Mit einem Programm unter dem Titel „La bella Italia“ ließ die Grazer Oper am Abend des Neujahrstages das Jahr abwechslungsreich und mit viel Gefühl beginnen. Die bunte Mischung aus Werken mit Italien-Bezug wurde von Intendant Ulrich Lenz launig moderiert, der einige Informationen zu den weniger bekannten Nummern gab. Im ersten Teil erklang Musik von Komponisten aus Frankreich, Österreich, Deutschland und Amerika, während der zweite Teil den Italienern gewidmet war.

Für einen zündenden Auftakt sorgte Franz von Suppès schneidiger Boccaccio-Marsch, gefolgt von einem leicht melancholischen südlichen Stimmungsbild von Johann Strauss Sohn, der in „Wo die Zitronen blüh’n“ Landschaftseindrücke zu Walzerklängen formte. „Arrivederci, bella Italia“ schmachtete Tenor Ted Black gekonnt ein Lied von Robert Stolz, während Sopranistin Corina Koller den „Italian Street Song“ aus Victor Herberts „Naughty Marietta“ zwitscherte. Dazwischen erklang – großartig von den Grazer Philharmonikern gespielt – der erste Satz von Richard Strauss‘ Tondichtung „Aus Italien“.

Es war vielleicht keine so gute Idee, diese Perle zwischen die beiden eher belanglosen, wenn auch netten Stücke einzufügen – es war, als würde man edlen Rotwein zwischen zwei Gläsern Himbeerkracherl trinken. Mit einem Ausschnitt aus Jules Massenets „Scènes napolitaines“ endete der erste Teil furios mit der Schilderung eines offenbar eher ausschweifenden Festes. Nach der Pause waren dann italienische Komponisten am Wort bzw. Ton: Der Bogen spannte sich hier gekonnt von Gioachino Rossini bis Nino Rota, und Dirigent Marius Burkert zelebrierte die unterschiedlichen Werke dieses Abends alle mit viel Elan und Präzision.

Hommage an Italien: Grazer Philharmoniker
Hommage an Italien: Grazer Philharmoniker © Werner Kmetitsch

Die Ouvertüre von Rossinis „Il signor Bruschino“ ertönte federnd-leichtfüßig, dann sang Corina Koller höhensicher „La Mattinata“, ein Lied, das Ruggero Leoncavallo für Enrico Caruso schrieb, und zwar als erste Komposition speziell für eine Grammophon-Aufnahme. Eine besondere Spezialität war der Ausschnitt aus Ermanno Wolf-Ferraris „I gioielli della Madonna“, ein kaum gespieltes veristisches Werk mit einer dramatischen Dreiecksbeziehung und der Verquickung von Kirche und Leidenschaft. Darauf folgte sehr wirkungsvoll ohne Pause Musik von Nino Rota, die der Komponist für den Fellini-Film „Otto e mezzo“ („Achteinhalb“) komponiert hat. Ebenfalls gleich angeschlossen wurde eine wirbelnde Tarantella von Rossini („La Danza“), die Ted Black mit viel flotter Energie vortrug.

Der letzte offizielle Programmpunkt war Alfredo Casellas Rhapsodie „Italia op.11“ gewidmet, aus der der turbulente, mitreißende Abschnitt „Giocoso“ erklang. Mit diesen wirbelnden Tönen war es aber noch nicht genug, es folgten noch zwei Zugaben: Nach „O sole mio“ und „Funiculì, Funiculà“ ging das Publikum unter heftigem Applaus heiter gestimmt in ein neues Jahr.