Nachhaltige Stoffe Wie grün sind unsere Kleider?

Welche Stoffe man beim Einkauf bevorzugen sollte und warum es besser ist, im eigenen Kasten zu shoppen.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Collage with female portrait and green plant
© Getty Images
 
  1. Worauf sollte man beim Kauf von Kleidung achten?
    Beim Lebensmitteleinkauf gehört der Blick auf Herkunft und Gütesiegel bei vielen schon zum Standard-Prozedere. Bei Textilien überwiegt meist noch die erste Begeisterung, weil Farbe, Schnitt oder der Schnäppchenpreis überzeugen – Stichwort Fast Fashion. „Die allererste Frage sollte daher sein: Brauche ich das überhaupt?“, sagt Gabriele Homolka, Expertin für Vermarktung und Kennzeichnung von Ökotextilien bei der Umweltberatung. Denn die beste Art, Ressourcen zu sparen, ist noch immer, Kleidung so lange wie möglich zu tragen. Will man aber trotzdem in ein neues Stück investieren, zu welchen Stoffen sollte man greifen? „Jede Faser hat ihre Vor- und Nachteile“, so Homolka.

    Kleider recyceln und tauschen

    • Schenken Sie alten Kleidern ein zweites Leben und bringen Sie sie zur Schneiderin oder zum Schneider.
    • Veranstalten Sie mit Freunden eine Kleidertauschparty zu der alle ihre aussortierte Kleidung mitbringen. Was selbst nicht mehr passt, sitzt bei der Freundin vielleicht wie angegossen.
    • Verkaufen Sie Ihre alte Kleidung auf Flohmärkten oder auf Onlineplattformen.
    • Bringen Sie sie in einen Carla-Shop der Caritas.

    Grundsätzlich lautet die Empfehlung aber, Biostoffe zu bevorzugen. „Dabei handelt es sich automatisch um Naturmaterialien, die atmungsaktiv und angenehm zu tragen sind.“ Beispielsweise Biobaumwolle, die in vielen Geschäften erhältlich ist – auch bei den großen Ketten. Auch Stoffe aus Hanf sind empfehlenswert, da die Pflanze robust ist und im Vergleich zur Baumwolle weniger Wasser benötigt. Allerdings ist das Angebot in diesem Bereich noch überschaubar.
    Foto ©
  2. Welche Stoffe sollte man meiden?
    „Alles, was bunt ist, glitzert und intensiv riecht“, so Gabriele Homolka. Denn der Geruch lässt auf den Einsatz von Farbstoffen sowie Textilhilfsmitteln schließen, die nicht nur der Umwelt, sondern auch der Haut schaden. Vor allem sogenannte Textilhilfsmittel, die dafür sorgen, dass Aufdrucke lange halten, sind bedenklich. „Auch Mikroplastik ist ein Thema, wenn sich die Aufdrucke beim Waschen lösen und ins Wasser gelangen.“ Aber auch Stücke, die zerknittert aussehen sollen, werden mit einer Vielzahl von Chemikalien „haltbar“ gemacht.

    Gütesiegel

    • GOTS:
      Es steht für die Kontrolle der gesamten textilen Kette. Die Kleidung muss aus
      mindestens 70 Prozent kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen.
    • Fairtrade:
      Es steht für Textilien aus fair gehandelter Baumwolle – menschenwürdige
      Arbeitsbedingungen und umweltverträgliche Produktion.
    • Global Recycled Standard:
      Es kennzeichnet Produkte mit
      einem Recyclinganteil von mindestens 20 Prozent.
  3. Sind Recycling-Textilien die Lösung?
    „Natürlich ist Recycling ein wichtiges Werkzeug, um Ressourcen zu schonen. Es spart Wasser und Pestizide“, so die Expertin. Allerdings sind die Recyclingverfahren mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. „Um Fischernetze, Pet-Flaschen oder Teppichreste zu recyceln, muss man sie mit Hitze in flüssige Form bringen und trennen, um daraus wieder neue Fasern zu machen.“

    Hinzu kommt das Problem, dass viele Textilien nicht mehr etwa nur aus Baumwolle, Polyester oder Nylon hergestellt, sondern gemischt werden. „Man kann sie kaum mehr trennen.“ Auch Recyclingfasern werden gemischt, um sie robuster zu machen. In diesem Fall wird aus Recycling Downcycling, weil man bald am Ende der Wiederverwendungskette angelangt ist. „Wenn ich einen 100-prozentigen Recyclingstoff habe, dann ist das zuerst großartig, aber im nächsten Schritt kann man ihn nicht noch einmal recyceln. Am Ende ist es nur als Dämmmaterial zu verwenden.“

  4. Welches Kleidungsstück hat eine besonders schlechte
    Klimabilanz?
    Rund 8000 Liter Wasser braucht man für die Herstellung einer Jeans. Es fällt aber auch der Einsatz von Chemikalien ins Gewicht, um spezielle Waschungen zu erhalten. „Diese Effekte bekommt man mit Sandstrahlen oder indem man sie mit Bimsstein wäscht. Hier fallen pro Jeans 600 Gramm Bimsstein an.“ Daher rät die Expertin, Jeans lange zu tragen und beim Kauf, einfarbige Modelle zu wählen.
Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!