Der Aufschrei innerhalb der Kulturszene war groß, nachdem 13 von 15 Mitgliedern des Kulturkuratoriums des Landes Steiermark ausgetauscht worden waren. Es gab Solidaritätsbezeugungen aus dem In- und Ausland, mehr als 1000 Persönlichkeiten aus der Kulturszene forderten in einem Offenen Brief an Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) eine neuerliche Umbesetzung des Kulturkuratoriums und eine Sicherstellung der Förderungen.
„Gefordert wird eine Neubesetzung des Kuratoriums, wie weit sind Sie bereit, solchen Forderungen nachzukommen?“, fragte Ute Baumhackl (Kleine Zeitung), die zusammen mit Christoph Hartner (Kronen Zeitung) und Gernot Rath (ORF) die Diskussion über die Zukunft der steirischen Kultur im ORF-Landesstudio Montagabend leitete. Kornhäusl wollte sich nicht festlegen. Konkret angesprochen auf ein Mitglied des Kuratoriums, dem eine Nähe zur rechtsextremen Szene nachgesagt wird, betonte der Landesrat, „es ist eine Person von 15“. Sollte es aus irgendeiner Richtung „Einflüsse oder Entgleisungen geben, werde ich der Erste sein, der seine Stimme erheben wird“.
In dem Moment, als die neue Regierung kam, wurde „ein Keil gesetzt“ zwischen Volkskultur und anderer Kultur, befand Heidrun Primas, Koordinatorin von „Kulturstrategie 2030“. Viele Punkte wurden in der Neubesetzung des Kulturkuratoriums nicht betrachtet, sei es die Ausgewogenheit der Geschlechter, die Einbindung von Personen aus allen Regionen und die Expertise in allen Künsten. Kornhäusl erklärte, die Anzahl von Frauen sei im alten und im neuen Kuratorium mit vier gleich geblieben.
Zweifel an Expertise
„Die Neubesetzung des Kuratoriums ist nicht in einem leeren Raum passiert“, meinte Lidija Krienzer-Radojević, Geschäftsführerin IG Kultur Steiermark. Sie zweifelte an den Expertisen der Mitglieder und ihrer Fähigkeit zur Beurteilung und Empfehlung und meinte, man würde auch „keinen Zahnarzt eine Herzoperation machen lassen“. Der Landesrat führte an, es habe auch bisher „in der freien Szene nicht nur Zufriedenheit gegeben“ und die letzte Entscheidung über die Fördergelder liege bei der Landesregierung, so Kornhäusl. Bei den Fachbeiräten ortete er außerdem „sehr viel Expertise“. Es werde also vorerst keine Veränderung im Kuratorium geben, Kornhäusl werde aber die Arbeit beobachten, fasste Gernot Rath zusammen.
Mittel für Freie Szene
Zweites großes Thema war die Finanzierung, besonders die Mittel für die Freie Szene. „Das steirische Kulturbudget ist am Papier gestiegen. Große Institutionen wie Bühnen und Joanneum haben eine Indexierung, die die freie Szene nicht bekommen hat“, führte Christoph Hartner aus und verwies auf erste erfolgte Kürzungen.
„Es geht nicht nur um neue Projekte, sondern auch um Kulturinitiativen, die schon jahrelang vom Land gefördert wurden“, betonte Krienzer-Radojević. Einige mussten massive Kürzungen hinnehmen und sind „unter enormen Stress geraten“, weil auch die Finanzierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr gegeben war.
Angespannte Budgetsituation
In der Freien Szene habe es seitens des Landes „zarte Steigerungen in absoluten Zahlen“ gegeben, in der Stadt Graz sei hingegen „in absoluten Zahlen gekürzt worden“, meinte der Kulturlandesrat. Man könne nicht „mehr Geld ausgeben, als zur Verfügung steht“, verwies er auf die angespannte Budgetsituation. Er sprach auch „non-monetäre“ Zuwendungen an, da sei „dem Denken keine Grenzen gesetzt“.
Bühnen-Chef Bernhard Rinner konstatierte eine „sehr ruppige Zeit“, mit der er „vor wenigen Monaten noch nicht gerechnet hätte“. Die von den Institutionen gemeinsam erarbeitete Kulturstrategie sei „in einen Verteilungskampf übergegangen“. Er verwies auf den großen Anteil freier Künstlerinnen und Künstler der freien Szene, die jedes Jahr bei den Bühnen beschäftigt würden.
Alle Sparten bedienen
Rinner sprach auch Kooperationen mit der Freien Szene an: Das Schauspielhaus hat bereits eine Bühne für eine Produktion zur Verfügung gestellt, weitere Möglichkeiten würden noch überlegt. Zu den Förderungen betonte Rinner, die Bühnen seien „ein großer Betrieb“, die Eigentümer Stadt und Land „verlangen dafür auch etwas“: Es müssten alle Sparten bedient werden, die Kooperation mit der Freien Szene sei hingegen eine Kann-Bestimmung.
Sollte es zu Finanzierungslücken kommen, „können wir den kulturpolitischen Auftrag nicht erfüllen“, stellte Rinner in aller Deutlichkeit klar. „Das bedeutet, dass es weniger von dem geben kann, was sich die Eigentümer wünschen“. Der momentane Repertoirebetrieb koste viel Geld, die Alternative wäre Stagionebetrieb wie in südlichen Ländern, bei dem ein Stück durchgehend gespielt wird.
„Die Absagen und Kürzungen werden uns weiter begleiten, wenn sich nicht ganz dringend etwas ändert“, sprach Lidija Krienzer-Radojević nochmals die Sorgen der Freien Szene an. „Ich kann nicht mehr ausgeben, als ich habe“, betonte Kornhäusl einmal mehr.
Zukunft der Steiermark-Schau
Die Idee, die Steiermark-Schau zu streichen und die Mittel der Freie Szene zu Verfügung zu stellen, wollte Kornhäusl nicht näher kommentieren: „Wir befinden uns erst am Beginn, freuen wir uns auf die Schau 2025“.
„Wie soll es mit der Kulturstrategie 2023 weitergehen?“, wollte Gernot Rath wissen. „Von mir ein unbedingtes Bekenntnis dazu“, antwortete Kornhäusl. Man müsse schauen, „was budgetär umsetzbar ist“, hieß es dazu abschließend.