"Christmas Flow"Eine Weihnachtsserie ohne Zuckerschock

Eine Feminismus-Aktivistin und ein Rapper, kann das gut gehen? Eine französische Miniserie auf Netflix zeigt mit viel Witz, wie das geht.

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Shirine Boutella und Rapper Tayc in „Christmas Flow“ © Mika Cotellon/Netflix
 

Weihnachtsserien- und filme haben es ja an sich, dass sie auch abseits von Prinz und Prinzessin gar unmögliche Paarungen aufmarschieren lassen. Also bitte: Ein Rapper und eine Journalistin, die mit zwei Freundinnen die Feminismus-Plattform „die Simones“ betreibt. Da klingelt es natürlich gleich, aber nicht nach lieblichen Weihnachtsglöckchen: Simone de Beauvoir! Die hätte den Rapper Marcus für seine frauenfeindlichen Lieder ziemlich sicher in der Küche des Café de Flore gegrillt. Aber wer wird den gleich so aufbrausend sein – eine Klage wegen Diskriminierung und Anstiftung zur Gewalt tut es dann auch.
Und so muss Marcus, gespielt vom französischen Rapper Tayc, eine kleine Kurskorrektur vornehmen – also mehr weihnachtlich als frauenfeindlich. Es wäre keine Weihnachtsserie, wenn Marcus nicht zufällig auf Lila (Shirine Boutella, „Lupin“) treffen würde und deren holprige Annäherung den Nukleus der dreiteiligen Serie bilden würde. „Christmas Flow“ lässt die beiden Welten mit viel Witz und bisweilen feiner Ironie aufeinanderprallen.

Eingebettet ist die Serie, die in Paris spielt, nicht in ein typisch französisches Klischeesetting, sondern pendelt zwischen Hochhaussiedlung und Jugendzentrum. Dort trifft man auf das, was alles andere als ein Klischee ist: Junge Burschen, die sich im adoleszenten Selbstfindungsprozess Habitus und Sprache der Rapszene aneignen. Wenn da mal nicht „Die Simones“ mit einer Gegenoffensive starten. Es ist vor allem das Damentrio, das hier auf höchst sympathische Art und Weise die Hosen anhat. Auch, weil sie selbst mit großer Aufrichtigkeit ihre Überzeugungen vertreten, aber auch mal ganz gepflegt scheitern können. Soll noch einer sagen, dass Weihnachtsserien nicht politisch sein können.

 

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