Einen Wow-Effekt der anderen Art gab es in dieser Woche in der Klagenfurter Innenstadt. Normalerweise ziehen Superautos wie ein Bugatti oder Lamborghini alle Blicke auf sich. In diesem Fall war es eine ganz andere Kiste, die sämtliche Köpfe verdrehte. Das Fotoshooting zu einer besonderen Kochmethode ging nämlich in der Pernhartgasse über die Bühne. Kochen mit der Kochkiste. Die Idee stammt aus Zeiten unserer Großeltern, ist aber heute, wenn es darum geht, beim Kochen sowohl Energie als auch Geld zu sparen, aktueller denn je. Wir haben bereits im Jänner des letzten Jahres über die Kochkurse der Steirerin Agnes Lemmerer berichtet.

Video – Kochen mit der Kochkiste

Mittlerweile hat die nachhaltige Kiste auch im Klagenfurter Hotel Sandwirth Einzug gehalten. Aber warum? „Es war ein längerer Prozess“, berichtet Eigentümerin Helvig Kanduth. „Wir haben schon vor einigen Jahren darüber nachgedacht. Die Energiekrise belastet ja nicht nur Haushalte. Darum habe ich jetzt mit unserem Küchenchef Gregor Sajovic beschlossen, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, dieses Projekt zu starten.“ Das Prinzip der Kochkiste basiert darauf, Speisen nach einer kurzen Kochzeit auf dem Herd in einem gut isolierten Behälter langsam fertig garen zu lassen. Zum Beispiel wird Milchreis etwa 15 Minuten gekocht und dann für eine Stunde in die Kochkiste gegeben. Eine Suppe benötigt zwei bis drei Stunden, um gar zu werden.

Der große Vorteil: Der Herd ist ausgeschaltet und es besteht dadurch keine Gefahr, dass etwas anbrennt oder überkocht. Das Kochen bei niedrigen Temperaturen sorgt dafür, dass Vitamine und Aromen weitgehend erhalten bleiben. „Wir haben uns dafür mit einem tollen Tischler zusammengesetzt und uns viele Gedanken gemacht, wie man die Kiste am besten baut. Das Ganze muss ja auch für die Gastronomie passen“, erklärt die Hoteleigentümerin. Man muss vor allem einen entsprechend großen Kochtopf in die Holzkiste bekommen. Es sollte gastrotauglich sein. „Das ist jetzt das Ergebnis von über zwei Jahren Arbeit“, erklärt Kanduth. Und trägt den Titel Slow Food Garer.

Das Garen unter 100 Grad Celsius ohne zusätzliche Energiezufuhr ist eine Methode, die auf allen Teilen der Erde in Zeiten knapper Energie genutzt wurde und wird. Etwa während der Weltkriege oder in Entwicklungsländern. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war die Kochkiste in vielen Haushalten eine große Hilfe. Die einfachsten Kochkisten können aus einer Holzkiste oder einem Pappkarton mit Isoliermaterial wie Stroh, Wolle oder Styropor hergestellt werden. Auch Kühltaschen eignen sich als Basis für eine Kochkiste. Der Topf wird in ein sauberes Handtuch gewickelt und in die Kiste gestellt. Zusätzlich kann man die Zwischenräume mit Decken oder Pölstern füllen, um die Wärme-Isolierung zu verstärken. „Unglaublich viele Speisen lassen sich mit der Kochkiste zubereiten“, erklärt Chefkoch Sajovic.

Milchreis oder auch Linsensuppe sind Klassiker. Daneben eignet sich die Kochkiste für eine Vielzahl von Gerichten, die sonst lange auf dem Herd vor sich hin köcheln. Reis, Hirse, Kartoffeln, Rotkohl, Hülsenfrüchte und vor allem Schmorgerichte. „Kurzum für alles, was nach vorherigem Ankochen oder Anbraten bei niedrigen Temperaturen eine gewisse Zeit lang garen muss“, verdeutlicht der Küchenchef den Vorgang. Als Rezeptvorschlag hat Gregor Sajovic eine wunderbar gehaltvolle Suppe vorbereitet, die an diesen beginnenden kälteren Herbsttagen besonders gut schmeckt.