In Hermagor summt’s bald lauter als bei einem Rockkonzert. Schuld daran: das Honigfest. Ein Wochenende lang wird die Stadt zur süßesten Adresse des Landes – mit tausenden Besuchern, die zwischen Schauimkerei, Wachsfiguren und Schleudervorführungen hin- und herpendeln, als hätten sie selbst einen halben Bienenstock intus.

Video – Schritt für Schritt zu Ressis Rezept

Mittendrin: Bärenwirt Manuel Ressi, der den Honig nicht als Brotaufstrich, sondern als Hauptdarsteller sieht. Der kreative Kopf hinter dem charmanten Wirtshaus am Hermagorer Hauptplatz lässt mit regionalen Zutaten eine neue Form der Gastlichkeit erwachsen. Nachhaltigkeit, Geschmack und Bodenständigkeit sind seine Zutaten – das Ergebnis: eine Küche, die Herz und Heimat schmeckt. „Honig kann mehr als nur süß. Er kann Säure, Würze – und manchmal sogar Rock’n’Roll“, sagt er. Auf seiner Karte: honiggelbe Suppe, Ripperln mit klebriger Glasur, Schweinsbraten mit Honigkruste, vegetarische Steinpilz-Erdäpfelgnocchi– und als Star: die Ochsenherztomaten-Tarte mit Oxymel.

© Achim Mandler

Oxymel? Klingt wie ein Asthmaspray, schmeckt aber wie flüssige Antike. Eine Mischung aus Honig und Essig, von den Römern als „Zaubertrank“ für Feldzüge geschätzt – unkaputtbar, lagerfest, belebend. „Das ist wie ein Energy-Drink ohne Stromrechnung“, lacht Ressi. Er setzt es mit Kräutern an, lässt es ziehen und hat so eine Marinade, die jedes Gemüse in einen kleinen Triumphbogen verwandelt.

Die Tarte selbst entsteht aus dem „1-1-1“-Teig – Topfen, Butter, Mehl – in einer Geschwindigkeit, die jeder Hobbybäcker liebt. Fingerdicke Paradeiserscheiben werden wie Kunstwerke drapiert, umgedreht gebacken, damit der Saft bleibt, wo er hingehört: im Teig und später im Mund. Dazu gesellen sich fermentierte Tomaten, die eine Woche lang im Glas „reifen“ durften. Ergebnis: eine Säure, die mit Honig flirtet, statt ihn zu erschlagen. Und weil’s nie zu süß wird, gibt’s noch ein Weingartenpfirsich-Chutney mit Pfeffer und – Überraschung – Honig. Frucht, Schärfe, Süße: ein Dreiklang, der direkt in den Spätsommer führt.

Das Gericht wird mit Honig abgeschmeckt.
Das Gericht wird mit Honig abgeschmeckt. © Stefan Pajman

Draußen tobt das Fest, Kinder tragen Honigbrote wie Trophäen, Imker erzählen vom Bienenwohl, und wer sich zu lange an einem Stand aufhält, hat am Ende garantiert klebrige Hände. Das Honigfest ist mehr als ein Markt. Es ist eine Liebeserklärung an den Honig – und an alles, was man daraus machen kann, wenn man ihn nicht nur ins Glas, sondern ins Leben holt. Und wer Honig nicht nur essen, sondern erleben will, muss letztendlich bei Manuel Ressi im Bärenwirt landen.