Der Appell „für die kulturelle Vielfalt des Landes Steiermark“ richtet sich an Noch-Landeshauptmann und Kulturlandesrat Christopher Drexler (ÖVP), und er ist so dramatisch wie dringlich: In einem gemeinsamen Schreiben plädieren mehr als 500 steirische Kulturschaffende im Namen ihrer Institutionen und Vereine an den Politiker, der derzeit ein Koalitionsabkommen mit Landtagswahlgewinner Mario Kunasek (FPÖ) aushandelt, „dafür Sorge zu tragen, dass im Koalitionsabkommen Rahmenbedingungen festgeschrieben werden, die das Feld der Kunst und Kultur auch in Zukunft strukturell und finanziell absichern.“
„Für einen möglichst breiten Zugang für alle Menschen zu Kunst und Kultur in einer offenen, pluralen Gesellschaft, braucht es die Gleichzeitigkeit vieler Akteur:innen“ wenden sich die Unterzeichnenden an den Politiker, der auch als Kulturreferent des Landes agiert.
Für den Erhalt der Landesabgabe
Unter anderem wird Drexler darin ersucht sich für die Beibehaltung der mehrjährigen Kulturförderverträge und Fair Pay einzusetzen, für die Valorisierung der Budgets, innovative Arbeit und die von ihm lancierte Kulturstrategie. Zuvorderst soll sich der Politiker für den Erhalt der Landesabgabe einsetzen, wird verlangt – derzeit wird diese Aufzahlung in der Steiermark zusätzlich zur ORF-Haushaltsabgabe eingehoben, sie bringt pro Jahr rund 30 Millionen Euro ein, die zu 75 Prozent in die Kulturförderung gehen. Weitere 15 Prozent gehen für die Instandhaltung von Kultur- und Sportanlagen ins Budget. Das Problem: Die FPÖ hat sich die Abschaffung dieser Abgabe auf die Fahnen geheftet. Diese dient aber – wenn auch nicht offiziell zugeordnet – auch zur Absicherung der freien Szene. Die gilt in der Steiermark nicht von ungefähr als besonders aktiv, vielfältig und innovationsträchtig.
Kritische Gegenwarts- und Zukunftsformate
Dass diese Szene von einer FPÖ die laut Parteiprogramm künftig Förderungen unter anderem an das „Wohlverhalten“ der Fördernehmer knüpfen will, alarmiert ist, überrascht nicht. „Es braucht die Vertreter:innen der Traditionen und des kulturellen Erbes sowie die Innovationskraft zeitgenössischer Kunst, die ehrenamtliche Vereinsarbeit wie in den Blasmusikkapellen sowie kritische Gegenwarts- und Zukunftsformate in der reichhaltigen Förderungslandschaft unabhängiger Kunst- und Kulturakteur:innen. Es braucht inklusive wie soziokulturelle Zugänge, regionale und lokale sowie überregionale, österreichweite, europäische und internationale Akzente und Netzwerke“ argumentieren die Unterzeichnenden.
Man habe „allen Anlass zu befürchten, dass die Kraft freier Kunstausübung abgeschafft werden soll, um einen Kunst- und Kulturbegriff einer „homogenen Leitkultur“ zu etablieren. Der außerordentliche und überregional bekannte Reichtum des Standorts Steiermark, das grenzenüberschreitende und offene europäische Bewusstsein ist in Gefahr. Wir können an Entwicklungen in Ungarn und der Slowakei ablesen, welch fatale Folgen das für den Zustand von Gesellschaft hat. Die Geschichte zeigt: Autoritäre politische Bewegungen schränken zuerst das vielfältige Kunst- und Kulturfeld ein.“
Ungemach droht aber auch von anderer Seite. Auch die Koalitionsverhandlungen im Bund zwischen ÖVP, SPÖ und NEOS dürften Förderkürzungen bringen und in der Stadt Graz hat die Rot-Rot-Grüne Regierung Budgetkürzungen von etwa einer Million Euro für die Freie Szene vorgesehen.