„Ich bin sehr gerührt und kann‘s noch immer nicht ganz fassen.“ Die Emotion war Angela Summereder anzusehen, als sie Montagabend im Grazer Annenhofkino die „Goldene Nuss“ für den besten Spielfilm der Diagonale entegegennahm. Acht Jahre lang arbeitete sie an dem Film, ihren verstorbenen Lebenspartner Benedikt Zulauf habe das Thema sein Leben lang beschäftigt, berichtete die Regisseurin auf der Bühne. „B wie Bartleby“ ist der Titel ihres Films, der dem bekanntesten Verweigerer der Literaturgeschichte nachspürt: Hermann Melvilles Schreiber Bartleby, der sich mit dem Satz „Ich möchte lieber nicht“ den Zumutungen des Arbeitslebens, aber auch jeder Erklärung dafür entzieht.

Großer Spielfilmpreis für Angela Summereder, hier auf der Bühne mit Moderatorin Susi Stach
Großer Spielfilmpreis für Angela Summereder, hier auf der Bühne mit Moderatorin Susi Stach © Klz / Stefan Pajman

Summereders sehr persönlicher und biografisch gefärbter Film, ebenso wie Tolga Karaaslans „Baba, What‘s Your Plan?“ der den Großen Dokumentarfilmpreis gewann. Darin richtet Karaaslan die Kamera auf seinen Vater, der nach einem langen harten Arbeitsleben auf seine Invaliditätspension wartet, und befasst sich darin auch mit dessen Migrationsgeschichte und männlichen Rollenbildern. Schöner Doppelerfolg für Karaaslan: „Baba“ holte sich auch den erstmals vergebenen Mabacher Award Für den besten inklusiven Film.

Tolga Karaaslan  gewnn mir „Baba, What‘s Your Plan?“ den Großen Dokumentarfilmpreis gewann - und die Goldene Nuss der Diagonale
Tolga Karaaslan gewnn mir „Baba, What‘s Your Plan?“ den Großen Dokumentarfilmpreis gewann - und die Goldene Nuss der Diagonale © Klz / Stefan Pajman

Auch der Gewinner in der Kategorie Innovativer Film greift ein Familienthema auf: Georg Petermichl fragt in seinem 20-Minüter „Amature Enlightenment“ auf gemeinsamen Spaziergängen über Gott, Welt, Gesellschaft und Universum aus.

Geschlechtsneutrale Schauspielpreise

Seit dem Vorjahr werden die beiden Schauspielpreise des Festivals, einst je einem Mann und einer Frau gewidmet, geschlechtsneutral vergeben: In einem Jahr starker Frauenrollen gingen die beiden Preise diesmal an die Schauspielerinnen Valerie Pachner, die in Adrian Goigingers „Vier minus Drei“ die Jury mit „emotionaler Intensität ohne Pathos“ überzeugte. Und an Julia Franz Richter, deren subtiles Spiel die Jury  sowohl in Andreas Prochaskas „Welcome Home Baby“ als auch in Johanna Moders „Mother‘s Baby“ begeisterte.

Publikumspreis für „The Stories“

Den Publikumspreis der Kleinen Zeitung holte sich diesmal der ägyptisch-österreichische Regisseur und Autor Abu Bakr Shawky mit seiner Familien-Dramedy „The Stories“: Ägyptische Zeitgeschichte, ein Gesellschaftsporträt und skurrile Sippschaftsanekdoten vermengen sich zur unterhaltsamen Erzählung – und mittendrin in der autobiografischen Story sorgt Valerie Pachner für das Culture-Clash-Element im populärsten Film der Diagonale. Bei der Preisgala nahm Shawkys Mama Elisabeth den Preis für ihren Sohn entgegen. Er lebt seit einiger Zeit in New York und konnte - auch aufgrund der schwierigen Reisebedingungen in die und aus den USA - nicht nach Graz anreisen. Sein Film kommt regulär im Juli in unsere Kinos.

Produzentin Johanna Scherz freut sich mit Co-Intendantin Claudia Slanar über den Publikumspreis für Abu Bakr Shawkys „The Stories“
Produzentin Johanna Scherz freut sich mit Co-Intendantin Claudia Slanar über den Publikumspreis für Abu Bakr Shawkys „The Stories“ © Klz / Stefan Pajman

Drei Preise – für die beste Montage, Bildgestaltung und das Sounddesign - gingen an „Mit Ästen bis zum Himmel“, der Ende 2024 verstorbenen Regisseurin Katharina Copony - er begleitet sehbeeinträchtigte Kinder beim Schulbesuch. Elsa Kremsers und Levin Peters Drama „White Snail“ erhielt die Preise für das beste Kostüm und das beste Szenenbild. Die Diagonale-Preise, von Susi Stach launig moderiert, sind mit insgesamt 128.500 Euro Österreichs höchstdotierte Filmpreise.

Drehbuchpreise vergeben

Schon am Montagvormittag wurden die mit insgesamt 44.500 Euro dotierten Drehbuchpreise vergeben: Den Carl Mayer-Drehbuchpreis holte Peter Pflügler mit seinem Treatment „Hans –or–Don’t Buy Me in the Grave“, der Förderpreis ging an Reza Rasoulis „Wurzel und Wind“. Der Thomas-Pluch-Drehbuchpreis für einen bereits gedrehten Film ging an „Rose“ von Markus Schleinzer und Alexander Brom, der Spezialpreis an Magdalena Chmielewskas Skript für „Teresas Körper“. Den Kurzfilm-Drehbuchpreis holten sich Angelika Spangel und Sophia Wiegele für „Ein Unfall“.