Starke Präsenz zeigte die steirische Kulturszene am Donnerstag bei einem Protestzug durch Graz: Tausende schlossen sich einer so bunten wie lautstarken Demonstration gegen dramatische Förderungskürzungen und die Neubestellung des Kulturkuratoriums durch die FP-VP-Landesregierung an (wir berichteten). Auffällig: Offenbar hatte sich viel Kulturpublikum mobilisieren lassen. Vom Europaplatz vor dem Hauptbahnhof bis zur Abschlusskundgebung auf dem Hauptplatz wuchs die Zahl der Beteiligten laut polizeilicher Schätzung von „jedenfalls 500“ auf mehr als 2000 an; dem Organisationsteam zufolge waren sogar 2500 dem Ruf „Kulturland retten!“ gefolgt.
29-Jähriger festgenommen
Dabei kam es auch zu einer Festnahme, nachdem pyrotechnische Gegenstände gezündet worden waren. Während der Identitätsfeststellung einer Person, die einen solchen Gegenstand entzündet hatte, drängte sich ein unbeteiligter 29-Jähriger aus Bruck-Mürzzuschlag in Richtung der Polizisten. Er beschimpfte sie und widersetzte sich der Festnahme – er wurde in das Polizeianhaltezentrum Graz gebracht.
„Streitkultur brauchen wir!“
Bei der friedlich verlaufenden Demo selbst wurden pointierte Transparente mitgetragen: „Streitkultur brauchen wir!“ und „Der Kunst ihre Freiheit!“ wurde gefordert, das „Kulturkrematorium“ verspottet. Mit Nachdruck wurde bei der Veranstaltung die Wiederbelebung der jahrzehntelang geübten „Kultur des Dialogs“ eingefordert und gegen die schlagartige Zerstörung einer lange gewachsenen Kulturlandschaft protestiert. Besonders vehemente Kritik gab es einmal mehr am „kulturellen Staatsstreich“ der Neubesetzung des Kulturkuratoriums mit „kulturfernen“ Persönlichkeiten.
Dagegen werde jedenfalls weiter protestiert, so die Ankündigung – verbunden mit der Aufforderung, sich auf der soeben installierten Online-Plattform kulturlandretten.at den Protesten anzuschließen. Die Diskussion dürfte ohnehin weiter Fahrt aufnehmen, aktuell schlägt das Thema in der Öffentlichkeit überregional Wellen, wie zuletzt Unterstützungserklärungen von IG Kultur bis Theaterverband und Kunstuni bewiesen.
Möglich, dass die Breite der Proteste bereits Wirkung zeigt. Kulturlandesrat
Karlheinz Kornhäusl (VP), an den etliche der Botschaften gerichtet waren, ließ jedenfalls ausrichten, er sehe die Demonstration gewissermaßen als „Unterstützung in meinem Bestreben um jeden Cent für die Kultur zu kämpfen. Die Mittel mögen uns unterscheiden, aber das Ziel eint uns: Wir alle wollen eine starke und vielfältige steirische Kulturlandschaft, die einen offenen Diskurs ermöglicht und damit den gesellschaftlichen Fortschritt mitgestaltet.“ Er werde in den nächsten Wochen den Dialog mit der freien Szene intensivieren, kündigte er an.