Als der Szenenapplaus endlich aufbrandet, ist er schon fast überfällig; bei einer der galligsten und denkwürdigsten Passagen aus Thomas Bernhards „Holzfällen“. Es habe, trägt Nicholas Ofczarek da vor, „in Wien immer Lieblings-Burgschauspieler gegeben, aber niemals…“ – und in diese Kunstpause prasselt, da muss man jetzt schreiben: naturgemäß, der Beifall – „... niemals einen Lieblings-Burgtheaterdirektor.“ Mit hübschem Timing hat da der neue Burg-Chef Stefan Bachmann „Holzfällen“ als dritte Premiere seiner Antrittsspielzeit angesetzt. Umso mehr, als die so präzise abgelieferte wie pünktlich bejubelte Pointe für einen enorm unterhaltsamen Abend steht. Den bestreitet Ofczarek gemeinsam mit der großartigen Musikbanda Franui.
Ihr Mastermind Andreas Schett hat den Text von Bernhards berühmter „Erregung“ mit Tamara Metelka für eine „Romanmusikalisierung“ bearbeitet, die Bernhards Text in elegische Werkfragmente etwa von Bartók, Brahms, Tschaikowsky, Mozart, Cage, Purcell bettet. Mit der zehnköpfigen Band im Rücken und in Paul Griljs eleganten Lichtgebäuden deklamiert Ofczarek (auf einem Wirtshausstuhl statt im bernhardschen Ohrensessel) den Text, der bei seinem Erscheinen 1984 für Literaturskandal und Verleumdungsprozess sorgte: Der Komponist Gerhard Lampersberg hatte sich in einer der Figuren erkannt, über die der Ich-Erzähler des Romans in pointiertem Abscheu herzog.
„Holzfällen“ schildert ein alkoholsattes Abendessen nach der Trauerfeier für eine aus dem Leben geschiedene Künstlerfreundin und die verspätete Ankunft eines Burgschauspielers. 40 Jahre später schält nun Ofczarek aus diesem Text fein moduliert, effektreich und mit schöner Selbstironie die Komödie einer Hassliebe, in der sich der Erzähler zum Richter einer Künstlergesellschaft aufwirft, der er sich allem Ekel zum Trotz nicht entziehen kann. Standing Ovations, die nächste Vorstellung am 16. September ist bereits ausverkauft.