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Verhaltensbiologe erklärt Warum wir uns im Büro wie die Affen benehmen

Verhaltensforscher und Keynote-Speaker Gregor Fauma erklärt, warum das Büro oft ein Affenzirkus ist.

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Businesswoman with chimpanzee mask working in office, using laptop
© Getty Images/Westend61
 

Wann benehmen wir uns wie die Affen?
Gregor Fauma: Es beginnt schon morgens, wenn man die Kleidung auswählt. Was ziehe ich an? Habe ich große Auftritte? Das sind bereits Überlegungen, die unserem affigen Verhalten geschuldet sind, weil es darum geht, Eindruck zu schinden und seinen Status zu signalisieren. Diese Artefakte verwenden wir, um zu zeigen, wie unser Rang ist und wo wir uns sehen. Welchen Eindruck hinterlasse ich beim Gegenüber, um es schon in einer gewissen Art zu manipulieren? Weil einem der Chef oder die Kollegen dann auch dementsprechend begegnen.

Sie nennen auch den Firmenparkplatz als ein Relikt unserer Vorfahren.
Nehmen wir den Pavianhügel. Den Platz ganz oben, mit der besten Luft und Aussicht, hat der Führungsaffe. In einem gewissen Sicherheitsabstand sitzen die Affen zwei, drei und vier. Sie wollen möglichst nahe am Führungsaffen dran sein, um zu signalisieren, dass sie mit ihm in Verbindung sind. Wer es schafft, vom Führungsaffen gelaust zu werden, der hat es geschafft. Damit wären wir beim Firmenparkplatz. Stehe ich weit draußen oder darf ich neben dem Eingang parken? In internationalen Konzernen ist es ganz klar so, dass man erst auf das Parkdeck darf, das nahe am Eingang liegt, wenn man eine gewisse Ebene erreicht hat.

Zur Person

Gregor Fauma hat in Wien und Rom Biologie studiert und sich auf Humanethologie, die das Verhalten des Menschen untersucht, spezialisiert.
Buch: Unter Affen. Warum das Büro ein Dschungel ist. Goldegg Verlag, 19,95 Euro.

Welche Privilegien haben Führungsaffen?
Sie haben den besten Platz, sie dürfen als Erstes ans Futter und sie haben die meisten Sexualpartner. Sie dürfen auch aus einem größeren Angebot wählen als Affe zwei, drei, vier.

Was muss der Führungsaffe dafür „liefern“?
Die Rangniedrigeren gestatten einem Affen diese Privilegien, weil sie eine Gegenleistung bekommen. Der Führungsaffe ist Exekutive und Legislative in einem. Er muss Streit schlichten und für Ruhe im Team sorgen. Bei Rangkämpfen schauen alle zum Führungsaffen, welche Entscheidung er trifft. Trifft er keine, ist er nicht mehr lange der Oberste am Affenhügel.
Nicht nur der Parkplatz, auch unsere Gehgeschwindigkeit lässt anscheinend Rückschlüsse zu.
Das ist sehr spannend. Je höher der sozioökonomische Status eines Menschen ist – also Einkommen und Anerkennung – desto schneller geht er. Aber an der Spitze kippt es. Jene, die ganz oben sind, können es sich leisten, wieder langsam zu gehen. Die Gehgeschwindigkeit ist ein Indikator für biologische Fitness. Man versucht also wieder den Eindruck, den man macht, zu manipulieren. „Tempo, Tempo! Machen wir!“ – so das Motto der Karrieristen. Man zeigt, dass man will. Der, der ganz oben ist, braucht das nicht mehr. Der Vorstandsdirektor kann mit dem Rad in die Firma fahren, der braucht keine S-Klasse oder Krawatte mehr.

Büro und Gerüchteküche: Was sagen Sie zu Flurfunk?
Psychologe Robin Dunbar vergleicht das Tratschen mit dem Lausen bei Affen – zusammensitzen und sich die Läuse aus dem Pelz klauben wird ersetzt durch Klatsch und Tratsch. Ohne geht es nicht. In Familienclans war man früher immer zusammen: Jagd, Sammeln, Geburten ... In dem Moment, in dem Familien so groß wurden, dass man nicht mehr bei allem dabei sein konnte, war man darauf angewiesen, gute Informationen über seine Mitmenschen zu bekommen. Wenn ich in einer Gesellschaft bin, wo ich mir kein Bild vom Verhalten anderer machen kann, brauche ich Informationen. Wenn ich frisch in ein Unternehmen komme, frage ich mich: Ist der Kollege kooperativ? Ist die Chefin nett? Das will man vorher wissen, um sein Verhalten anpassen zu können. Dazu brauche ich Klatsch, Tratsch und vor allem auch verlässliche Quellen. Selbst das Grüßen unterliegt diesen tierischen Ritualen?
Bei uns Wirbeltieren funktioniert es so, dass der Rangniedrigere dem Ranghöheren ein Grußangebot macht. Er bittet durch eine Geste um Kontaktaufnahme: Bitte erkenne mich an, nimm mich wahr. Der Ranghöhere ist dazu angehalten, das Angebot anzunehmen. Nehmen wir an, dass bei den großen Menschenaffen der Ranghöhere dieses Angebot nicht annimmt, dann ist er nicht mehr lange in dieser Position. Das ist sehr spannend, hier gibt es schon so etwas wie Ethos. Da ist es tatsächlich so, dass die anderen das beobachten, ob der Ranghöhere das Angebot annimmt und er muss es annehmen, sonst ist er nicht sehr beliebt. Grüßen spielt sich beim Menschen übrigens zwischen Imponieren und Beschwichtigen ab. Bei Staatsbesuchen wird zum Beispiel die Garde gezeigt, am Ende dieser Gruß-Formation stehen kleine Mädchen mit Kleidchen, Schleifen im Haar und überreichen einen Strauß Blumen. Imponieren und beschwichtigen. Neandertalerverhalten auf Staatsspitzenebene.

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