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Krise beschleunigt LebenslaufIn Krisenzeiten Geborene heiraten schneller

Menschen, die in Krisenzeiten und -gebiete hineingeboren wurden, heiraten früher. Das fanden Forscher aus Wien und Belgien heraus.

Wie Krisenzeiten den Lebenslauf beschleunigt © (c) chalongrat - stock.adobe.com (Anek@TL2)
 

Waren bei ihrer Geburt die Zeiten schlecht, verkürzten die Menschen ihre einzelnen Lebensphasen, fand die Wiener Anthropologin Katharina Pink gemeinsam mit Kollegen heraus. Herrschte während der ersten fünf Lebensjahren eine hohe Sterblichkeit in ihrem Umfeld, brachte das etwa die Menschen in Belgien im vorigen Jahrhundert dazu, ein paar Jahre früher zu heiraten. Das berichten die Forscher im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B".

Untersuchungsgegenstand: Belgien im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts, ein paar Jahrzehnte nachdem die industrielle Revolution das Land umgekrempelt hatte, litten die Belgier Hunger: Weil die Bevölkerung schneller wuchs als die landwirtschaftliche Produktion, waren Nahrungsmittel knapp. Die Sterblichkeit stieg teils um 40 Prozent. Die Krise traf die einzelnen Regionen unterschiedlich hart: In manchen Gemeinden überlebten etwa im Jahr 1847 alle Einwohner, während es in anderen 100 Todesfällen pro 1.000 Einwohnern gab.

Die Forscher um Katharina Pink, die die Studie am Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien und der Katholischen Universität Leuven (Belgien) durchgeführt hat, verglich anhand von Daten aus Volkszählungen, Standesamtseinträgen und Jahrbüchern die Lebensläufe von Menschen, die damals in stärker und weniger betroffenen Gemeinden geboren wurden. Jene, die ihre ersten Lebensjahre in einr Krisenzeit in einem Krisengebiet verbracht hatten, sollten laut "Theorie der Lebensgeschichte" die späteren Lebensphasen schneller durchlaufen.

Heirat: Zwei bis drei Jahre früher

Die Forscher fanden heraus, dass das tatsächlich der Fall war: Männer und Frauen, die als Babys und Kleinkinder in einer Gemeinde mit hoher Sterblichkeit lebten, heirateten im Schnitt um zwei bis drei Jahre früher als solche, die in weniger betroffenen Gemeinden aufwuchsen. Weil das Kinderkriegen in jener Zeit eng mit dem Ehestand verknüpft war, hatten sie wohl früher Nachwuchs und durchliefen auch andere Lebensphasen schneller, meinen sie: Wenn ein früherer Tod droht, leben die Menschen mehr im "Hier und Jetzt" und "erledigen" Dinge, bevor es zu spät sein könnte. Weil sich das Phänomen schon in der frühesten Kindheit und vielleicht sogar schon im Mutterleib manifestiert, vermuten die Forscher einen biologischen Hintergrund, dass lebensbedrohliche Krisen das Leben beschleunigen.

 

Kommentare (1)
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hermannsteinacher
1
4
Lesenswert?

Ja,

und Schnaps hilft gegen Zombies!