keinen Abbruch getan: Wenn einer spricht, hört der andere ganz aufmerksam zu. Einigkeit hat dabei genauso viel Platz wie unterschiedliche Wahrnehmungen.

Lukas; Marlene; Radtour; Radreisender Rosmarin
Vielfältige Einblicke in fremde Kulturen haben die Beziehung der beiden Reisenden noch vertieft
© Privat

Kennengelernt haben sich Lukas und Marlene vor rund zwei Jahren. „Es war einer der letzten Abende, bevor der erste Lockdown kam“, erinnern sie sich. Zwei Wochen später meldete sich Lukas bei Marlene: „Wir haben intensiv miteinander zu schreiben begonnen. Meist bis fünf Uhr morgens. Als es dann wieder einmal vier Uhr in der Früh war, haben wir beschlossen, uns gemeinsam den Sonnenaufgang am Grazer Schloßberg anzusehen.“

Dann ging bei den beiden alles sehr schnell. Das erste „Ich liebe dich“ ließ nicht lange auf sich warten und schon bald wurde die meiste Zeit zu zweit verbracht: „Aber all das hat sich immer natürlich angefühlt. Es war immer so, als würden wir uns schon ewig kennen“, sagt Lukas.

Langsam, aber sicher wuchs in den beiden dann die Idee einer Weltreise per Rad. Große Radfahrer waren die beiden keine, aber verschiedene Länder und Kulturen auf diese Art zu erkunden, hatte für die zwei einen unwiderstehlichen Reiz. „Als wir aufgebrochen sind, waren wir noch in der ersten Verliebtheitsphase. Da kann man sich noch gar nicht vorstellen, was einen am anderen je nerven könnte“, so Marlene.

Herausfordernd sei es immer dann, wenn man selbst gerade angestrengt und gereizt ist. „Dafür hatten wir anfangs sogar das Codewort ,Granatapfel’. Das sollte man sagen, wenn man merkt, dass man überreizt, und bis zwanzig zählen – das hat aber nicht immer funktioniert“, sagen die beiden und lachen. Die Herausforderung der Reise sei vor allem, eigene Sorgen und Gefühle nicht auf den anderen zu projizieren.

Steil bergauf und bergab ging es auf der Reise von Lukas und Marlene immer wieder – auch emotional
Steil bergauf und bergab ging es auf der Reise von Lukas und Marlene immer wieder – auch emotional
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Doch trotz mancher Stolpersteine, die sich in den Weg stellen, ist der gemeinsame Ausstieg auf Zeit für die beiden die absolut richtige Entscheidung: „Ich war mir schon von Anfang an sicher, dass ich mit Marlene den Rest meines Lebens verbringen will. Und ich konnte es nicht erwarten, sie noch besser kennenzulernen. Durch die Reise haben wir die Möglichkeit, schneller mehr über den anderen zu herauszufinden. Und auch über uns selbst.“

Als große Gemeinsamkeit konnten die beiden auf jeden Fall ihre Liebe zu unterschiedlichen Kulturen und Menschen festmachen. „Wir durften erfahren, wie unglaublich gastfreundlich Menschen sein können. Immer wieder wurden wir zum Essen und Übernachten eingeladen und das hat uns sehr erfüllt“, sagt Marlene.

Daher soll in der Beziehung nach der Rückkehr vor allem auch eines zentral sein: Anderen das zurückgeben, was sie auf der Reise bekommen haben: „Wir wollen Menschen zu uns einladen, sie aufnehmen, bekochen und so die Kulturen dieser Welt ein Stück weit zu uns bringen.“

Verbindend war für Lukas und Marlene auf der Reise auch ein besonders prägender Gedanke: „Wir haben erkannt, wie unglaublich privilegiert wir reisen können und ohne Probleme Grenzen passieren dürfen. Das hat uns zum Nachdenken darüber gebracht, dass viele diese Möglichkeiten nicht haben.“ Darum wurde die Reise auch zum Charity-Projekt, mit jedem geradelten Kilometer wird für Menschen auf der Flucht gesammelt.

Das Entdecken solcher gemeinsamer Anliegen war durch die viele gemeinsame Zeit intensiver möglich: „Ich denke schon, dass unsere Beziehung ohne die Reise anders wäre. Aber all das hat bisher perfekt zu unserer Entwicklung gepasst und wir sind noch mehr zusammengewachsen“, sagt Lukas. Und ein Blick auf die beiden genügt, um zu sehen, dass dem tatsächlich so ist.