Arbeiten wie im Film Shaken wie Tom Cruise in Cocktail

Schäkern, shaken, große Show: Cocktail-Weltmeister Mario Hofferer will Kefirpilze ins All schießen und die Welt der Mixologie revolutionieren.

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Mario Hofferer
Mario Hofferer © (c) © Helmut Lunghammer (HELMUT LUNGHAMMER Helmut Lunghammer)
 

Wir kochen Cocktails“, sagt Mario Hofferer und erklärt, wie man eine Piña colada mit frischer, flambierter Ananas, abgelöscht mit Kokoscreme, in der Pfanne und nicht nur im Shaker vor den Augen des Gasts entstehen lassen kann. Währenddessen lehnt er lässig in seinem Chefsessel im oberen Stock des MH Headquarters – Eventlocation und Cocktaillabor zugleich – im beschaulichen Krumpendorf am Wörthersee.

Im unteren Stock werden von zwei Mitarbeitern gerade noch eifrig Kisten ausgeladen. Nach der Arbeit ist vor der Arbeit. Die Summer Residence von Moët & Chandon in der Pörtschacher Ostbucht ist gerade zu Ende, und von dort ging es für sein Team volley weiter an den Wolfgangsee zu der „Scalaria Air Challenge“ – unter anderem mit dabei Hollywoodstar John Travolta.

Zur Person

Mario Hofferer ist international erfolgreicher Barkeeper. Alles begann mit einer Lehre zum Koch, Kellner, Restaurantfachmann.
Ausbildung: Barschule (www.barschule.at),
Wifi-Kurs. Oder man macht es wie Hofferer mit der Lehre.

Für Hofferer gehören Gästelisten wie diese zum Arbeitsalltag, wobei er gleich das größte Erfolgsgeheimnis eines Bartenders verrät. „Unser oberstes Credo ist: Ein guter Bartender sieht und hört alles, aber er sieht und hört nichts. Er ist immer da, aber er drängt sich nicht auf“, erklärt der 35-Jährige, vor einem beeindruckenden Pokalpanorama. Eine kleine Selektion der erreichten Titel: amtierender Cocktail World Champion und World Bartender of the Year. In seinem Job pendelt der Kärntner zwischen Krumpendorf am Wörthersee und Marbella an der Costa del Sol, wo er im Ocean Beach Club als General Consultant im Beverage-Bereich tätig ist.

Wie im Film

Wie im Film begann alles aber ganz anders, und zwar mit einer Lehre zum Koch, Kellner und Restaurantfachmann im Parkhotel Pörtschach, wo man sein Talent hinter der Bar schnell erkannte. „Man kocht an der Bar ja vor dem Gast und nicht hinter den Kulissen – das liebe ich“, sagt er mit strahlenden Augen und betont im Laufe des Gesprächs immer wieder, dass er seinen Lehrmeistern und Mentoren vieles zu verdanken habe. „Jeder von uns hat ein wenig die Geschichte von Tom Cruise im Film ‚Cocktail‘ in sich – vom Tellerwäscher in die große, weite Welt.“


Einer dieser Mentoren war Peter Weissnegger, jahrelanger Barchef im Casino Velden und Initiator des „International Wörthersee Cocktail Cups“, an dem Hofferer bereits mit 16 Jahren teilnahm und dessen Vorsitz er zehn Jahre später selbst übernahm.

Ich habe damals mit Wasser und Säften geübt. Wir wollten alle wie Tom Cruise sein. Wir waren fasziniert vom Flaschenwerfen. Der Boden meiner Wohnung war demoliert, ich hatte Shakerbeulen am Kopf.

Mario Hofferer, Bartender

Es folgte ein Trainingsprogramm im Intercontinental in Loipersdorf, bei dem ihm der Manager einen Tipp – „geh hinaus in die Welt“ – und zehn Adressen mit auf den Weg gab. Hofferer landete schließlich bei Peter Just, wo er wenig später das komplette Catering übernahm und sich mit 17 Jahren selbstständig machte. „Meine Oma Rosemarie, welche federführend bei meiner Karriere war, hat immer gesagt, dass es egal ist, was ich mache, ich muss es bloß durchziehen.“

Mario Hofferer
Mario Hofferer Foto © (c) © Helmut Lunghammer (HELMUT LUNGHAMMER Helmut Lunghammer)
Der Bartender beginnt, mit anderen Showbarkeepern durch Europa zu touren. „In Barcelona habe ich bei der Veranstaltung einer Automarke mit 2000 Besuchern Feuer gespuckt und mich gewundert, warum mich alle so anjubeln. Bis ich meinen Kollegen verstanden habe: ‚Deine Haare brennen!‘“

Realitäts-Check

1. Barkeeper sind Frauenhelden.
„Das geht sich zeitlich schon nicht aus. Bis ich
alles fertig aufgeräumt habe, sind alle Gäste weg. Das gilt mehr für die Gäste selbst.“

2. ... sind Nachtschwärmer.
„Nein, es muss ja auch Büroarbeit erledigt werden. Außerdem werden Schichten ja auch geteilt.“

3. ... sind Hobbypsychologen.
„Das schon, aber nicht beim Showbarkeeping.“

Heute ist die Haarpracht nachgewachsen und die Beschaulichkeit in Krumpendorf eine willkommene Verschnaufpause vom Arbeitsalltag. „Einerseits sind wir Österreicher spät dran mit Trends, andererseits ist alles, was wir machen, grundehrlich. Hier zu sein, ist die beste Abwechslung zu dieser Plastikwelt, in der man sich als Bartender oft bewegt.“ Dabei hat Hofferer noch viele Ideen. „Ich versuche, revolutionär zu denken. Ich möchte zum Beispiel einen Cocktail ins Weltall schießen, um zu sehen, wie sich Kefirpilze in der Schwerelosigkeit verhalten.“ Die Wetterballons liegen schon bereit, deutet Hofferer ins Nebenzimmer. Einzig an der Starterlaubnis der Austro Control hapert’s noch.

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