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Schulstart ohne StressBildungspsychologin: "Eltern sind sich oft ihrer Modellwirkung nicht bewusst"

Bildungspsychologin Christiane Spiel erklärt, warum Eltern Kindern unbewusst die Freude an der Schule nehmen.

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Nach den Ferien beginnt für viele Familien wieder der Alltagsstress. Was können Eltern tun, wenn sich das Kind so gar nicht für die Schule begeistern kann?
CHristiane Spiel: Im Allgemeinen freuen sich Kinder auf die Schule – insbesondere die Erstklassler. Wenn dies nicht der Fall ist, sollten die Eltern nach dem Grund fragen. Oft fördern Erwachsene das auch unbewusst. Zum Beispiel durch Aussprüche wie „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“ oder durch das Erzählen von negativen Erlebnissen aus der eigenen Schulzeit.

Wecken, anziehen, Jause richten, Schultasche packen ... Wie lässt sich morgendliches Chaos verhindern?
Möglichst alles, was das Kind für die Schule am nächsten Tag braucht, sollte schon am Abend vorher hergerichtet werden – gemeinsam mit dem Kind; das betrifft auch die Kleidung. In der Früh sollten alle nicht erst im letzten Moment aufstehen, denn das macht Hektik und Stress, und wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, kommt man zu spät.
Wie schnell sollte man im Schulalltag wieder in einen Rhythmus finden?
Je früher der Rhythmus gefunden wird, desto einfacher ist es für alle Beteiligten. Aber Menschen sind eben unterschiedlich – bei manchen dauert es länger, bei manchen geht es ganz rasch. Wichtig ist, dass die Eltern nicht nur auf das Kind achten, sondern auch sich selbst beobachten, wie es mit ihrem Rhythmus steht. Eltern sind sich oft ihrer Modellwirkung nicht bewusst.

Bildungspsychologin Christiane Spiel
Bildungspsychologin Christiane Spiel Foto © Martin Kernic

Sollte man Kindern eine Belohnung in Aussicht stellen, wenn sie sich in der Schule besonders anstrengen?
Schule ist eine Aufgabe für Kinder, so wie die Arbeit für Erwachsene. Schule ist oft auch durchaus anstrengend und herausfordernd. Aber sie sollte von den Kindern als selbstverständlich angesehen werden. Eine bereits vorher in Aussicht gestellte Belohnung für Lernen fördert die extrinsische Motivation (Lernen „für etwas“) und es besteht die Gefahr, dass die intrinsische Motivation (Freude am Lernen und Können an sich), von der wir ja wollen, dass sie über das ganze Leben hinweg aufrechtbleibt, verkümmert. Eltern sollten daher gut überlegen, wann und wie sie Belohnungen einsetzen.

Immer mehr Kinder leiden unter Schulangst. Wie erkennt man Schulangst und ab welchem Punkt muss man eingreifen?
„Schulangst“ ist ein komplexer Begriff, der vieles subsumiert. Daher kann diese Frage nicht einfach beantwortet werden. In jedem Fall sollten Eltern hellhörig werden, wenn ein Kind, das bisher gerne in die Schule gegangen ist, dies nicht mehr tut und auch nicht über die Schule sprechen will. Ein regelmäßiger Kontakt mit dem Klassenlehrer ist hier hilfreich.

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