So etwas wie diese Serie gab es im deutschsprachigen Fernsehen noch nicht!“, kündigte Sky-Fiction-Chef Marcus Ammonim Kleine-Zeitung-Interview im Frühling an. Und tatsächlich ist die Serie „Ich und die Anderen“, die am Donnerstag auf Sky anläuft, ein spannendes TV-Experiment: Die Hauptfigur Tristan (Tom Schilling) durchlebt in sechs Folgen täglich neue Ausgangspositionen, darunter: Wie sähe ein Tag aus, an dem alle alles von dir wissen? Wie, wenn alle in dich verliebt wären? Wie, wenn alle immer die Wahrheit sagen würden?

Wer die Handlung von „Ich und die Anderen“ nacherzählen will, steht vor einer Herausforderung. Was ist für Sie der Kern der Serie?
David Schalko: Der Kern ist eigentlich, dass jemand sein Verhältnis zu den anderen überprüft – in Form von Wünschen und Prämissen. Wobei der Charakter ein bisschen ein Mann ohne Eigenschaften ist, als würde er sich wie eine Simulation von Folge zu Folge zusammenbauen. Das hat aber schon viel mit der zweiten Staffel zu tun, die es aber vielleicht nie geben wird. Es ist eine Art von Simulation, von Simulationserzähltechnik, wo immer alles auf mehreren Ebenen gleichzeitig funktioniert.

Eine dieser Ebenen ist der Hyperindividualismus, den wir in der Gesellschaft sehen. Das sagt ja schon der Titel der Serie: „Ich und die Anderen“.
David Schalko: Erstens ist die Frage, ob es irgendwann anders war und die sozialen Medien nicht nur verstärken, was immer schon so war. Es hat sehr viel mit dem Individualismus zu tun, der vor allem im 20. Jahrhundert sich immer mehr herauskristallisiert hat. Der war im 17. oder 18. Jahrhundert vielleicht an aristokratischen Höfen verbreitet, aber woanders nicht. Es ist eher die Frage, was man für einen Bezug zu den anderen hat. Insofern ist es auch eine Serie über Empathie, weil Empathie-Forschung in der Serie auch eine große Rolle spielt.