Kulturschaffende in der Steiermark sind besorgt: Nebst Kürzungen in der Stadt und einer koalitionsfindungsbedingten Pause – mitsamt nicht ausgegebener Förderungen im Bund – ist derzeit unklar, wie die Förderpolitik in Zeiten einer Trennung zwischen Hoch- und Volkskultur aussehen könnte. „Tradition und Moderne sind gleichberechtigt“, heißt dazu im Regierungsabkommen von FPÖ und ÖVP auf Landesebene. Der Neo-Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl betonte im ORF-„Kulturmontag“ klar: „Ein Ausspielen gegeneinander wird es nicht geben.“
Im Abkommen steht nun als Phrase: „Ausbau des Filmlandes Steiermark“. Dabei klagt die steirische Branche schon lange über nicht an die Gegebenheiten der Gegenwart angepasste Fördersituation. Denn mit dem innovativen Steueranreizmodell in der Filmförderung (Fisa+, ÖFI+) konnten seit 2023 alleine mit Fisa+ „162 Projekte ein Gesamtzuschuss von rund 144 Millionen Euro genehmigt werden“, unterstrich das Arbeits- und Wirtschaftsministerium vor wenigen Tagen den Erfolg. Zur Erinnerung: Dieses Modell sieht Zuschüsse bis zu 30 Prozent der förderungsfähigen Herstellungskosten vor und kann mit bestimmten Nachhaltigkeitskriterien um weitere fünf Prozent erhöht werden. Der Wertschöpfungsfaktor noch nicht mitberechnet.
„Nur wenige dieser Gelder gehen in die Steiermark“, sagt Filmemacher, Produzent und Drehbuchwerkstatt-Leiter Markus Mörth, der auch im Kulturkuratorium des Landes vertreten ist. „Um mehr internationale Produktionen und mehr Mittel in die Steiermark zu bringen, reichen die Mittel, die Land und Stadt momentan stellen, nicht aus.“ Die Cinestyria hat eine Million Euro Budget, ihre Förderung bleibt an schöne, touristisch vermarktbare Bilder geknüpft, die Cineart wurde 2023 mit rund 812.000 Euro gefördert und die Film Commission Graz erhielt im Vorjahr laut Kulturamt 230.000 Euro nur durch Umverteilung und Sparbücher. Für heuer sind 120.000 Euro budgetiert, auf die Vorjahressumme werde man trotz möglicher Nachbudgetierung nicht kommen. Vor 2021 war diese Commission mit 350.000 Euro pro Jahr dotiert.
Je weniger Geld, desto weniger kann man an den +Förderungen auslösen. Und je mehr wird die Branche untereinander aufgetrieben, weil für große Produktionen sind die Summen zu gering und kleinere Produktionen werden ausgeblutet. „Die Gefahr ist, dass die gesamte Kompetenz abwandert“, betont Mörth. Aus universitärer Sicht ist zwar ausbildungstechnisch im Bereich der Produktions- und Aufnahmeleitung durchaus Luft nach oben, doch nebst Ortweinschule, einem Ergänzungsfach Medien an der Uni Graz, wird vor allem an der Kunstuniversität Graz filmische Kompetenz gelehrt – u.a. Schauspiel, Filmmusik, Ton, Sound-Design.
Um den Standort zu stärken, haben die Ressorts Kultur und Wirtschaft der vergangenen Landesregierung an der Installation einer zusätzlichen Filmförderung gearbeitet. „Es handelt sich dabei um eine Förderschiene, die es ermöglichen soll, einzelne Teile einer Produktion bzw. Service-Produktion auszugliedern – wie etwa Sound Editing, Colour Grading, usw.“, zählt Oliver Zeisberger, Fachvertreter der Film- und Musikwirtschaft der Wirtschaftskammer Steiermark auf. Er beziffert den Betrag mit einer Million. „Der Vorteil dieser Förderung wäre, dass sie unabhängig von der Art des Projekts und der touristischen Bilder zur Verfügung steht.“ Und unabhängig der Gewerke. 750 Mitgliedsbetriebe zählt Zeisberger, mehr als 90 Prozent seien sogenannte EPUs, also Ein-Personen-Unternehmen.
So eine Förderung würde Produzent Alexander Glehr von der Film AG begrüßen. Denn: „Es ist super, dass es eine professionell aufbereitete, steirische Filmförderung gibt. Aber schade, dass diese nicht an veränderte Marktbedingungen angepasst ist.“ Der Präsident des Filmverbandes AAFP kritisiert, dass man bei der Cinestyria oft einzig auf Fernseh-Projekte setze; auch, „weil diese durch die Quoten einfach zu messen wären.“ Streaming und Kino blieben oftmals außen vor. Die Stadt Wien hat die beste Länderförderung und kommt mit Filmfonds Wien, der Kulturabteilung der Stadt MA7 sowie der neuen touristisch orientierten Vienna Film Incentive auf rund 20 Millionen Fördervolumen. In Niederösterreich seien es rund drei Millionen. Glehr: „Die Steiermark nützt in Sachen Film das Potenzial nicht aus.“