Was Eltern beachten müssen Hunde von Nachbarn und Verwandten sind für Kinder am gefährlichsten

Eine Grazer Studie zeigt: Kinder werden am häufigsten von den Hunden von Verwandten und Nachbarn gebissen. Worauf man achten muss.

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© New Africa/stock.adobe.com
 

In den letzten Tagen wurden in Österreich wieder Kinder von Hunden gebissen und so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Insgesamt kommt es hierzulande laut dem Verein „Große schützen Kleine“ zu rund 800 solcher Fälle pro Jahr.

In einer weiteren Studie untersuchten Holger Till, Präsident des Vereins und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie und Peter Spitzer vom Forschungszentrum für Kinderunfälle des Vereins die 296 Unfallhergänge aus den Jahren zwischen 2014 und 2018. Etwa drei Viertel dieser Unfälle waren Hundebisse, der Rest Verletzungen, weil Kinder vom Hund umgeworfen wurden oder über die Leiter gestolpert sind.

Besonders auffällig: In nur 23 Prozent der Fälle, war es der eigene Hund, der zugebissen hat. Fast jeder zweite Biss wurde durch einen „bekannten“ Hund, also zumeist durch den Hund von Großeltern, Onkeln und Tanten oder Nachbarn, verursacht. Dabei waren die betroffenen Kinder auch durchschnittlich die jüngsten und schwerer verletzt. Zumeist wurden die Kinder beim Spielen mit dem Hund gebissen, gefolgt vom Vorbeilaufen oder -krabbeln und Streicheln. Nur bei einem Viertel der Vorfälle war ein dem Kind gänzlich fremder Hund beteiligt.

Was Eltern wissen müssen

  • Eltern müssen Kindern den richtigen Umgang mit Hunden beibringen und auf die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere hinweisen.
  • Die Körpersprache von Hunden können Kinder bis zum Volksschulalter nicht richtig lesen. Und es fehlt ihnen das Risikobewusstsein.
  • Die Gesichtsmimik des Hundes täuscht Kinder oftmals (ungewollt.) Traurigkeit und Kuschelbedürfnis vor.
  • Ein Hund ist kein Kuscheltier: Verniedlichungen vermeiden.
  • Filme z. B. mit sprechenden Hunden vermitteln jüngeren Kindern ein falsches Tierbild.
  • Kinder müssen lernen, schlafende oder fressende Tiere nicht zu stören.
  • Kinder sollten niemals fremde Hunde angreifen.
  • In der Öffentlichkeit oder Lokalen Abstand zu liegenden Hunden halten.

„Das bedeutet, dass im erweiterten familiären Umfeld großer Aufholbedarf beim Wissen über die Thematik Hund-Kind gegeben ist“, gibt Spitzer zu bedenken. Auch das „Social Distancing“ durch Corona bewirkt natürlich, dass sich Kind und Hund oft länger nicht sehen, weshalb eine allzu stürmische Annäherung umso dringlicher vermieden werden sollte.

Was beim eigenen Hund zu beachten ist

  • Familieneigene Hunde möchten mit Babys und Kleinstkindern unter Umständen nur spielen und sie ziehen oder tragen. Ihre Beißkraft kann dabei jedoch – vom Hund ungewollt – zu Verletzungen führen.
  • Kinder unter fünf Jahren mit dem Hund nicht unbeaufsichtigt alleine lassen.
  • Herumlaufende und schaukelnde Kinder sind für Hunde spannend und können den Jagdtrieb entfachen.
  • Keinen großen Hund anschaffen, wenn ein Kleinkind in der Familie ist.
  • Wenn noch kein Hund in der Familie ist, sollte dieser erst angeschafft werden, wenn das jüngste Kind das Schulalter erreicht hat.
  • Den Hund in der Öffentlichkeit konsequent anleinen.
  • Der Hund muss so erzogen werden, dass er seinen Grenzen gegenüber Kindern kennt.

In 82 Prozent der Fälle war der Hund bereits vor der Geburt des betroffenen Kindes in der Familie. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt also das jüngste „Rudelmitglied“. „Daraus kann man ableiten, dass man mit der Anschaffung eines Hundes idealerweise warten soll bis das jüngste Kind das Schulalter erreicht hat“, so Spitzer.

Betrachtet man die Hunderassen, so zeigt sich, dass der Mischling, der Schäferhund und der Golden Retriever an vorderster Stelle der beißenden Hunde zu finden sind. Grundsätzlich ist man aber natürlich bei keiner Hunderasse vor einem Biss gefeit.

Richtiges Verhalten gegenüber dem Hund

  • Vor dem Streicheln erst beschnuppern lassen: Riechen ist für Hunde ein wichtiges Kommunikationsmittel.
  • Hunde haben einen angeborenen Jagdinstinkt: Nicht an Hunden vorbeilaufen oder vor ihnen davonlaufen.
  • Ruhig bleiben: Schreien kann aggressives Verhalten hervorrufen.
  • Hunde nicht umarmen oder küssen: Sie sind kein Stofftier.
  • Direkter Augenkontakt könnte als Aggression gedeutet werden.
  • Bei einem Hundekampf nicht dazwischen gehen.
  • Hunde beißen meist in Arme, Beine und Kopf/Hals: Bei einem Angriff ruhig stehen bleiben (Beine zusammen), Kopf/Hals mit Armen und Händen schützen.
  • Am Boden liegen kann Angriffe provozieren: Bei einem Angriff Gesicht zu Boden und die Ohren mit Händen bedecken. Nicht bewegen.
  • Bei mehreren Hunden ist Vorsicht geboten: Im Rudel fühlen sie sich stärker.

Erst ab dem Schulalter sind Kinder in der Lage gewisse Schutzmaßnahmen vor Hundebissen umzusetzen. Die richtige Einschätzung des Hundes und seiner Körpersprache im Sinne eines Warnsignals ist erst ab frühestens acht Jahren möglich. Bei Klein- und Kindergartenkindern liegt es also komplett an den Erwachsenen, das Kind zu schützen. Gerade jüngere Kinder sehen den Hund zudem oftmals als „Kuscheltier“. Diese falsche Einschätzung wird durch Filme mit vermenschlichten, sprechenden Hunden noch verstärkt.

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